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Unternehmensrecht: Ein bisschen von allem plus Spannung

Unternehmensrecht Freshfields (Autor: Kzenon, Quelle: Fotolia.com)

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Mandanten erwarten von einem Anwalt im Unternehmensrecht viel: Er soll nicht nur über umfangreiches Fachwissen verfügen, möglichst rund um die Uhr verfügbar sein, sondern auch Verständnis für das wirtschaftliche Umfeld seines Mandanten haben. Nur so kann er ja unternehmerische Entscheidungen maßgeblich und sinnvoll mitbestimmen.

Klingt alles überzogen? Ist es aber nicht. Die Anforderungen im Unternehmensrecht sind hoch, die Lernkurve jedoch ebenso.

Corporate: die größte Praxisgruppe

Mit rund 700 Mitgliedern ist die Praxisgruppe Unternehmensrecht bei Freshfields Bruckhaus Deringer die größte der acht Gruppen. Sie stellt einen Tätigkeitsschwerpunkt vieler Anwälte dar und bildet gleichzeitig zahlreiche Überschneidungen zu anderen Rechtsgebieten. Unternehmensrecht, auch häufig Englisch als Corporate bezeichnet, umfasst folgende Rechtsgebiete:

  • Fusionen und Übernahmen von börsennotierten und nicht börsennotierten Unternehmen (M&A)
  • Gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungen wie etwa Unternehmensspaltungen und Ausgliederungen
  • Joint Ventures und allgemeines Handelsrecht
  • Wertpapieremissionen

War für Sie immer klar, dass Sie Anwältin für Unternehmensrecht werden möchten?

Nein, das war es eigentlich nicht. Für mich kam noch zu Schulzeiten vieles in Betracht. Da ich sprachlich orientiert war, hätte ich mir auch ganz andere Tätigkeiten vorstellen können. Mit verantwortlich für das Interesse an Jura war unter anderem für mich Professor Dr. Uwe Wesel. Seine Bücher über Recht und Rechtsgeschichte machten mir klar, dass Recht etwas ist, das ganz zentral unser tägliches Leben bestimmt. Die Frage, welche gesellschaftlichen und politischen Umstände zu bestimmten gesetzlichen Lösungen führen und wie unsere Gesellschaft durch Recht gesteuert wird, faszinierten mich sehr. 

Sie arbeiteten auch als Lehrbeauftragte an der Uni Frankfurt. Hat Sie die wissenschaftliche Laufbahn gereizt?

An der Tätigkeit als Wissenschaftlerin, auch während meiner Promotion, habe ich eines sehr geschätzt: Mich mit größtmöglicher Freiheit Themen zu widmen, die spannend und abstrakt sind. Aber mir war auch immer klar, dass diese Themen oft nichts mit dem praktischen juristischen Leben zu tun haben. Hier ging es oft eher um Denkspiele und die reine Freude am analytischen Denken.

Wann und wie trafen Sie dann Ihre Entscheidung für die Karriere in der Kanzlei?

Die fiel bei mir eigentlich während der Wahlstation des Referendariats. Da hat mich Freshfields schnell überzeugt: Hier war die Atmosphäre offen, sehr kollegial und die Hierachien erschienen mir flach. Letztlich muss jeder selbst herausfinden, wozu er passt.

Gibt es so etwas wie das Tagesgeschäft eines Corporate-Anwalts?

Das gibt es eigentlich nicht, weil man bei Corporate häufig auch Fragen bearbeitet, die andere Rechtsgebiete betreffen und immer in viele andere Teams einbezogen ist. Aber man könnte einen Unternehmenskauf als beispielhaft für die Tätigkeit eines Anwalts im Unternehmensrecht anführen. Das funktioniert dann zum Beispiel so, dass der Mandant, Geschäftsführer der X-GmbH anruft und fragt: Wir spielen mit dem Gedanken, das Unternehmen Y zu kaufen, können Sie uns dabei beraten? Dann geht es darum, mit dem Mandanten zu sprechen, genauer herauszufinden, in welchem Rahmen der Kauf vonstatten gehen soll, ob es nur einen Interessenten gibt oder mehrere und so weiter. Über die Due Diligence bis zum Kauf sind das viele Schritte, die sehr abwechslungsreich und spannend sind.

Wie viele solcher Deals finden im Unternehmensrecht pro Jahr bei Ihnen statt?

Wir haben im vergangenen Jahr europaweit rund 260 Deals, also Transaktionen, abgewickelt. Die ergaben ein Gesamtvolumen von ungefähr 378 Milliarden Euro.

Welche Tipps können Sie Jurastudenten oder Absolventen geben, die herausfinden wollen, welche Kanzlei zu ihnen passt?

Das Beste, um das selbst herauszufinden, ist ein Praktikum schon während des Studiums. Hier arbeitet man häufig schon an aktuellen Fällen mit und kann die an den Unis vermisste Praxisluft schnuppern. Danach kann man sich meist leichter entscheiden, ob eine Referendars- oder Wahlstation in einer bestimmten Kanzlei in Frage kommt.

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