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Beratung, Consulting, Meeting [Quelle: tempus corporate, Getty Images]

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Wirtschaftsprüfer müssen nur Zahlen kontrollieren und Häkchen setzen? Weit gefehlt! Angelika Alt-Scherer, Audit-Partnerin bei KPMG, verrät im Interview, worauf es in ihrem Beruf tatsächlich ankommt, wie man chinesische Mitarbeiter führt und warum jetzt der beste Zeitpunkt für den Einstieg in die Wirtschaftsprüfung ist.

Was gefällt Ihnen so gut an KPMG, dass Sie sich zur Rückkehr entschieden haben und dem Unternehmen nun schon seit 13 Jahren die Treue halten?

Was mich am meisten an KPMG begeistert, sind die Menschen – sowohl im Unternehmen als auch auf Mandantenseite – und die fachlich-intellektuellen Herausforderungen der Tätigkeit. Ich arbeite in einem motivierten und engagierten Team aus jüngeren und älteren, erfahreneren Kolleginnen und Kollegen in flachen Hierarchien zusammen. Außerdem schätze ich die Dynamik unseres Geschäfts und die Möglichkeit, im Rahmen von Projekten mit interessanten Mandanten ganz unterschiedlicher Branchen und Größenordnungen zu arbeiten: Ich habe in meiner Zeit bei KPMG börsennotierte Mandate ebenso betreut wie Familienunternehmen und Tochtergesellschaften ausländischer Konzerne und dabei Einblicke in viele Geschäftsfelder und Unternehmensphilosophien gewonnen. Außerdem war ich für die KPMG drei Jahre lang in China als sog. Expat tätig und betreue jetzt unter anderem ein börsennotiertes, global tätiges Unternehmen im Bereich Automotive und Industrie. Kurzum, es war und ist nie langweilig.

Wie kam der Auslandsaufenthalt in China zustande?

Im Zuge der üblichen Rotation bei der Betreuung eines börsennotierten Unternehmens ergab sich die Möglichkeit, eine neu zu besetzende Stelle als Partner in Shanghai zu besetzen. Das Angebot habe ich sehr gerne angenommen, zumal die Dynamik der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft ebenso reizvoll schien wie die einmalige Gelegenheit in einer für mich völlig fremden Kultur in einer asiatische Metropole von schätzungsweise 23 Millionen Einwohnern zu leben und zu arbeiten.

Was waren Ihre Aufgaben in Shanghai?

Ich war in Shanghai für die Betreuung von Tochtergesellschaften überwiegend deutscher Konzerne zuständig. Zusammen mit meinen Teams – hauptsächlich junge, chinesische Mitarbeiter aber auch Expats aus Europa – habe ich einerseits sogenannte Package-Prüfungen nach IFRS verantwortet, die in der Muttergesellschaft in den Konzernabschluss eingehen. Darüber hinaus war ich für unsere deutschen Kollegen und Kunden zentraler Ansprechpartner für ihre Geschäftsaktivitäten in China. Bei Unternehmen, die sich neu in China anzusiedeln planten, ging es hierbei zum Beispiel um Fragen des rechtlichen und steuerlichen Umfelds eines solchen Engagements, den Möglichkeiten, ein Netzwerk aufzubauen und die Geschäfte zu entwickeln. Hierbei fungierte ich als Bindeglied zu unseren Spezialisten in China.

Als Deutsche chinesische Teams leiten: Hat das denn gut funktioniert?

China ist nach meinen Erfahrungen in der Arbeitswelt sehr hierarchisch strukturiert: Es wird – überspitzt ausgedrückt – erwartet, dass "der Chef" alles weiß. Die Mitarbeiter kommen nur selten aktiv mit Vorschlägen und Ideen auf eine Führungskraft zu. Es wird auch weniger diskutiert als in Deutschland und die Kommunikation ist viel indirekter. Am Anfang war es daher wirklich herausfordernd für mich, das Potenzial meiner Mitarbeiter zu erkennen, aber auch von ihnen zu lernen. Aber letztendlich habe ich gemerkt, dass Menschen doch überall gleich "ticken". Wertschätzung, Respekt und Toleranz sind immer eine gute Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Man sollte vor allem nicht den Fehler begehen, die eigenen Denkmuster für die einzig richtigen zu halten. Auch aus unserer Sicht führen ungewöhnliche Wege zum Ziel und sind mitunter auch besser, innovativer oder schneller. Ich habe dort viel gelernt und sehr gerne in China gearbeitet.

Gibt es denn ein Ereignis aus Ihrer Zeit in China, an das Sie sich besonders gerne zurückerinnern?

Da gibt es ganz viele. Eines ist mir aber besonders gut im Gedächtnis geblieben, weil es mich so überrascht hat: Chinesen gelten bei uns gelegentlich als nicht sehr rücksichtsvoll im Umgang mit Anderen, vor allem, im öffentlichen Raum. Eines Tages stand ich nun an einer Ampel in der Nähe des Büros, als es plötzlich anfing zu regnen. Da stellte sich eine junge Chinesin neben mich, hielt ihren Schirm über mich und begleitete mich fast bis zu meinem Büro – einfach so und nur weil ich keinen Schirm dabei hatte. Das fand ich unglaublich nett und so gegensätzlich zu den Klischees, die bei uns oft verbreitet sind.

Spielen die Erfahrungen, die Sie in China gemacht haben, in Ihrer heutigen Position in Deutschland noch eine Rolle?

Wie bereits erwähnt, bin ich aktuell im Automobil- und Industrieumfeld tätig. Für viele deutsche Industrie- und Automotiv-Unternehmen ist China ein relevanter Wachstumsmarkt – daher ist es auch für uns wichtig zu verstehen, wie die chinesische Wirtschaft funktioniert, welche Trends den Markt bestimmen und wo die Herausforderungen liegen. Wirtschaftsprüfung bedeutet nicht, nur die Zahlen abzuhaken und nachzuvollziehen, ob diese richtig aus dem Rechnungswesen abgeleitet sind und dann richtig in der Bilanz stehen. Das Allerwichtigste ist, das Geschäft des Kunden zu verstehen: Wo sind die Chancen, wo sind die Risiken, was ist die Strategie des Unternehmens? Und dann natürlich die Frage, was das nun für den Abschluss des Unternehmens bedeutet und für die Aussagen, die es in der Öffentlichkeit tätigt.

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