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Partner im Profil: Karriere im M&A

Reisverschluss [Quelle: freeimages.com, Autor: nkzs]

Quelle: freeimages.com, nkzs

In der Boom-Phase des Internet in den Jahren 1999 und 2000 sind sie zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Sie können "freundlich" oder "feindlich" verlaufen – Übernahmen und Fusionen von Unternehmen. Bis heute wechseln ganze Konzerne durch Aktienan- und -verkäufe an der Börse den Besitzer.

So zum Beispiel der Filmriese TimeWarner, der im Frühjahr 2001 kurzerhand vom jungen Internet-Start-Up AOL übernommen wurde.

"M&A" vor neuen Herausforderungen

Doch um die damals so bezeichnete "Fusionitis" ist es wieder ruhiger geworden. Was nicht bedeutet, dass es Fusionen nicht mehr gäbe. Sie finden noch statt - in bescheidenerem Maße. "Mergers & Acquisitions" heißen sie im Deutsch der BWLer und Juristen. Bei der Übernahme der Brauerei "Brau und Brunnen AG" in Dortmund durch die Oetker-Gruppe im Frühjahr 2004 zahlte der Lebensmittelkonzern immerhin 359 Millionen Euro.

Präzisionsarbeit und Verhandlungssache

Da Fusionen von Unternehmen die Grenzen von Ländern längst überschritten haben, wird auch die juristische Sachlage komplizierter. Fusionen gehen langwierige Verhandlungen voraus, viele komplizierte rechtliche Fragen müssen geklärt werden.
 
Hengeler Mueller gehört zu den renommierten Wirtschafts- sozietäten in Deutschland. Von den rund 250 Anwälten und Partnern ist ein großer Teil auf Mergers & Acquisitions spezialisiert. Mehrere Rechtsgebiete müssen bei einer Fusion berücksichtigt werden. Zum Beispiel Gesellschaftsrecht, Börsenrecht, Übernahmerecht und noch viele andere. Bei internationalen Fusionen müssen die Anwälte auch noch unterschiedliche Rechtssysteme miteinander verbinden. Als Partner beraten sie Manager auch bei der Suche nach geeigneten Beteiligungs- oder Übernahmeobjekten. Das alles macht Mergers & Acquisitions zu einem komplizierten, aber gerade deshalb auch reizvollen Betätigungsfeld für viele Juristen.

Sie haben als Tätigkeitsschwerpunkt Mergers & Acquisitions (M&A). Wie ist dieser Bereich bei Hengeler Mueller aufgebaut?

Anders als in den angloamerikanischen Kanzleien haben wir keine "Departments". Wenn unsere neuen Mitarbeiter nicht von vornherein in einem Spezialgebiet wie etwa dem Kartellrecht oder Öffentlichen Recht tätig werden wollen, müssen sie sich zu Beginn ihrer Karriere nicht für ein bestimmtes Rechtsgebiet entscheiden. Die Mitarbeiter erhalten vielmehr eine breit angelegte Ausbildung innerhalb der sie interessierenden Rechtsgebiete und spezialisieren sich erst später. So sind die Mitarbeiter in unserem so genannten "Mainstream" nicht nur im Bereich Merges and Acquisitions oder Private Equity tätig, sondern arbeiten auch in der gesellschaftsrechtlichen Beratung, bei Umstrukturierungen oder Börseneinführungen mit. Auch ich war anfangs auf breiter Basis im Mainstream tätig. Dann habe ich mich mehr und mehr auf Mergers & Acquisitions spezialisiert.

Die juristische Ausbildung in Deutschland ist ja auch generalistisch geprägt.

Richtig. Die Referendare und Mitarbeiter, die zu uns kommen, haben daher auch häufig noch keine feste Vorstellung, in welchem Bereich sie langfristig tätig sein möchten. Wir geben unseren Mitarbeitern die Zeit, ihren persönlichen Arbeitsschwerpunkt zu entwickeln. Für uns ist es wichtig, dass dies auf einer breiten Erfahrungsgrundlage geschieht. Aus diesem Grund arbeiten die Mitarbeiter jeweils etwa 18 Monate mit je zwei Partnern zusammen und lernen dabei unterschiedliche Arbeitsstile, Mandatstypen und Tätigkeitsgebiete kennen. Dann wechselt die Zuordnung. Wir nennen das Rotationsprinzip. Das garantiert eine runde Ausbildung und nach einiger Zeit entwickeln unsere Mitarbeiter automatisch ihre Interessens- und Arbeitsschwerpunkte.

Wie viele neue Mitarbeiter stellen Sie pro Jahr ein?

Pro Jahr stellen wir etwa 40 bis 50 neue Mitarbeiter ein. Aber wir haben keine Planstellen. Wir stellen Leute ein, von denen wir glauben, dass sie sehr gute Juristen sind und zu uns passen. Unser Motto heißt dabei: "Von den Besten die Nettesten."

Wer ist für Sie der Beste, und wer der Netteste?

Wir sind nicht zu notengläubig, aber wünschen uns grundsätzlich schon zwei Staatsexamina mit mindestens vollbefriedigend. Gute Englischkenntnisse sind auch sehr wichtig. Eine Promotion oder einen Master of Laws (LL.M.) sehen wir gerne, sie sind aber ebenfalls keine Pflicht. Generell sollten Bewerber das Potenzial für eine Anwaltspersönlichkeit mitbringen. Das heißt, sie sollten Eigenschaften wie Offenheit, Neugier, Einsatzbereitschaft und Zielstrebigkeit haben und die Fähigkeit besitzen, mit Mandanten zu kommunizieren und komplizierte Sachverhalte verständlich darzustellen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Mitarbeiter gut in unsere mit zirka 270 Anwälten noch recht übersichtliche Kanzlei passen und teamfähig sind. Das lässt sich übrigens für beide Seiten bereits im Referendariat ausprobieren. Viele unserer Mitarbeiter haben diese Chance genutzt und einen Teil des Referendariats bei uns verbracht.

Welchen Karriereweg kann man bei Ihnen gehen?

Bei Hengeler Mueller gibt es einen festen Karriereplan. Nach anderthalb Jahren werden unsere Mitarbeiter auf unseren Briefbogen aufgenommen. Alle, die nicht schon während ihrer Ausbildung im englischsprachigen Raum juristisch tätig waren, erhalten die Gelegenheit, bei einer befreundeten Kanzlei, einem Mandanten im Ausland oder in unserem Londoner Büro zu arbeiten. Da ein Großteil unserer Mandanten aus diesen Ländern kommt, ist es wichtig, dass unsere späteren Partner ein sicheres Rechtsenglisch beherrschen und das angloamerikanische Rechtssystem und die dortige Mentalität kennenlernen. Am Ende des fünften Jahres fällt eine Vorentscheidung und nach insgesamt sechs Jahren die endgültige Entscheidung über die Aufnahme in die Partnerschaft.

Sie arbeiten zum Teil sehr lange und intensiv mit Ihren Mandanten zusammen. Identifizieren Sie sich auch mit ihnen?

Ja, sehr. Wir verstehen uns als Teil eines Teams, wenn wir mit Mandanten zusammenarbeiten. Wir beraten sie rechtlich bei Unternehmenskäufen und -übernahmen und geben darüber hinaus natürlich auch taktische Beratung. Der Job bedeutet viel Zeitaufwand und auch Stress, aber auch ein hohes Maß an Spannung und Abwechslung. Bei all dem ergibt sich eine Identifikation mit den jeweiligen Projekten ganz von selbst.

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