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Referendariat zwischen Brüssel und Tokio

Japanischer Kirschbaum [Quelle: freeimages, Autor: csontoslea]

Quelle: freeimages, csontoslea

Welche Aufgaben übernimmt man im Referendariat in einer Großkanzlei? Worin unterscheiden sich deutsche und japanische Anwälte? Clara Spanachi berichtet von ihrem Referendariat, das sie bei Hengeler Mueller in Düsseldorf und Brüssel und bei einer befreundeten Kanzlei in Tokio verbracht hat.

Wie kamen Sie zu Hengeler Mueller?

Mein Schwerpunkt-Seminar an der Uni wurde von Professor Hoffmann-Becking geleitet, der Partner bei Hengeler Mueller ist. Im Rahmen des Seminars besuchten wir auch die Kanzlei und konnten die Anwälte dort kennenlernen. So kam ich in Kontakt mit Hengeler Mueller und habe anschließend dort ein Praktikum absolviert. Das gefiel mir so gut, dass ich später als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Hengeler eingestiegen bin und schließlich auch meine Anwaltsstation in der Kanzlei absolviert habe, und zwar in den Büros in Brüssel und Düsseldorf. Momentan bin ich in Tokio und verbringe dort meine Wahlstation. Hengeler hat mir dabei geholfen, diese Kanzlei hier zu finden, mit der sie auch gerne und häufig zusammenarbeiten.

Wieso hat Hengeler Mueller Sie als Arbeitgeber überzeugt?

Ich hatte von Anfang an den Eindruck, dass bei Hengeler Mueller Menschen arbeiten, die sich für ihre Arbeit begeistern. Ich war gerade in der Vorbereitung für das erste Staatsexamen, als ich mich für das Praktikum beworben habe, und suchte nach praktischer Arbeit und einer Motivationshilfe für das Lernen. Beides habe ich in der Kanzlei gefunden - die Arbeit hat mir immer viel Spaß gemacht.

Für welches Rechtsgebiet haben Sie sich entschieden und wieso?

Begonnen habe ich im Gesellschaftsrecht – das war auch mein Schwerpunkt an der Uni. Mittlerweile arbeite ich aber im Kartellrecht. Das kam durch Zufall zustande, denn vor einiger Zeit gab es bei Hengeler ein Mandat mit Japanbezug im Kartellrecht. Ich wurde gefragt, ob ich Interesse hätte, daran mitzuwirken. In der Anwaltsstation habe ich mich dann auch auf das Kartellrecht konzentriert - ich war ja in Brüssel tätig und dort gibt es generell viele Mandate mit Kartellrechtsbezug.

Was ist das Interessante an Kartellrecht?

Das Kartellrecht hat investigative Aspekte. Wenn es einen Hinweis auf einen Kartellrechtsverstoß gibt, macht ein Anwalt das, was auch die Kommission machen würde: Er sucht in E-Mails und Dokumenten nach Hinweisen auf Verstöße gegen geltendes Recht. Man überprüft, ob es Treffen und Absprachen gab. Das ist juristisch spannend und hat auch was von Detektivarbeit.

Welche Aufgaben haben Sie in der Anwaltsstation übernommen?

Ich habe zu Rechtsfragen recherchiert, durfte Termine bei der Kommission wahrnehmen und an einem Schriftsatz in einem Beihilfeverfahren mitarbeiten. Bei letzterem habe ich mir die Argumente der Kommission angesehen und jeweils ein Gegenargument dazu gefunden – das war sehr spannend. Außerdem konnte ich zu einem Gerichtsverfahren nach Berlin fliegen. Ich hatte bei einem Teil der Vorarbeiten zu der Verhandlung mitgewirkt und habe dann direkt miterlebt, wie meine Arbeit vor Gericht verwendet wurde.

Was hat Ihnen besonders an Ihrem Referendariat bei Hengeler gefallen?

Ich hatte den Eindruck, dass sich in der Anwaltsstation bei Hengeler alle sehr bemüht haben, mir besonders vielfältige Aufgaben zu übertragen. Alle wollten mir Einblick in möglichst unterschiedliche Tätigkeiten und Rechtsgebiete geben. In meiner Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin habe ich hauptsächlich an einem Großverfahren mitgearbeitet - insofern war es schön, nun mal eine andere Arbeitsweise kennenzulernen. Wenn man Spaß an internationalen Mandaten, umfangreichen und komplexen Sachverhalten hat, dann ist die Großkanzlei eine gute Wahl.

Und welche Arbeitserfahrungen machen Sie jetzt in Japan?

Hier wird ganz anders gearbeitet als bei uns in Deutschland. Ich bin nicht auf japanisches Recht spezialisiert, daher übernehme ich hier andere Aufgaben als in der Anwaltsstation bei Hengeler Mueller. Zum Beispiel habe ich auf Englisch einen Teil eines Anteilskaufvertrages geschrieben, weil es um eine internationale Transaktion ging. Im Moment verfasse ich einen Due-Diligence-Bericht auf Japanisch. Das ist schon eine Herausforderung, auch wenn ich Halb-Japanerin bin.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Japan und Deutschland?

Mein Eindruck ist, dass es in Japan viel mehr Hierarchiestufen gibt. Wenn ich einen Vorschlag mache, geht der erst zum Anwalt, dann eine Stufe höher, dann zum Partner – und wenn das O.K. kommt, wird genau die gleiche Schleife vollzogen. Andererseits ist manches auch ähnlich, da das japanische Recht viele Wurzeln im deutschen hat. Zum Beispiel ist das japanische Strafprozessrecht stark an das deutsche angelehnt, weil Japan Anfang des 20. Jahrhunderts Teile des deutschen Strafprozessrechts übernommen hat. Auch Teile des deutschen BGB wurden als Vorlage genommen für das japanische Zivilrecht. Beim Kartellrecht wiederum ist mir aufgefallen, dass es in Europa und Deutschland viel strenger gehandhabt wird.

Haben Sie auch Zeit, Tokio zu erkunden?

Ja, auf jeden Fall! Ich kannte Tokio schon, weil ich dort ein Jahr studiert habe. Aber seitdem hat sich die Stadt unglaublich verändert. Im Herbst muss man hier unbedingt einen Ausflug in die Parks unternehmen, denn dann wechseln alle Bäume ihre Farbe, sie werden weinrot oder knallgelb. Alle Japaner nutzen diese Gelegenheit und veranstalten Picknicks.

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