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Ein Oscar für Business Technology

Business Technology Award McKinsey (Autor: Brian Jackson, Quelle: Fotolia.com)

© Brian Jackson - Fotolia.com

War es eine Überraschung für Sie, dass Sie den Business Technology Award von McKinsey bekommen haben?

Ja, das hat mich natürlich schon sehr überrascht. Denn die anderen Ideen und Vorträge waren auch sehr gut. Auch die Jury meinte, dass die Entscheidung knapp war. Dafür war ich aber umso erfreuter, dass ich es geschafft habe.

Mit welchem Konzept haben Sie den Preis gewonnen?

Ich habe mich mit meiner Doktorarbeit beworben, die ich eine Woche vorher an der Uni Mainz abgegeben hatte. Dabei geht es um ein Entscheidungsunterstützungssystem, das nah ausgerichtet ist am Entscheidungsverhalten des Menschen. Menschen nutzen unterschiedliche Entscheidungsstrategien und wechseln auch mal die Strategie, je nach Situation. Mein System soll alle bisher beobachteten Entscheidungsstrategien unterstützen und dem Entscheider dabei volle Flexibilität lassen, auch zwischen verschiedenen Strategien hin und herzuwechseln. Ein Anwendungsgebiet dafür sind Online-Shops, denn der User braucht ein flexibles System, das ihm alles anbietet, ihn beim Online-Kauf unterstützt, aber ihm nichts aufdrängt. Das ist das Ziel.

Solche Systeme werden ja auch schon bei Online-Shops eingesetzt. Was ist bei Ihrer Idee anders?

Normalerweise funktionieren solche Systeme mit eher einfachen Filter- und Sortiermechanismen, also zum Beispiel: Das Handy darf nicht mehr als soundsoviel Euro kosten, es soll diese oder jene Funktionen haben. Diese Systeme unterstützen aber nur spezielle Entscheidungssituationen. Außerdem überfordern sie den User oft, weil immer noch so viele Auswahlmöglichkeiten übrig bleiben. Ich wollte ein flexibleres System, das nach den verschiedensten Kriterien filtern kann, nicht nur auf- und absteigend sortieren kann, sondern zum Beispiel auch nach Farben. Außerdem kann der Nutzer die relevanten Informationen ein- und ausblenden und Wichtiges markieren. So kann das System am Ende das am besten passende Produkt hervorheben.

Wie haben Sie das System umgesetzt?

Das System wurde in Javascript und PHP programmiert. Beim Programmieren hatte ich auch große Unterstützung, da die Arbeit für eine einzelne Person zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte. Außerdem hat mir geholfen, dass ich auch Sozialpsychologie im Studium belegt habe und dabei psychologische Methoden kennengelernt habe. Diese habe ich zum Beispiel verwendet, um Usability-Studien zu planen. Meine Arbeit ist sehr praxisrelevant - das hat mir auch beim Award geholfen, denn die Jury sucht ausdrücklich nach Ideen, die für Unternehmen von höchstem Interesse sind. Ich hatte vorher schon Kontakt zu Firmen, aber durch den Preis haben mich nun noch mehr Unternehmen angesprochen, weil sie sich vorstellen könnten, mit mir zusammenzuarbeiten.

Mit welchen Ideen haben sich Ihre Mitstreiter beworben?

In meiner Gruppe gab es eine Idee für ein Programm, das einem Online-Shop-Betreiber geeignete Empfehlungssysteme für den eigenen Shop vorschlägt. Außerdem eine mobile Unterstützung für E-Government-Lösungen und generell viele Ideen rund um E-Marketing, Web-2.0-Anwendungen und Ähnliches. Es gab aber auch ganz andere Themen, wie Simulationen zu Katastrophenfällen in Supply-Chains.

Wie kamen Sie darauf, sich für den Business Technology Award zu bewerben?

Ich habe im Internet nach Preisen für Abschlussarbeiten gesucht und bin dabei auf den Marketing Award von McKinsey gestoßen. Dann habe ich mich mit einem Bekannten unterhalten, der bei McKinsey arbeitet. Er meinte, dass der Business Technology Award noch besser zu meiner Arbeit passen würde. Also habe ich mich beworben und ein Abstract eingereicht. In der zweiten Bewerbungsrunde musste ich dann die ganze Dissertation einsenden.

Wie haben Sie sich auf die Finalteilnahme vorbereitet?

Vor dem Finale in Kitzbühel hatten alle Teilnehmer einen Telefontermin mit einem Berater von McKinsey. Meine Ansprechpartnerin hat mir Tipps gegeben, wie ich meinen Vortrag verbessern kann und meine Fragen zum Finale beantwortet. Dieses Gespräch hat mir geholfen, die Beratersicht auf mein ganzes Projekt war interessant. Den Vortrag haben wir dann zwei Wochen vorm Finale eingereicht, damit auch die Jury sich vorbereiten kann.

Wie lief das Finale in Kitzbühel ab?

An dem Freitag, als es losging, hatte es tüchtig geschneit. Wir sammelten uns am Münchner Hauptbahnhof und wurden von dort mit einem Sammeltaxi nach Kitzbühel in die Alpine University gebracht. Es gab vierzehn Kandidaten, entweder Einzelpersonen oder auch Teams, die auf zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Jeder hielt einen zwanzigminütigen Vortrag zu seinem Thema vor der Jury, die aus Professoren und Wirtschaftsvertretern bestand. Anschließend gab es eine Diskussion von 15 Minuten zum Thema, bei der die Jury und die anderen Bewerber Fragen stellten. Abends kamen wir bei Abendessen, Glühwein und Open Bar zusammen.

Und am Samstag stand dann die Entscheidung an?

Am Samstag hielt zu Beginn ein McKinsey-Partner einen Vortrag und präsentierte die McKinsey-Technology-Initiative. Es ging darum, was in der Zukunft bedeutsame Technologien sein werden. Außerdem stellte er das Business Technology Office von McKinsey vor. Erst danach erfuhren wir, wer es ins Finale geschafft hatte. Das war auch gut so, weil man sich so besser auf den Vortrag konzentrieren konnte.

Und dann wurde es spannend...

Die Finalauswahl selbst war dann wie beim Oscar - die Jury öffnete Umschläge, auf denen die Namen derer standen, die es ins Finale geschafft hatten. Wir Finalisten präsentierten noch einmal unsere Idee vor dem gesamten Publikum. Dann hielt ein Jury-Mitglied, Professor Tim Weitzel von der Uni Bamberg, einen Vortrag zum Thema "Does IT matter", und es gab eine interessante Diskussion. Und anschließend fand die Preisverleihung statt. Ich bekam für den ersten Platz 7.500 Euro, an den zweiten und dritten gingen jeweils noch 3.000 und 2.000 Euro. Und sogar der Viertplatzierte bekam noch einen Preis: ein iPad.

Was haben Sie außer dem Preis noch mitgenommen?

Der Austausch mit den anderen Kandidaten war interessant - die Arbeiten sind ja zum größten Teil noch nicht veröffentlicht und waren mir deshalb meistens unbekannt. Und es war auch spannend, dass manche Themen so nah beieinander lagen - es gab allein drei Projekte, die meiner Promotion ähnelten. Wir haben dann schon gescherzt, dass wir uns ja eigentlich zusammen selbstständig machen könnten.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Ich habe gerade meine Abschlussprüfungen für die Promotion hinter mir. Zuerst geht es nach Lausanne zu einem Professor, der über Entscheidungsverhalten forscht. Dort gebe ich auch einen Master-Kurs zu Entscheidungsunterstützungssystemen. Danach habe ich einen Forschungsaufenthalt in Vancouver bei einem renommierten Professor der Wirtschaftsinformatik. Anschließend möchte ich mich in Mainz habilitieren. Ich forsche total gerne und mag es, meinen Ideen nachgehen zu können und relativ frei zu sein. Aber auch die Lehre macht mir viel Spaß und ich finde es toll, dass man an der Uni eben beides miteinander vereinen kann. Momentan reizt mich die Uni am meisten, aber ich finde auch Beratung spannend und habe schon extern für eine Beratung in Boston gearbeitet.

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