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Jobprofil - Knowledge Management Lawyer

Papierstapel, Papier, Arbeit (Quelle: freeimages.com, Autor: truebadour)

Quelle: freeimages.com, truebadour

Dr. Viviane Fröhling und Dr. Marcus Mackensen sind Knowledge Management Lawyers, also Wissensmanager, bei Freshfields Bruckhaus Deringer. In einer kanzleiinternen Datenbank sammeln sie Informationen, Dokumente und Musterverträge, um sie allen Anwälten zugänglich zu machen. Für diese Arbeit müssen sie fachlich topfit sein und aktuelle Entwicklungen im Auge behalten.

Was ist Knowledge Management, was sind die Aufgaben eines Knowledge Management Lawyers?

V.F.: Dass es Knowledge Management Lawyers in Deutschland gibt, ist ja noch nicht so verbreitet. Entsprechend groß ist der eigene Gestaltungsspielraum. Ziel unserer Arbeit ist es, das in unserer Kanzlei vorhandene Wissen allen unseren Partnern und Associates zugänglich zu machen. Wir sammeln einerseits interessante Dokumente aus der Mandatsarbeit - wie Verträge und Gutachten - in einer Datenbank und geben andererseits für die Mandatsarbeit relevante Informationen aktiv an unsere Anwälte weiter. Zum Beispiel über Newsletter oder auf Fortbildungen. Die Anwälte wollen ja von uns auf dem neuesten Stand gehalten werden.

M.M.: Wir beobachten außerdem aktuelle Entwicklungen, Rechtsprechung und Gesetzgebungsverfahren. Bei Freshfields in Deutschland sind wir vier Knowledge Management Lawyers im Unternehmensrecht und haben uns die Bereiche innerhalb dieses Fachgebiets untereinander aufgeteilt. In diesen Gebieten sind wir also Spezialisten – das heißt aber nicht, dass wir uns in den anderen Gebieten des Unternehmensrechts nicht gut auskennen. Viele Informationen erstellen wir aber auch gemeinsam, zum Beispiel Mandanteninformationen zu neuen Gesetzen.

Es ist doch sicher nicht einfach, all diese Informationen zu beschaffen?

V.F.: Das kommt darauf an. Viele Informationen kommen ja direkt von uns, das heißt, wir beobachten Entwicklungen, dokumentieren sie und stellen sie unseren Anwälten zur Verfügung. Zudem erstellen wir Musterdokumente für Standardsituationen, die dann im Mandat nur noch auf den Einzelfall zugeschnitten werden müssen. Nicht immer leicht ist es, an Informationen und Dokumente aus der Mandatsarbeit zu gelangen. Dass dieses Know-how oft nicht automatisch bei uns landet, liegt meist daran, dass den Kollegen gar nicht bewusst ist, dass von ihnen erstelltes Material für andere nützlich sein könnte. Manchmal geht das sicher auch in der Hektik der Mandatsarbeit unter. Da muss man einfach sehr kommunikativ sein, mit den Kollegen sprechen und auch mal gezielt nachfragen.

M.M.: Für diese Aufgaben müssen wir uns fachlich sehr gut auskennen. Nur so können wir immer auf dem Laufenden sein und mit den Kollegen - die ja alle Top-Juristen sind - auf Augenhöhe sprechen.

Wie funktioniert diese Datenbank?

V.F.: Alle Freshfields-Anwälte weltweit haben Zugang und können darin nach Dokumenten und Informationen suchen. Sämtliches Material, das wir bekommen, wird von uns gesichtet, bei Bedarf anonymisiert und kommentiert. Dann ordnen wir es bestimmten Kategorien zu und versehen es mit Schlagworten. Auch hier ist wieder das Fachwissen sehr wichtig, einfach, damit man entscheiden kann, wo was hingehört. Oft sprechen uns aber auch Kollegen direkt an und bitten um Informationen. Wir kennen uns schließlich am besten aus.

Wieso haben Sie sich für diese Tätigkeit entschieden?

M.M.: Für Wissensmanagement habe ich mich schon lange interessiert. Als ich rund fünf Jahre in Hamburg gearbeitet hatte, fragte mich die Kanzlei, ob ich mir eine Arbeit im Knowledge Management vorstellen könnte. Die Fusion mit Freshfields lag hinter uns, und das Thema Knowledge Management kam in Deutschland gerade erst auf. So bin ich dann Schritt für Schritt in das neue Gebiet gewechselt und habe es quasi mit aufgebaut. Dass ich weiterhin Mandanten betreue, hilft mir. Ich bekomme Anregungen von beiden Seiten, die ich in der jeweils anderen umsetzen kann.

V.F.: Nach meinem Studium habe ich fünf Jahre als Associate im Bereich Corporate gearbeitet. Knowledge Management hat mich aber immer schon interessiert, und ich wollte gerne früher oder später in eine solche Position wechseln. Da es aber nur wenig Stellen gibt, musste ich auf meine Chance warten. Die kam zufälligerweise genau zu dem Zeitpunkt, als meine Tochter geboren wurde. So kann ich Beruf und Familie gut vereinbaren. Der Vorteil als Knowledge Management Lawyer ist nämlich, dass man recht flexibel und auch in Teilzeit arbeiten kann.

Liegt der Schwerpunkt Ihres Könnens auf Fachlichem, oder müssen Sie sich mehr darum kümmern, die Informationen zu verarbeiten?

V.F.: Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Fachlichen. Das ist sogar Voraussetzung - und zeigt sich auch darin, dass alle Knowledge Management Lawyer vorher als Anwälte im Mandatsgeschäft tätig waren oder sogar noch sind. Man muss sich schließlich juristisch sehr gut auskennen, wissen, was wichtig ist und die Informationsflut beurteilen können. Unsere Kollegen müssen das Wissen ja auch wiederfinden können.

M.M.: Da stimme ich zu. Ohne fundiertes Fachwissen würden uns die Kollegen auch nicht auf Augenhöhe begegnen. Das würde uns die Arbeit unmöglich machen. Wir verwalten das Wissen ja nicht nur, sondern stehen den Kollegen für Fachfragen zur Verfügung, diskutieren, geben Empfehlungen und leiten auch selbst interne Seminare.

Man hört immer mal wieder, Knowledge Management Lawyer seien eher Hilfsanwälte. Woher kommt dieses Vorurteil?

M.M.: Das kann vielleicht daran liegen, dass die Kanzleien die Arbeit der Knowledge Management Lawyer unterschiedlich handhaben. Nicht in allen Kanzleien sind es ausgebildete Volljuristen mit mehrjähriger Berufserfahrung, teilweise übernehmen diese Aufgaben Referendare oder Doktoranden, die zwei Tage in der Woche neben der Promotion arbeiten.

V.F.: Oft sind es auch gerade neue Anwälte, die mit unserer Tätigkeit noch nicht in Berührung gekommen sind und keine konkrete Vorstellung davon haben. Die Kollegen, die unsere Arbeit kennen - und das ist der Großteil -, wissen sie auch zu schätzen.

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