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Die quantitativen Spezialisten im Consulting

Zahlen auf einer Tafel (© boscorelli - Fotolia.com)

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Wer zu McKinsey geht, wird automatisch Unternehmensberater - könnte man meinen. Drei Analytiker berichten, wie sich ihre Arbeit von der eines normalen Beraters unterscheidet, wann Sie beim Kunden vor Ort sind und warum Mathe-Kenntnisse allein für ihren Job nicht ausreichen.

Was macht ein Analytiker bei McKinsey überhaupt?

Niklas: Als Analytiker ist man bei McKinsey der quantitative Berater. Wir sind Analyse- und Methodenexperten und unterstützen unsere Teams dann, wenn es etwa darum geht, mathematische Modelle aufzustellen, große Datenmengen zu analysieren oder Optimierungen durchzuführen. Viele Projekte bei McKinsey sind ohne ausgefeilte mathematische Methoden (zum Beispiel aus dem Bereich Machine Learning) gar nicht mehr denkbar. Die Bedeutung datengetriebener Unterstützung von Businessentscheidungen nimmt in allen Industrien immer weiter zu.

Myriam: Unsere Arbeit ist thematisch äußerst vielseitig; man arbeitet sich immer wieder in neue Inhalte und Methoden ein. Das reicht vom Optimierungsmodell der Hafenlogistik bis zur Effektivitätsanalyse von Werbeangeboten im Supermarkt. Sehr spannend war zum Beispiel ein Projekt für einen Klienten in der Schifffahrtsindustrie, bei dem es darum ging, ein Prognosemodell zu erstellen zur taktischen Allokation der Schiffsflotte.

Mit wem arbeitet ihr zusammen - eher mit Kunden oder eher anderen Beratern?

Niklas: Sowohl als auch. Meist arbeitet man als Analytiker gemeinsam mit dem Beraterteam an einem bestimmten Thema und ist entweder direkt mit vor Ort oder arbeitet vom Düsseldorfer Büro aus in ständigem Kontakt zum Beraterteam und den Klienten. Gleichzeitig ist man eng in das Analytikerteam eingebunden, treibt zum Beispiel gemeinsam neue Themen voran und kann sich hier jederzeit Hilfe oder Tipps holen bei seinen Aufgaben.

Habt ihr also eine ähnliche Arbeitswoche wie ein normaler Berater?

Myriam: Das hängt tatsächlich sehr stark vom Projekt ab. Ich hatte Projekte, bei denen ich wie bei Beratern üblich von Montag bis Donnerstag jede Woche beim Klienten war, und das über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Auf der anderen Seite gab es auch Projekte, bei denen ich die meiste Zeit vom Düsseldorfer Office aus gearbeitet habe und zum Beispiel nur für einen Workshop vor Ort war.

Lisa: Da stimme ich zu - das variiert stark. Ich finde, insbesondere am Anfang des Projekts ist es sehr hilfreich, das Beraterteam und den Klienten persönlich kennenzulernen. Gerade zu Beginn treten immer wieder Fragen auf, die ausführlicher zu diskutieren sind. Da ist es besser, sich nicht nur telefonisch auszutauschen. In der Regel findet ein persönliches Kennenlernen zu Beginn statt.

Gibt es auch Projekte im Ausland?

Niklas: Der Fokus liegt zwar auf Deutschland, wir haben aber oft auch Projekte im Ausland. Ich selbst war zum Beispiel schon einmal in Indien, andere Kollegen in Südafrika, den USA oder Kanada. Zudem ist es so, dass sich auch Teams in Deutschland international zusammensetzen, etwa mit Kollegen aus Spanien, Schweden, Frankreich oder Großbritannien.

Myriam: Ich selbst habe fast nur auf Projekten außerhalb Deutschlands gearbeitet, unter anderem mehrere Monate in Australien, Dänemark und Schweden. Ich würde sagen, rund 50 Prozent unserer Projekte sind im Ausland.

Ist der Alltag so stressig wie der eines normalen Beraters?

Lisa: Stressig ist natürlich immer relativ. Auch bei den Beratern ist nicht jedes Projekt gleich intensiv. Und eins ist sicher: Langeweile kennen weder sie noch wir. Manche Teams sitzen beispielsweise auch gerne den ganzen Abend über zusammen oder unternehmen nach der Arbeit noch etwas gemeinsam. Wenn ich beim Klienten vor Ort bin, habe ich im Prinzip den gleichen Wochenverlauf wie die Beraterkollegen. Man muss für sich selbst herausfinden, wie man lernt, zu priorisieren und ein gutes Zeitmanagement für sich findet. Wenn ich im Office bin, kann ich mir die Anfragen und Aufgaben sehr gut einteilen und schaffe es in der Regel auch, gegen 18 Uhr Feierabend zu machen. Ich finde diesen Mix aus Arbeitstagen beim Klienten und der Zeit im Office sehr angenehm.

Myriam: Ein wichtiger inhaltlicher Unterschied liegt in der Gewichtung der Tätigkeiten: Auch wenn wir beim Klienten sind, verbringen wir mehr Zeit mit Analysen und weniger mit der Vorbereitung von Präsentationen.

Warum habt ihr euch entschieden, im Bereich Analytics zu arbeiten?

Lisa: Mein Mathestudium in Bonn war mir viel zu theoretisch. Grundsätzlich habe ich aber viel Freude am analytischen Denken und am Knobeln. Genau das würde ich täglich im Analytics-Bereich machen, dachte ich mir. Glücklicherweise hat sich diese Hoffnung bestätigt.

Niklas: Ich war schon immer an wirtschaftlichen Zusammenhängen interessiert. Obwohl mir die Arbeit an der Uni sehr viel Freude bereitet hat, wollte ich nach der Promotion in Physik in die Wirtschaft gehen. Die Stelle als Analytiker empfand ich für mich als ideale Mischung aus Beratertätigkeit und quantitativer Arbeit.

Myriam: Ich habe erst Wirtschaftswissenschaften und dann Statistik studiert und habe mich immer an der Schnittstelle zwischen beiden Gebieten gesehen. Neben meinem Studium habe ich selbstständig ein statistisches Beratungsprojekt gemacht, wobei mir die Kombination aus quantitativem Arbeiten an wirtschaftlichen Fragestellungen und der Interaktion mit Menschen sehr gut gefallen hat. Da war der Schritt zu Analytics bei McKinsey naheliegend.

Was braucht man, um als Analytiker anzufangen?

Myriam: Natürlich braucht man gute methodische Grundlagen aus einem quantitativen Studium, also etwa Statistik, Mathe oder Physik. Praktische Erfahrungen mit Datenanalysen sowie Programmierkenntnisse (vorzugsweise R und Python) sind sehr hilfreich. Außerdem eine gewisse Grundneugierde und das Interesse, sich in verschiedene Themen schnell einzuarbeiten.

Niklas: Das kann ich bestätigen. Ein weiteres Element ist Kommunikationstalent und die verständliche Darstellung der eigenen Arbeit. Das beste Prognosemodell nützt nichts, wenn es der Klient nicht nachvollziehen kann.

Lisa: Wer als Analytiker anfangen möchte, sollte außerdem nicht davor zurückschrecken, sich länger mit Problemen auseinanderzusetzen, die auf den ersten Blick nicht lösbar scheinen. Natürlich sind dabei Kenntnisse in Methoden und entsprechender Software hilfreich; für meine Stelle als BA Graduate waren sie aber nicht zwingend nötig. Gerade in diesem einjährigen Programm kann man noch Einiges lernen.

Wie sieht es mit der Weiterentwicklung aus: Gibt es ähnliche Karrierestufen wie bei den Beratern?

Niklas: Im Prinzip haben wir ähnliche Karrierestufen wie die Berater, ja. Ohne große Arbeitserfahrung geht es bei uns los als Junior Analytic Specialist, die nächste Stufe ist der Analytic Specialist, dann Senior Analytic Specialist. Man übernimmt dabei in relativ kurzer Zeit sowohl auf den Projekten als auch innerhalb der Gruppe immer mehr Verantwortung.

Myriam: Zusätzlich zu den normalen Beratertrainings haben wir noch Methoden- und Softwaretrainings, zum Beispiel hatten wir vor kurzem ein Training zu Python, ein anderes Mal einen Professor zu Gast, der mit uns einen Workshop zum Thema "Zeitreihenanalyse mit R" durchgeführt hat.

Wie bewirbt man sich als Analytiker?

Lisa: Eine Woche nachdem ich meine Bewerbungsunterlagen online bei McKinsey hochgeladen hatte, wurde ich angerufen, um einen Termin für ein Telefoninterview auszumachen. In dem Interview ging es vor allem darum, sich gegenseitig etwas kennenzulernen und Fragen loszuwerden.

Wieder eine Woche später kam die Einladung zum Bewerbungstag. Dazu bekam ich im Vorhinein drei Fragen, zu denen ich mir Beispielsituationen aus meinem Leben überlegen sollte; außerdem wurden mir zur Vorbereitung Themen genannt, die in den Fallstudien vorkommen könnten.

Am Bewerbungstag selbst hatte ich drei Gespräche mit Mitarbeitern aus dem Analytics-Bereich, in denen es unter anderem um meine Beispielsituationen ging. Außerdem hatte jeder der drei eine Fallstudie mitgebracht. Der Fokus lag dabei auf jeweils unterschiedlichen mathematischen Bereichen. Nach den drei Gesprächen erwartete mich zum Abschluss ein Gespräch mit meinem jetzigen Teamleiter und meiner Managerin, in dem es nicht mehr um mathematische Inhalte ging, sondern eher um das gegenseitige Kennenlernen und eine Einschätzung, ob man zueinander passt. Schon in dem Gespräch bot man mir die Stelle als BA Graduate an, sodass ich noch am selben Nachmittag meinen Vertrag in Händen hielt.

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