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Excel, Elche und Draisinen (3. Teil)

International arbeiten [Quelle: freeimages, Autor: Kolobsek]

Quelle: freeimages, Kolobsek

Eine eierlegende Wollmilchsau hat e-fellows.net Alumna Katharina in ihrem Projekt in Schweden erschaffen. Mit ihrem Tool zur besseren Verkaufssteuerung der Roche-Geräte sind sie und Roche so zufrieden, dass es wahrscheinlich in mehreren Ländern eingeführt wird. Nach einem Värmland-Abenteuer mit 'Hausfloß' und Draisine nahm Katharina Abschied von Schweden.

Obwohl erst Mittsommer (die Sommersonnwende) Ende Juni den Anfang des Sommers markiert, bekamen wir bereits Anfang Juni einen ausführlichen Vorgeschmack auf den Sommer. Er hielt sich stolze zwei Wochen. So konnte ich mit meinem Freund das Himmelfahrtswochenende genießen und endlich einen Bootsausflug in die Schären machen.

Stockholm liegt am Rande eines großen Archipels mit unzähligen kleinen Inseln, die man Schären nennt. Wer in Stockholm mit dem Boot startet und wie wir bis Sandhamn in die äußeren Schären fährt, der bekommt einen sehr guten Eindruck von dieser idyllischen Inselwelt mit vielen kleinen roten Häuschen. Besonders gut hat uns gefallen, wie unterschiedlich die Schären sind. Sandhamn zum Beispiel ist gespickt mit Dünen und man spürt dort die raue Seite der Ostsee. Grinda hingegen ist eine sehr grüne Insel mit üppiger Vegetation und viel weniger kaltem Wind.

Einen Steinwurf vom schwedischen Königshaus entfernt

Am 6. Juni feierten die Schweden dann ihren Nationalfeiertag. Ganz Stockholm war voller blau-gelber Fähnchen und es gab kostenlose Veranstaltungen und Attraktionen. Wir hatten uns für einen Besuch des Palastes in Gamla Stan entschieden. Wir kamen gerade aus dem Palast, als uns die mit Band abgesperrte Gasse dahinter auffiel. Ich erinnerte mich daran, dass es eine Parade mit dem Königs- und Kronprinzenpaar geben sollte. Eigenartigerweise war die erste Reihe noch komplett frei und so positionierten wir uns einfach mal hinter dem Band und warteten.

Tatsächlich kamen eine Menge Reiter und die Garde und kurz darauf rollten zwei Kutschen mit den besagten Paaren ein paar Meter vor uns vorbei. Inzwischen war doch eine beachtliche Menschenmenge zusammengekommen, die dem Königshaus zujubelte. Und ich war wieder einmal fasziniert von der schwedischen Höflichkeit und Gelassenheit. Die ermöglicht es, dass die Menschenmenge kurz vorher zusammenkommt, ohne Gedränge jubelt und sich anschließend friedlich und in Windeseile wieder auflöst.

Werbung für das neue Tool und Integration zwei weiterer Geschäftsbereiche

Direkt nach dem langen Wochenende stand für mich eine wichtige Präsentation an. Der Leiter der EMEA-Subregion Nord/West war zu Besuch und sollte mehr über dieses Vorreiterprojekt erfahren, an dem ich arbeitete. Und so konnte ich mich darüber freuen, dass das von mir entwickelte Tool nicht nur in Schweden Anklang findet, sondern vielleicht bald auch in anderen Ländern eingeführt werden könnte.

Bisher hatten wir das Reporting Tool für den größten Geschäftsbereich entwickelt. Nun sollte das Tool wie geplant auch in zwei weiteren Geschäftsbereichen eingeführt werden. Für mich bedeutete das, dass ich mich zunächst wieder durch einen Haufen Daten wühlen und das Muster darin finden musste, nach dem ich dann die "Regeln" definierte, die das Tool zum Leben erwecken. Mit etwas Übung ging das immer schneller, doch da die Zeit trotzdem knapp wurde, bekam ich für die technische Verwirklichung des zweiten Reporting Tools Unterstützung von unserem globalen Controlling. Dieses Mal lief die Validierung des Reportings äußerst zügig ab, da wir im Vorfeld bereits viele Stolperstellen ausräumen konnten und mit einer besseren Datenbasis gestartet sind.

Blieb also der dritte Geschäftsbereich, in dem wir das Tool künftig einsetzen möchten. In den letzten Monaten konnte ich meine Excel-Kenntnisse deutlich erweitern, und so wagte ich zu guter Letzt den Versuch, das dritte Tool auch von der technischen Seite selbst zu entwickeln.

Heute kann ich nun voller Stolz sagen, dass es mir gelungen ist, in nur drei Monaten ein "Channel Fill Tool" für drei Geschäftsbereiche zu entwickeln, zu validieren und an die Finanzabteilung zu übergeben.
Wie bei einem Projektabschluss üblich, gab es eine formale Übergabe sowie eine offizielle Abschlusspräsentation vor dem Management.

Spazieren gehen für einen guten Zweck

Da die Schweden ihren kurzen Sommer über alles lieben, darf natürlich auch bei Roche ein Sommerfest nicht fehlen. Ab Mittsommer Ende Juni hält in Schweden teils gespenstische Stille in Firmen und Bürogebäuden Einzug. Und deshalb fand unser Sommerfest also schon Mitte Juni statt und startete mit dem "Children's Walk", einem längeren Spaziergang mit wohltätigem Zweck. An größeren Standorten spazieren die Roche-Mitarbeiter an diesem Tag um ihr Werksgelände. Da dies in Stockholm allzu schnell ginge, spazierten wir mit den Kollegen von Roche Pharma zum Restaurant, in dem das Sommerfest stattfinden sollte. Roche spendete für jeden Mitarbeiter, der den Spaziergang absolviert, Geld an Kindertagesstätten in Malawi, Afrika, und Kinderhilfswerken in den jeweiligen Ländern der beteiligten Roche-Standorte.

Mittsommer - mit "Maibaum" im Juni

Mittsommer bedeutet für die Schweden, dass sie ein langes Wochenende in ihrem Sommerhaus verbringen und mit Freunden und Familie den längsten Tag des Jahres feiern. Da der natürlich nicht immer auf ein Wochenende fällt, feiert man einfach am Wochenende danach. Für all die Stockholmer ohne Sommerhaus und Touristen wie mich gibt es im Freilichtmuseum "Skansen" die Möglichkeit, alle Traditionen mitzuerleben und mit den Schweden zu feiern. Entgegen meiner Befürchtungen geht es dabei gar nicht touristisch zu, sondern der Großteil der Besucher sind tatsächlich Schweden.

Mit meinem gutgelaunten Besuch aus Deutschland verfolgte ich also, wie die Schweden ihren "Maibaum" aufstellten, der riesig war und nur mit langen Holzstäben und menschlicher Kraft errichtet wurde. Ein Jahr müssen die ausgesuchten Helfer dafür üben. Tatsächlich hatten wir zwischendurch Angst, dass der "Baum" bricht. Aber als er letztlich stand, hüpften wir mit allen anderen zu schwedischen Volksliedern um den Baum, imitierten mit Blick auf unsere schwedischen Vorbilder Frösche und Elefanten und hatten einen Riesenspaß.

Wie der geschmückte Maibaum, um den man tanzt, gehören auch selbstgeflochtene Kränze aus Birkenzweigen zu Mittsommer, die von Frauen und Kindern im Haar getragen werden. Da kam ich natürlich nicht umhin, mir auch einen zu binden und aufzusetzen.

Eine Regel für Mittsommer besagt, dass es regnet. Glücklicherweise machte Petrus dieses Jahr eine Ausnahme, und so konnten wir nach Trank und Tanz aufbrechen zum Grillen. Wie das Leben eben so spielt, wohnt eine britische Freundin meines Besuchs, die er aus Spanien kennt, zurzeit in Stockholm. So gab es ein großes Wiedersehensgrillen am Flussufer, das unser Mittsommerfest so richtig abrundete.

Abschied vom schönen Licht

Mit Mittsommer ging auch mein letztes Wochenende in Stockholm zu Ende. Spätestens auf dem Heimweg vom obligatorischen Abschiedsessen wurde mir bewusst, wie sehr mir diese Stadt und ihr schönes Licht fehlen wird. Und so packte ich die Koffer mit einem weinenden Auge, während das lachende an meine schöne Wohnung in Deutschland dachte, die ich nun endlich wieder gegen das Hotelzimmer eintauschen konnte.

Värmland-Abenteuer: Unterwegs mit "Hausfloß" und Kanu

Bevor es allerdings nach Hause ging, bekam ich ein letztes Mal Besuch – von meinem Vater, mit dem ich zu einem Värmland-Abenteuer aufbrach. Für eine Woche verabschiedeten wir uns zumindest teilweise von der Zivilisation und bewegten uns jeden Tag mit einem anderen Fortbewegungsmittel von Uddeholm 90 Kilometer flußabwärts bis Karlstad. Dabei schliefen wir jede Nacht an einem anderen Ort, vom Sternehotel bis zum Samizelt auf einer unbewohnten Insel im Fluss.

Der erste Tag startete mit einer Seeüberquerung auf einem "Hausfloß". Nach der Wanderung durch den Wald mithilfe eines GPS erreichten wir am Nachmittag unser zweites Quartier. Der Fluss an und auf dem wir uns bewegten, heißt "Klarälven" und fließt bei Karlstad in den Vänernsee. Es ist ein sehr breiter Fluss mit langsamer Strömung und ohne Bootsverkehr. In den zwei Tagen, die wir mit Floß und Kanu auf dem Fluss verbrachten, trafen wir keinen einzigen Menschen.

Entlang des Klarälven gibt es eine alte Bahnstrecke, die vor einigen Jahren zum Fahrradweg umgebaut wurde. Neben Floß und Kanu fuhren wir also einen Tag mit einer Draisine, die gar keine ist, weil ja keine Schienen mehr da sind, und die mein Vater "Muscle Quad" taufte.

Muskeln brauchte man tatsächlich, da das Ding unglaublich schwer und ungelenk ist. Nach einem "Ruhetag", inmitten von Wiesen und schwedischer unberührter Natur, legten wir die letzten 50 Kilometer nach Karlstad auf der ehemaligen Bahnstrecke "Klarälvbanan" mit dem Fahrrad zurück. Wir waren ganz entzückt von diesem netten Städtchen, das von Wasserarmen durchzogen ist, und verbrachten unseren letzten Abend in Schweden mit Spazierengehen, Boot fahren und Sushi essen bei schönstem schwedischen Sonnenschein.

Über Anfangshürden zur eierlegenden Wollmichsau

Nach über drei Monaten ging es für mich dann wieder nach Hause. Es war eine unglaublich abwechslungsreiche Zeit, die nicht zuletzt durch die gefühlten drei Jahreszeiten länger wirkte als sie war. Angefangen mit winterlichen Ausläufern und etlichen Anfangshürden im Projekt bin ich über erste Erfolge und Frühlingsgefühle zu einem sehr guten Projektabschluss gelangt - und auch der Sommer kam. Dabei habe ich viel gelernt über die Daten und Systeme von Roche, über Excel, Elche, die schwedische Kultur  - und die Kunst, eine eierlegende Wollmilchsau zu erschaffen.

Im ersten Teil berichtet Katharina von ihrer Ankunft in Stockholm, im zweiten Teil vor der schwedischen Angst vor Konflikten.

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