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"Ein Chef muss sein eigener Kritiker sein"

CEO of the Future Interview McKinsey (Autor: ArtFamily, Quelle: Fotolia.com)

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Wie sehen die Manager von morgen aus? Wir haben einen von ihnen interviewt: Daniel Kob, der den Strategie-Wettbewerb 'CEO of the Future 2011' gewonnen hat. Im Gespräch verrät er, worüber er mit dem Vorstandsvorsitzenden von Henkel geplaudert hat. Und warum es für das Wettbewerbsfinale notwendig war, sich mit Haarpflege-Produkten auseinanderzusetzen.

Du bist der "CEO of the Future 2011" - was müssen deiner Meinung nach Chefs von morgen können?

Vieles, was heute wichtig ist, wird auch wichtig bleiben. Ein Chef muss Visionen haben und eine Wertekultur vorleben. Er muss Verantwortung übernehmen, Probleme lösen und sich vor seine Mitarbeiter stellen. Außerdem sollte er langfristig denken, Dinge hinterfragen und Menschen führen und motivieren können. Beim letzten Punkt wird sich meiner Meinung nach etwas verändern: Unsere Generation braucht mehr Freiraum in der Arbeit, um sich selbst zu verwirklichen - auch in Konzernen. Deshalb müssen Chefs ein hohes Maß an Verantwortung übertragen und flexible Arbeitsbedingungen schaffen, damit ihre Mitarbeiter querdenken können.

Und was ich ganz wichtig finde: Ein Chef muss eine Führungspersönlichkeit sein. Man muss als Mensch auftreten, um Menschen führen zu können. Dafür muss man selbstreflektiert sein und auch sein eigener Kritiker.

Was hast du mit deinem Gewinn gemacht?

Der Gewinn war zum Einen ein Preisgeld von 7.000 Euro, das für Bildungszwecke eingesetzt werden soll. Ich habe das in eine Summerschool an der Stanford University investiert, die in einem Monat beginnt. Dort werde ich Einblicke in Unternehmen im Silicon Valley bekommen und unter anderem Google, Facebook und die Nasa besuchen. Auch wird es Vorträge von jungen Start-Ups und Stanford-Profs geben - und danach hänge ich noch ein bisschen Urlaub dran.

Zweiter Teil des Gewinns war ein Coaching durch den Vorstandsvorsitzenden von Henkel, Kasper Rorsted. Wir haben uns bisher zweimal getroffen und sehr interessante Gespräche geführt. Kasper Rorsted hat mich viel zur Selbstreflexion angeregt, indem er mir Fragen stellte wie: "Welche Ziele haben Sie?", "Was möchten Sie in den nächsten zwei Jahren gelernt haben?", "Wofür möchten Sie stehen?". Er hat mir seine Sichtweise vermittelt und mich zum Nachdenken gebracht.

Warum hast du beim Strategiespiel "CEO of the Future" mitgemacht?

Ich habe auf Facebook davon erfahren. Ich hatte davor noch nie vom "CEO of the Future" gehört und fand die Ausschreibung etwas provokant: Die suchen tatsächlich Topmanager unter Studenten und Berufseinsteigern? Aber es klang spannend und ich fand die Aussicht reizvoll, Einblick in die teilnehmenden Unternehmen zu bekommen. Außerdem sind solche Veranstaltungen immer eine gute Möglichkeit, interessante Menschen zu treffen, die viel zu erzählen haben. Ich dachte mir: "Du hast nichts zu verlieren" und wollte wissen, ob ich eine Chance beim Wettbewerb habe.

Am Anfang müssen die Teilnehmer einen Essay einreichen - worum ging es in deinem?

Die Grundfrage war, wie sich Erfolg im Jahr 2030 definiert und wie sich die Rahmenbedingungen für das Topmanagement ändern werden. Mein Essay hieß "Warum aus Wertorientierung endlich Werteorientierung werden muss". Meine These ist, dass Unternehmen langfristig keine andere Wahl haben, als werteorientiert zu handeln. Unsere Generation ist anspruchsvoll und vergleichsweise wertekonservativ, wir möchten bei einem Unternehmen arbeiten, mit dem wir uns identifizieren können. Wir wollen Selbstverwirklichung und Verantwortung. Unternehmen müssen in Zeiten des demographischen Wandels und voranschreitenden Fachkräftemangels sozial und nachhaltig handeln, um qualifizierte Arbeitnehmer anzuziehen. Auch werden Unternehmen durch die starke Nutzung von sozialen Medien in der Gesellschaft zwangsläufig transparenter werden. Von bloßem Gerede über verantwortungsvolles Handeln lässt sich niemand mehr beeindrucken.

Was passierte, nachdem du den Essay eingesendet hattest?

Nachdem ich Essay und Lebenslauf abgeschickt hatte, bekam ich die Nachricht, dass ich es zu einem Auswahltag in Düsseldorf geschafft hatte. 80 Bewerber waren in die nächste Runde gekommen, die sich jetzt auf drei Auswahltage verteilten. In Düsseldorf fand eigentlich ein klassisches Assessment-Center statt, mit einem Online-Test zu analytischem Denken, Interviews, einer Gruppenarbeit und einer spontanen Präsentation.

Dann ging's ins Finale?

Ja, 20 Teilnehmer kamen ins Finale. Aber vorher luden die Unternehmen die Finalisten noch an zwei Wochenenden zu Seminaren ein. Die Workshops waren sehr gut, es ging zum Beispiel um Feedback, Teamgespräche führen, Change Management und Führungsverantwortung. Es gab auch viel Raum für Gespräche. Ich habe Menschen getroffen, die andere Sichtweisen haben, offen und begeistert sind - es haben sich da auch gute Freundschaften entwickelt. Das war wirklich eine tolle Zeit und hat viel Spaß gemacht. Das eigentliche Finale fand dann in der AlpineUniversity von McKinsey in Kitzbühel statt.

Und dort kamen dann Haarpflege-Produkte zum Einsatz?

Vier Wochen vor dem Finale bekamen wir eine Fallstudie zugeteilt, die wir jeweils zu dritt lösen sollten. Unsere Aufgabe war es, zwei neue SYOSS-Haarpflege-Produkte zu entwickeln sowie eine Social-Media-Strategie für die gesamte Marke. Wir hatten einen Ansprechpartner im Unternehmen und bekamen Unterlagen wie Marktforschungsergebnisse und Werbematerial zugeschickt. Mein Team und ich haben oft spät abends nach der Arbeit telefoniert und Ideen entwickelt. Wir haben uns intensiv mit bestehenden Produkten auseinandergesetzt und für die Präsentation Fotos von uns gemacht, auf denen wir uns mit Haarpflege-Produkten anderer Marken stylen und damit absolut nicht zurechtkommen.

Unsere Präsentation lebte von vielen Visualisierungen, wir haben die Produkte und die Kampagne live beim Finale in Kitzbühel vorgeführt. Anschließend hat die Jury uns ins "Kreuzverhör" genommen und zu unseren Ideen befragt. Am Ende belegte unser Team die ersten drei Einzelplätze. Man hat wohl gemerkt, dass wir Spaß daran hatten, eine Marketing-Strategie zu entwickeln und zu präsentieren.

Wie war es, als du erfahren hast, dass du der Gewinner bist?

Wir hatten die Präsentationen der anderen Teams nicht gesehen, deswegen hatte ich keinen Vergleich und konnte überhaupt nicht einschätzen, welche Chancen ich habe. Zuerst wurde der dritte Platz vergeben, dann der zweite - und danach dachte ich nicht, dass die Jury mit mir auch noch den letzten aus unserem Team mit einem Preis belohnt. Ich war wirklich überrascht und überwältigt, weil ich nicht damit gerechnet hatte, zu gewinnen. Die anderen Teilnehmer haben mir alle herzlich gratuliert. Und anschließend gab es noch ein angeregtes Dinner mit der Jury und eine coole Party.

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