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Farbige Wasserschlacht

Controlling bei Bosch Rexroth in Indien (Quelle: freeimages, subhadipin)

Quelle: freeimages.com, subhadipin

Melanies Projekt in Indien ist fast vorüber, sie präsentiert ihre Analyse einer Umfrage zur Mitarbeiter-Zufriedenheit und schlägt Maßnahmen vor. Und ist wieder einmal von der indischen Spontaneität überrascht: Die ersten Initiativen zur Umsetzung finden quasi direkt nach ihrer Präsentation statt. Und zum Abschluss bekommt Melanie noch etwas Farbe ab - allerdings nicht beim Sonnenbaden.

Meine drei Monate in Mumbai gehen zu Ende, wo ist nur die Zeit geblieben? Und wenn ich mich auch an manche Dinge wahrscheinlich nie gewöhnen würde - den Lärm, den Dreck, die Überbevölkerung - so wird mir doch auch vieles fehlen: die Farben, die freundlichen, neugierigen Menschen, das Essen.

Überzeugungsarbeit leisten bei der Abschlusspräsentation

Mein Projekt in Indien ist so gut wie beendet: Ich habe eine Umfrage zur Mitarbeiter-Zufriedenheit analysiert und ein Maßnahmenpaket erarbeitet. Zwar werden meine Ergebnisse positiv aufgenommen, aber ich merke wieder einmal, dass meine Herangehensweise anders ist als die der hiesigen Kollegen, und mein Blickwinkel ebenfalls. Weil mir dadurch Dinge aufgefallen sind, die sonst nicht so sehr im Fokus stehen, muss ich bei den Abschlusspräsentationen doch manchmal Überzeugungsarbeit leisten. Ich erkläre deutlich mehr Methodik und Hintergründe der Befragung, als ich das in Deutschland tun würde.

Aber sobald ich meine Kollegen überzeugt habe, setzen sie meine Ergebnisse in die Tat um – und zwar quasi sofort. Wochenlange Vorlaufzeiten, wie man das von deutschen Organisationen so kennt, gibt es hier nicht. Ich bremse sogar vorsichtig, weil ich glaube, dass ein bisschen "deutsche" Vorbereitung eben doch durchaus die Fehler vermeiden kann, die bei Schnellschuss-Aktionen gerne auftreten. Ich werde gespannt verfolgen, was nach Projekt-Ende mit dem Stein passiert, den ich ins Rollen gebracht habe.

Amerikanische Country-Musik und Backstreet Boys statt Lady Gaga

Je besser ich die Menschen hier kennenlerne, desto mehr Unterschiede fallen mir auf. Beispielsweise der Humor: Er ist sehr direkt und kann fast schon

naiv anmuten. In Kombination mit der Tatsache, dass unverheiratete Paare hier Seltenheitswert haben, führt dieser Humor zu interessanten Situationen. Zum Beispiel zieht ein Chef seinen Angestellten auf mit den Worten "Raj hat eine Freeeeuuuundin, Freeeeuuuundin, Freeeeeuuundin!", weil dieser abends noch eine Verabredung hat und nicht sofort versichert hat, dass es sich um einen männlichen Bekannten handelt.

Der westliche Einfluss ist besonders in den Städten deutlich spürbar, zum Beispiel mögen die Inder neben den landeseigenen Produktionen auch westliche Musik und Filme. Besonders beliebt ist das, was ich als Heile-Welt-Komödien und Romantikschnulzen bezeichnen würde. Neues braucht sehr lange, bis es angenommen wird, während Klassiker sehr beliebt sind - oder zumindest Produktionen, die mindestens zehn Jahre alt sind. Im Fernsehen läuft immer irgendwo eine amerikanische Romantik-Komödie, am liebsten mit Jennifer Aniston. Und auch "Titanic", die "Rocky"-Reihe, "Pretty Woman", "Men in Black", oder "Friends" findet man immer auf irgendeinem Kanal. Lady Gaga ist fast unbekannt, während amerikanische Country-Musik, aber auch Eric Clapton und die Rolling Stones als westlich und cool verstanden werden. Und ich habe schon sehr, sehr lange nicht mehr "Mambo No. 5" und die Backstreet Boys so oft gehört.

Im Gegenzug macht es mir auch durchaus Spaß, Bollywood-Filme und indische Soap Operas auf Hindi zu gucken - sozusagen als Comedy. Man muss die Sprache nicht sprechen, um die Handlung zu verstehen. Denn die Schauspieler versuchen nicht nur, sich bei Schmuck und Makeup gegenzeitig zu überbieten, sondern auch in Theatralik – das wirkt wie eine völlig überdrehte, quietschbunt-glitzernd-überladene Karikatur des wirklichen indischen Familienlebens.

Fest der Farben - und Wasserbomben

Und noch etwas Quietschbuntes und sehr Indisches darf ich miterleben: Im März findet "Holi" statt, das Fest der Farben. Man kann sich das als riesige Schlacht mit knallbuntem Farbpulver und Wasser vorstellen. Gefeiert wird überall, auch auf den Straßen. Und da Inder nicht gerade kontaktscheu sind, haben sie keine Skrupel, auch Fremde miteinzubeziehen – sprich: sie mit Wasserbomben und Farbe zu bewerfen. Schon Tage vorher muss man sich vor plötzlichen Wasserspritzern in Acht nehmen, und der Wachmann bei meinem Geldautomaten steht ungerührt und ernsthaft Wache, obwohl sein Gesicht von einem leuchtend lilafarbenen Handabdruck geziert ist – da hat sich wohl jemand einen Spaß erlaubt.

Ich bin am Holi-Festtag bei einer Kollegin eingeladen und fahre schon im Morgengrauen hin, um vor solchen Attacken sicher zu sein. Im Innenbereich des Wohnkomplexes tummeln sich schon früh die Kinder, die sich mit wichtiger Miene mit ihren Wasserpistolen inklusive auf den Rücken geschnallter Tanks auf die große Schlacht vorbereiten. Nach und nach kommen die Erwachsenen hinzu, manche schon mit leichten Farbspuren im Gesicht.

Man wünscht sich "Happy Holi!", nimmt eine Handvoll grün, lila, gelb, blau, rot, neonorange … was gerade zur Hand ist, und verteilt es großzügig auf seinem Gegenüber. Was zurückhaltend anfängt, mündet schnell in eine ausgelassene Feier. Bei dröhnender Musik tanzen Erwachsene und Kinder kunterbunt verschmiert und klatschnass und haben einen Riesenspaß. Ich versuche mir vorzustellen, wie so etwas denn in Deutschland aussehen würde: Unmöglich - ich glaube, das geht nur bei den Indern!

Die Welt steht still: Es ist Cricket-Weltmeisterschaft

Kurz vor meiner Abreise passierte noch etwas, das ich für komplett unmöglich gehalten hatte. Knapp sechs Stunden mitten am Tag lang sind die

Straßen …na ja, leer wäre übertrieben. Aber ruhiger, als das mitten in der Nacht der Fall ist: kein Hupen, kaum Verkehr. Was los ist? Es ist Cricket-Weltmeisterschaft in Indien, das Endspiel findet in Mumbai statt, und das indische Team ist im Finale! Ein Krimi, weil es wirklich knapp wird. Allerdings ist ein Sechs-Stunden-Krimi, so lange dauert das Match nämlich - wirklich, wirklich lang… Aber es lohnt sich, Indien holt den Titel, das zweite Mal überhaupt, und die Stadt (und vermutlich das ganze Land) feiert bis in die frühen Morgenstunden. Glückwunsch!

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