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Mehr Frauen = bessere Arbeit?

Karriere-Frauen (© Benjamin Haas - Fotolia)

© Benjamin Haas - Fotolia

Seit 2016 müssen mindestens 30 Prozent der Aufsichtsräte von Börsenunternehmen weiblich sein. Doch was bringt die Quote? Bedeuten mehr Frauen in Aufseher-Posten auch höhere Arbeitsqualität? Eine neue Studie gibt Aufschluss darüber, wie die Betroffenen die neue Regelung beurteilen. Und die Ergebnisse zeigen: Die Quote spaltet die Geschlechter.

Vor der Einführung der 30-Prozent-Regelung befragten die Kanzlei Hengeler Mueller und der Personalberater Heiner Thorborg 111 Aufsichtsratsmitglieder nach ihrer Meinung zur Quote. Das Stimmungsbild der Aufseherinnen und Aufseher liegt nun als Studie "Frauen in Aufsichtsräten 2015" vor. Eines wird darin ganz deutlich: Das Thema Quote treibt die Aufsichtsräte und -rätinnen um. Keine der befragten Frauen und nur rund fünf Prozent der Männer geben an, keine Meinung zur Quotenregelung zu haben. Doch die Ansichten darüber gehen weit auseinander.

Sinnvoll oder Unsinn? Eine Geschlechterfrage

Knapp die Hälfte aller Befragten geht davon aus, dass Aufsichtsräte besser arbeiten, wenn mehr Aufseher-Posten mit Frauen besetzt werden. Auffällig sind allerdings die Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Fast neun von zehn Frauen (rund 87 Prozent) meinen, dass sich die Arbeit in Aufsichtsräten dank der Quote verbessern wird. Dagegen erwartet nur jeder vierte Mann (ca. 23 Prozent) eine Verbesserung. Jeder siebte meint sogar, die Qualität der Arbeit werde sich dadurch leicht oder erheblich verschlechtern. Die Mehrzahl der männlichen Befragten gibt sich aber bemerkenswert zurückhaltend: Weit über die Hälfte (62,5 Prozent) gibt an, in dieser Hinsicht "unentschieden" zu sein oder das nicht beurteilen zu können.

Quelle: Hengeler Mueller

Überflüssig oder überfällig?

Bringt die Quote mehr Vor- oder Nachteile? Auch in dieser Frage unterscheiden sich die Einschätzungen von Frauen und Männern stark voneinander. Ein Großteil der weiblichen Befragten meint, die Quote werde mehr Vorteile als Nachteile bringen. Die männlichen Befragten zeigen sich dagegen eher skeptisch. Mehr als jeder dritte Mann sieht eher Probleme bei der 30-Prozent-Regelung. Sie befürchten, zukünftig benachteiligt zu werden. Frauen dagegen glauben kaum an eine drohende Diskriminierung von Männern.

Genau die Hälfte der männlichen Studienteilnehmer hält die Geschlechterquote für überflüssig, denn Frauen würden - ihrer Meinung nach - zukünftig ohnehin öfter als Aufsichtsratsmitglieder berufen. Als überfällig sehen die Regelung nur ein Zehntel der Männer an, dafür aber rund 40 Prozent der Frauen. Einig sind sich die Befragten nur darin, dass Frauen durch die Quote leichter Karriere machen werden.

Vor- und Nachteile der Quote

Positive Folgen der Geschlechterquote sehen die Befragten vor allem in zwei Punkten: Mit der steigenden Anzahl von Aufsichtsrätinnen werde sich die Diskussionskultur verbessern, außerdem sorge die größere Vielfalt für effektivere Lösungsansätze. Doch während fast alle Frauen diesen Aussagen zustimmen, tut das nicht einmal die Hälfte der Männer. Groß scheint die Angst vor der Berufung reiner "Quotenfrauen" zu sein: Als größten Nachteil der 30-Prozent-Regelung nennen die meisten die erschwerte Suche nach qualifiziertem Personal.

Quelle: Hengeler Mueller

Mit dem eigenen Job zufrieden

Doch während das Meinungsbild zur Quote gespalten ist, sind die meisten Befragten mit ihrem eigenen Mandat zufrieden - und zwar geschlechterübergreifend. Fast alle Befragten fühlen sich in ihrem aktuellen Mandat akzeptiert, rund zwei Drittel halten ihre Vergütung für angemessen. Die Hälfte der weiblichen Befragten gibt übrigens an, bereits von der Quote profitiert zu haben. Diese habe bei der eigenen Stellenbesetzung zumindest eine Rolle gespielt. Überraschend ist außerdem, dass trotz der weitgehenden Ablehnung der Quote sich auch die Mehrheit der männlichen Befragten für stärkere Frauenförderung in ihrem Unternehmen einsetzt.

Quelle: Hengeler Mueller

Zukunft ungewiss

Es ist ungewiss, ob die Quote für bessere Arbeit von Aufsichtsräten sorgen wird. In jedem Fall begünstigt die neue Regelung einen Generationenwechsel in den Aufseher-Gremien: Rund 43 Prozent der männlichen Befragten geben an, älter als 60 Jahre zu sein.

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