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Ein Auto-Pilot für die Rennstrecke

Ein Auto-Pilot für die Rennstrecke, CEO of the Future [Quelle: freeimages.com, Autor: arinas74]

Quelle: freeimages.com, arinas74

Wie sieht die Welt im Jahr 2030 aus? Und welche Maßnahmen müssen Unternehmen ergreifen, um auch dann noch wettbewerbsfähig zu sein? Mit dieser Frage beschäftigte sich Philipp Eska beim Wettbewerb "CEO of the Future". Seine Antwort: Er schickte die Jury auf die Rennstrecke.

Haben Sie als amtierender "CEO of the Future" die Führungsposition in Ihrer Karriere schon fest eingeplant?

Mein Wunsch ist es, mitgestalten zu können. Dass es gegebenenfalls auf eine Führungsposition hinausläuft, ist eigentlich mehr die logische Konsequenz daraus. Als ich beim "CEO of the Future" mitgemacht habe, habe ich mir nicht primär Gedanken darüber gemacht, ob der Titel des Wettbewerbs Programm sein könnte, sondern habe es als sportliche Herausforderung gesehen.

Wieso haben Sie am Wettbewerb teilgenommen?

Ich finde das Konzept dahinter genial. Es hat mich gereizt, mit Unternehmern in Kontakt zu kommen, die schon so viel geleistet haben. Zum Beispiel mit Heinrich Hiesinger, dem Vorstandsvorsitzenden von ThyssenKrupp, der auch in der Jury des Wettbewerbs saß. Ich finde es beeindruckend, welche Ruhe, Autorität und Kompetenz er ausstrahlt. Solche Menschen zu treffen und von ihnen zu lernen war für mich ein großer Anreiz, beim "CEO of the Future" mitzumachen.

Wie haben Sie sich beworben?

Zu Beginn reichte ich meinen Lebenslauf und einen Essay ein. Das Thema lautete: "Du bist ins Jahr 2030 versetzt worden und kannst dir ansehen, wie die Welt in der Zukunft tickt. Mit diesem Erfahrungsschatz kommst du in die Gegenwart zurück, um Unternehmensvorständen zu helfen, ihre Firma für die Zukunft richtig aufzustellen". Ich fand das Thema spannend und es hat mir richtig Spaß gemacht, den Essay zu schreiben. Ich habe also ein Szenario gezeichnet, wie ich mir die Welt 2030 vorstelle. Mein Schwerpunkt lag darauf, dass Führungskräfte in Unternehmen in Zukunft noch mehr als heute Vorbilder sein müssen, gefestigte Charaktere mit einem starken Wertesystem. In diesem Jahr schreiben die Bewerber drei kürzere Essays zu unterschiedlichen Themen.

Wie ging es dann weiter?

Ich wurde zum Auswahltag eingeladen. Dort stellte man sich über den Tag hinweg den unterschiedlichsten Aufgaben. Zunächst eine Gruppenübung, bei der wir in Teams eine Art Rätsel lösen mussten. Außerdem präsentierte jeder seinen Essay und nahm an einem Bewerbungsgespräch teil. Einige Zeit später bekam ich per E-Mail Bescheid, dass ich es als einer von 20 in die Finalrunde geschafft hatte. Daraufhin durfte ich an zwei Vorbereitungswochenenden teilnehmen, bei denen die Partnerunternehmen Workshops zu verschiedenen Themen angeboten haben. Nach dem ersten Wochenende wurden wir in Gruppen aufgeteilt, die jeweils eine Fallstudie eines Partnerunternehmens bearbeitet haben, welche dann am Finalwochenende vor der CEO-Jury präsentiert werden sollten.

Wie lange hatten Sie Zeit für die Vorbereitung der Fallstudie?

Zwei Monate. Im Januar fand dann das zweite Seminarwochenende statt, auf dem wir uns gemeinsam im Team vorbereiten konnten. Aber natürlich hatten wir in der Zwischenzeit sehr viel Kontakt, entweder per Skype und E-Mail oder wir haben uns getroffen.

Wie lief der Wettbewerb ab?

Das Finale fand in der AlpineUniversity von McKinsey in Kitzbühel statt. Alle Teams versammelten sich dort und stellten ihre Ideen vor. Unser Thema war das vernetzte Auto für Porsche. Die Gedanken, die wir uns dazu gemacht haben, gingen in folgende Richtung: Mit dem vernetzten Auto kann man sich nicht wirklich im Wettbewerb differenzieren, weil viele Automobilunternehmen derzeit in diese Richtung forschen. Wir haben uns also gefragt, wie sich Porsche bei diesem Thema von den anderen Firmen unterscheiden kann und welche Produktspezifikation wir bis 2030 marktreif machen können, um den Markenkern von Porsche weiter zu schärfen. Wir denken, dass das für Porsche nur innerhalb einer sehr kleinen Nische funktioniert. Daher war unsere Idee: Wir möchten alle Features eines vernetzten Autos wieder zurück auf die Rennstrecke bringen. Also so eine Art Auto-Pilot für das Rennauto, bei dem man per Schieberegler den Autopiloten einstellen kann, von Großmutter (Beginner) bis hin zu Walter Röhrl (Rennfahrer). Über eine Projektion innerhalb der Autoscheibe soll die Ideallinie eingeblendet werden; zusätzlich kann man auch sehen, welchen Weg man auf der vorherigen Runde gefahren ist und ihn mit der Ideallinie vergleichen. Abgerundet werden soll das Ganze durch das "Porsche Performance Network" zwischen den Fahrern, über das sie sich gegenseitig herausfordern können.

Wie haben Sie Ihre Idee präsentiert?

Unsere Präsentation war sehr interaktiv. Mit Hilfe eines Videos haben wir gleich zu Beginn einen Spannungsbogen aufgebaut. Die kurze Sequenz schloss mit der provokativen Frage: "Ist Porsche eigentlich noch innovativ?" Außerdem haben wir eine App programmiert, die wir der Jury mit Hilfe von Tablets präsentiert haben. Darauf konnten sie unser "Porsche Performance Network" austesten, in dem sich die Rennfahrer vergleichen und herausfordern können. Uns selbst hatten wir bereits als Mitglieder und Rennfahrer in das Netzwerk eingestellt. Die Tablets für unsere Präsentation hatten wir davor im gesamten Freundeskreis eingesammelt.

Die Jury fand unsere Idee so gut, dass sie uns als Sieger ausgewählt hat. Sie hat sogar extra für uns einen Teampreis kreiert, den es bis dahin noch gar nicht gab. Wir durften später unsere Präsentation noch einmal vor dem gesamten Porsche-Vorstand in Zuffenhausen halten, haben mit dem Vorstand diskutiert und bekamen eine Führung durch das Porsche-Werk.

Wie haben Sie Ihren Gewinn verwendet?

Ich habe einen Geldpreis von 7.000 Euro erhalten, den man zweckgebunden für eine Bildungsmaßnahme investieren sollte. Bei mir war das mein Master in Finance an der HEC in Paris. Außerdem ist Thomas Edig, der Personalvorstand von Porsche, mein Mentor geworden.

Was haben Sie im Laufe des Wettbewerbs dazugelernt?

Ich fand es extrem spannend, mit derart vielen Führungspersönlichkeiten in Kontakt treten und mich mit ihnen austauschen zu können. Außerdem hat es mir viel Spaß gemacht, mit Studenten anderer Fachrichtungen zusammenzuarbeiten. Ich hatte bis dahin hauptsächlich mit Betriebs- und Volkswirten studiert und zusammengearbeitet, daher war es eine super Erfahrung für mich, mit Leuten anderer Fachrichtungen zu tun zu haben. In meinem Team waren ein Banker und zwei Ingenieure und es war spannend zu sehen, wie sie ticken.

Wie ging es danach weiter für Sie?

Das Finale war an einem Samstag und am Wochenende war es noch sehr ruhig geblieben, da ich nur Freunden und meiner Familie von meinem Gewinn erzählt hatte. Als ich dann Montagmorgen die erste Nachricht auf meinem Telefon gelesen habe: "Philipp, hab ich dich wirklich gerade im Fernsehen gesehen?" wusste ich, dass der Tag nicht ruhig verlaufen würde. Ab diesem Zeitpunkt kam eine Flut von E-Mails, Gratulationen – und sogar Interview-Anfragen. McKinsey hat mich gefragt, ob ich den Bewerbungsprozess einsteigen möchte – das wollte ich unbedingt. Und mittlerweile arbeite ich dort. Zuerst habe ich aber noch meinen Master an der HEC beendet.

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