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Ein LL.M. kann deine Job-Chancen verbessern [Quelle: freeimages, Autor: ywel]

Quelle: freeimages, ywel

Frau Bison, Freshfields Bruckhaus Deringer bietet ein Anwalts-Trainee-Programm an. Was ist das und steht es in Zusammenhang mit der reformierten Juristenausbildung?

Die reformierte Juristenausbildung hatte zum Ziel, die Anwaltsstation innerhalb des Referendariats zu stärken. Das Referendariat war immer sehr stark auf das Richteramt ausgerichtet, obwohl rund 90 Prozent der Referendare später als Anwalt tätig sind. Das Anwalts-Trainee-Programm bei Freshfields Bruckhaus Deringer ist ein NRW-Baby. Wir haben es in Düsseldorf und Köln ins Leben gerufen, weil wir uns auf die Reform entsprechend vorbereiten wollten.
 
Durch das Anwalts-Trainee-Programm konnten wir die Ausbildung der Referendare bei uns verfestigen und etwas mehr formalisieren. Damit bieten wir allen Referendaren vergleichbare Ausbildungsmöglichkeiten. Wichtig war uns, dass die Referendare Einblicke in alle Bereiche bekommen können und systematisch mehrere Praxisgruppen kennen lernen. 

Was beinhaltet das Traineeprogramm noch?

Zusätzlich zu der Ausbildung "am Fall" besuchen die Referendare das Kernstück des Anwalts-Trainee-Programms, den wirtschaftsrechtlichen Grundlagenkurs. Er findet in zweimonatlichen Blöcken statt. Das Anwalts-Trainee-Programm ist auf zehn Monate, also die Dauer der Anwaltsstation, angelegt. Weil die Gerichte in NRW und in anderen Bundesländern, aus denen auch viele Referendare zu uns kommen, ganz unterschiedlich einstellen, läuft das Anwalts-Trainee-Programm auf einer "rolling forward"-Basis, man kann also jederzeit einsteigen. Die Kurse sollen vor allem wirtschaftliches Know-how vermitteln. Das ist bei Anwälten in einer wirtschaftsberatenden Kanzlei ganz wichtig.

Werden auch Kurse zu Soft-Skills angeboten?

Wir bieten auch Kurse an, die sich beispielsweise mit Rhetorik und Verhandlungsmanagement beschäftigen. Peter Niggemann, ein darin sehr erfahrener Partner aus dem Düsseldorfer Büro, hält zum Beispiel einen Rhetorik-Kurs. Solche Soft-Skills werden im (Anwalts-) Leben jeden Tag gebraucht und leider nicht an der Uni vermittelt. Als Anwalt muss man beispielsweise lernen, wie man einem Gegner in der Verhandlung in der gebotenen Form die völlig andere Auffassung des Mandanten beibringt. Außerdem sollte der Anwalt ein guter Vermittler zwischen den Parteien sein können. Jedem Referendar steht ein Mentor zur Seite, der jederzeit mit Rat und Tat auch im nicht streng juristischen Bereich unterstützt. Mehr über unser Anwalts-Trainee-Programm erfahren Sie auf der Karriereseite von Freshfields.

Werden die Referendare in die tägliche Arbeit eingebunden?

Auf jeden Fall, das ist bei uns grundlegendes Prinzip in der Ausbildung und auch im Anwalts-Trainee-Programm. Die Referendare arbeiten am Fall mit und lesen nicht nur alte Akten. Sie erledigen selbstständig kleinere Angelegenheiten; sie sind bei Telefonaten oft dabei, wenn möglich auch bei Besprechungen. Neulich hat ein Referendar in seiner ersten Woche bei uns gleich an einem größeren Closing teilgenommen und eigenständig einen Teil des Vollzugs "geregelt". Viel hängt dabei natürlich auch vom Typ ab und wie sich jemand in ein Team einfindet.

Muss man sich als junger Associate auf ein Rechtsgebiet festlegen?

Ja, man trifft schon eine Entscheidung, weil man ja einem Partner und einem Team oder einer Praxisgruppe zugeordnet wird. Daher arbeitet man auch in einem bestimmten Rechtsgebiet. Natürlich ist ein Wechsel möglich, wenn die Wahl sich nach einiger Zeit als nicht so glücklich herausstellen sollte. Das kommt aber selten vor. Junge Juristen, die bei uns als Associates einsteigen, besitzen durch ihre lange Ausbildung, die Promotion oder Lehrstuhltätigkeit bereits ein gutes "Bauchgefühl" und wissen meist, was sie interessiert.

Wie wichtig ist bei Freshfields Bruckhaus Deringer das Arbeitsumfeld?

Wenn man viel Zeit mit den Kollegen im Büro verbringt, ist es sehr wichtig, dass man mit seinem persönlichen Arbeitsumfeld zufrieden ist. Wir achten sehr darauf, dass sich unsere Mitarbeiter wohl fühlen, denn nur so können sie optimale Leistungen erbringen und sind mit ihrer Arbeit und ihrem Job insgesamt zufrieden.

Als Sie sich beworben haben, wie sind Sie ohne Internet vorgegangen?

Man erfuhr viel über Mundpropaganda. Man kannte jemanden, der bereits bei einer Kanzlei gearbeitet hatte und wusste daher, was interessant ist. Wollte man sich bewerben, schrieb man ganz klassisch einen Brief oder bat zunächst um die Zusendung von Informationsmaterial. Das war natürlich auch noch nicht so umfangreich und peppig wie heute und kam zudem mit "Snail Mail", war also einige Tage mit der Post unterwegs. Heute haben die Bewerber viel bessere Möglichkeiten, sich vorab zu informieren und kennen sich auch schon viel besser aus. Das kommt natürlich auch uns zugute, denn in Vorstellungs- gesprächen sind die Bewerber viel besser vorbereitet und daher auch interessantere Gesprächspartner für uns. Am Ende muss man jedoch, heute wie früher, mit seiner Persönlichkeit überzeugen.

Herr Thierfelder, Sie waren nach ihrem zweiten Staatsexamen zunächst in einer Unternehmensberatung tätig. Warum sind Sie in eine Kanzlei gewechselt?

Mich hat es immer wieder umgetrieben, ob ich in der Wirtschaft oder der Juristerei besser aufgehoben bin und wo ich meine Interessen und Stärken am besten wiederfinde und einbringen kann. Die Unternehmensberatung war ein sehr hilfreicher Start, ich wollte mich dann aber doch eher auf die juristische Schiene konzentrieren. In einer Unternehmensberatung arbeitet man sehr kreativ an Geschäftsmodellen, allerdings auch ziemlich zahlenbezogen. Als Jurist und insbesondere als Anwalt kann man sich auf der Grundlage des erlernten Fachwissens meiner Meinung nach bei der Umsetzung wirtschaftlicher Maßnahmen noch besser einbringen.
 
Zu Freshfields Bruckhaus Deringer bin ich gekommen, weil sie als internationale Wirtschaftskanzlei ein sehr attraktives Arbeitsumfeld und die für mich besonders interessante branchenspezifische Sektorgruppe für Telekommunikation, Medien und Technologie geboten hat. Außerdem haben mir die Kollegen schon bei den Bewerbungsgesprächen sehr gefallen. Mir war klar, dass die Chemie stimmt. Diesen Aspekt darf man nicht unterschätzen. Vielleicht ist er sogar der wichtigste.

Hilft Ihnen Ihre Erfahrung aus der Unternehmensberatung bei Ihrer Tätigkeit in der Kanzlei?

Ja, das hat mir viel gebracht. Zusätzlich zu Praktika in Unternehmen während des Studiums kann ich nach der Beraterzeit viel besser verstehen, was die Mandanten neben den rechtlichen für wirtschaftliche Wünsche und Bedürfnisse haben und wo es brennt. "Industry Know-how" wird bei uns durch die Sektorgruppen gefördert, viel wirtschaftliches Verständnis muss man sich aber selbst erarbeiten. Die Kanzlei fördert durch kontinuierliche Trainings und interne Weiter- bildungsmaßnahmen die wirtschaftlichen Kenntnisse der Mitarbeiter. Auch extern hatte ich dazu die Chance, als mich die Kanzlei für ein Jahr zu einer Bank in New York City entsandt hat, um an der Restrukturierung von deren Beteiligungsgeschäft mitzuwirken.

Wie läuft das Bewerbungsverfahren bei Freshfields Bruckhaus Deringer ab?

Wenn man zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, sollte man Zeit mitbringen. Uns geht es sehr darum, den Bewerber nun persönlich kennen zu lernen, denn seine fachliche Qualifikation war ja bereits ausschlaggebend für die Einladung. Der Bewerber lernt an zwei Standorten jeweils rund acht Anwälte, sowohl Partner als auch Associates, in Einzel- gesprächen und beim Mittagessen kennen. So hat man die Möglichkeit festzustellen, ob sich im Rahmen von offenem Austausch das notwendige gute Bauchgefühl für eine spätere Zusammenarbeit einstellt. Das gilt natürlich auch für die andere Seite. Denn am Schluss kommt es auf die Meinung aller Gesprächspartner an. Man muss einfach zueinander passen, wenn man die täglichen Herausforderungen gemeinsam meistern will.

Kann man nur über ein Referendariat bei Freshfields Bruckhaus Deringer einsteigen?

Nein, dafür bin ich ein Beispiel. Allerdings ist es natürlich von Vorteil, bereits in der Kanzlei gearbeitet zu haben. Denn so kann man vor dem echten Berufseinstieg feststellen, ob einem die Aufgaben, das Arbeitsumfeld und die Atmosphäre gefallen. Und auch für uns ist es eine interessante Zeit, mögliche spätere Kollegen früh ennen zu lernen.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Durchschnittlich bin ich unter der Woche etwa zehn bis zwölf Stunden täglich im Büro. Manchmal, wenn wir an großen Projekten arbeiten, auch länger. Dafür gibt es aber auch entspanntere Zeiten. Morgens ist es meist noch ruhig, so habe ich Zeit, einzelne spezielle Fragen zu prüfen, aufwändigere E-Mails zu bearbeiten und erste Telefonate zu führen. Der weitere Verlauf des Tages ist häufig gefüllt mit Anrufen von Mandanten, Fragen und Koordinierungsaufgaben zu den laufenden Projekten. Oft arbeiten wir auch in größeren, internationalen Teams zusammen sowie natürlich mit anderen Anwälten, Finanz- und Steuerexperten und führen dann nicht selten Telefonkonferenzen, um alle Beteiligten auf den gleichen Stand zu bringen und die nächsten Schritte voranzutreiben.
 
Ansonsten beschäftigt man sich mit den juristischen Fachfragen. Für längere Ausarbeitungen oder um die grobe Linie eines Projekts festzulegen, muss ich mir Zeit freischaufeln. Dann lese ich schon mal ein paar Stunden lang oder bastele an Verträgen. Der Tag ist also ziemlich abwechslungsreich - und immer zu kurz.
 
Ganz wichtig ist für mich aber auch, dass man sich Zeit für Privates nimmt: Stichwort Work-Life-Balance. Man muss abends auch Zeit für Familie und Hobbys haben, Joggen gehen können und so weiter. Insbesondere das Wochenende ist für mich enorm wichtig zum Kräftetanken. Dann bin ich wieder fit für die nächste Woche und für all das, was einen dann erwartet.

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