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Osmanische Spontanität und weiße Überraschung – 3. Teil

Istanbul, Türkei, Moschee [Quelle: freeimages.com, Autor: ase3000]

Quelle: freeimages.com, ase3000

In Präsentationen alles so detailliert wie möglich darstellen und am besten schon erste Arbeitsproben mitbringen – so hat man in der Türkei Erfolg, lernt Aline. Und nicht von straffen Deadlines stressen lassen…

7. Februar 2012

Mit der Zeit lerne ich auch alle Varianten der osmanischen Spontanität kennen. Es stellt sich heraus, dass einmal Gesagtes nicht so verbindlich gemeint ist, wie ich es mit deutscher Mentalität aufgenommen habe. Das merke ich, wenn ich einen Kollegen darum bitte, mir etwas zur Verfügung zu stellen, und ich es mehrere Tage später immer noch nicht bekommen habe. In meinem gewohnten Arbeitsumfeld kann ich mich darauf verlassen, dass Zusagen meist zeitnah eingehalten werden. Hier ist es üblich, sein Anliegen mehrfach kund zu tun – erst dann wird es erfüllt.

Deadline? Die muss man nicht so ernst nehmen!

Diese lockere Herangehensweise gilt, wie ich jetzt weiß, auch für den Projektumfang, den wir zu Beginn festgelegt hatten. Der Zeitplan erschien mir recht straff. Von meinen Kollegen war es eher als "was man schafft, ist gut – was nicht, ist auch nicht schlimm" gemeint.

Ich verstehe jetzt auch, warum vieles erst kurz vor oder auch nach der Deadline bearbeitet wird. Denn man muss permanent damit rechnen, dass sich etwas kurzfristig ändert oder sogar ganz gestrichen wird. Oft hatte ich meine Arbeit bereits erledigt und ärgerte mich dann darüber, wenn sich in letzter Minute etwas änderte und ich quasi umsonst gearbeitet hatte.

So beispielsweise bei einer Präsentation, bei der ich die Kooperationsprojekte vor der gesamten türkischen Organisation von Roche Pharma und Roche Diagnostics vorstellte. An einem Freitagnachmittag teilte mir ein Kollege mit, dass ich die Möglichkeit bekomme, die Arbeit unseres Teams am Donnerstag darauf vorzustellen. Deadline für die Präsentation: Montag! Also strengte ich mich an und lieferte meine Präsentation pünktlich ab. Ich war die einzige…

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Meine Kollegen bastelten auch nach Montag weiter an ihren Präsentationen herum, einige begannen sogar erst am Dienstagnachmittag. Sie wussten auch warum! Dienstagabend kamen die ersten Aktualisierungen – Mittwochvormittag die nächsten und am Mittwochabend erfuhr ich, dass meine Folien jetzt noch auf Türkisch übersetzt werden müssten. Die Präsentation beschäftigte mich demnach deutlich länger als meine Kollegen, die ihre letzten Versionen sogar teilweise erst fünf Minuten vor Beginn der Veranstaltung auf den Präsentationsrechner luden.

Erfolgreiche Kooperationsprojekte zur Personalisierten Medizin

Das Projekt, in dem ich die Roche-Strategie für personalisierte Medizin in Marketing und Vertrieb umgesetzt habe, war ein voller Erfolg: So werden wir die Produkteinführung eines diagnostischen Tests für die Her2-Diagnostik von Brustkrebspatienten in einer gemeinsamen Kampagne von Diagnostics und Pharma starten. Als Gesundheitsunternehmen treten wir gemeinsam auf und informieren behandelnde Ärzte und Labormediziner über die Möglichkeiten von abgestimmter Diagnose und Therapie.

Auch für die Behandlung des malignen Melanoms, einer aggressiven Form von Hautkrebs, bietet Roche ein Medikament für eine bestimmte Untergruppe der betroffenen Patienten an. Zunächst ist der diagnostische Test in der Türkei auf dem Markt – das Therapeutikum wird hier nach seiner Zulassung folgen. Diese und andere Projekte konnten wir in den vergangenen drei Monaten konzipieren und soweit vorbereiten, dass sie im Laufe des Jahres starten können.

Nach der Arbeit das Vergnügen

Ich hatte auch die Gelegenheit, am traditionellen jährlichen Bowling-Turnier teilzunehmen. Die gesamte Firma verbringt hier einen gemeinsamen Abend mit Bier und Hotdogs auf der Bowling-Bahn. Die Atmosphäre ist sehr familiär. Es war schön, meine Kollegen von einer anderen, privaten, Seite kennenzulernen.

Interkulturelle Unterschiede bis zum Schluss

Für meine Abschlusspräsentation, an der auch der türkische Geschäftsführer von Roche teilnahmn, holte ich mir Tipps von meinen Kollegen. Mir wurde geraten, sehr viele Details zu präsentieren, um zu zeigen, was ich alles erarbeitet hatte. Wieder ein interkultureller Unterschied in der Berufswelt, denn in Deutschland würde ich die Präsentation so ergebnisorientiert wie möglich gestalten.

In der Türkei musste ich die Sache anders angehen. Das hat wieder etwas mit Spontanität und Verbindlichkeit zu tun. Präsentiert man Inhalte nur sehr abstrakt, könnten diese auch nur als erste Ideen verstanden werden, deren Umsetzung noch völlig ungewiss ist. Um zu zeigen, dass es sich nicht nur um "heiße Luft" handelt, sondern alles schon auf den Weg gebracht ist, zeige ich zum Beispiel die Materialien, die ich bereits erstellt habe.

Für meine Präsentation habe ich alle Ratschläge beherzigt und die Projektergebnisse für mein Gefühl sehr detailliert vorgestellt. Das Feedback des Geschäftsführers war allerdings, dass ich noch mehr von meiner Arbeit hätte zeigen können.

Alle sind mehr als zufrieden mit dem, was wir in der kurzen Zeit geschafft haben. Ich bin stolz, dass es mir gelungen ist, mich auf einige kulturelle Unterschiede einzustellen und sie in der Zusammenarbeit umzusetzen. Dennoch merke ich, dass man mehr als drei Monate investieren muss, um die türkische Arbeitswelt vollkommen kennen und verstehen zulernen.

Weiße Überraschung zum Abschied

Worauf in Deutschland alle warten, das haben wir hier in Massen: Schnee! Istanbul ist weiß. Noch eine Überraschung, die mir meine neue Wahlheimat bereitet. Pünktlich zu meiner Abreise schneit es noch einmal heftig. Die sowieso schon desolaten Verkehrsverhältnisse werden noch schlimmer: Der Verkehr bricht völlig zusammen. Auch wenn es immer mal wieder schneit, ist man in der türkischen Hauptstadt nicht optimal auf die weiße Pracht eingestellt.

Für mich heißt es Abschied nehmen von all den vertrauten Plätzen und liebgewonnenen Freunden und Kollegen. Sie bereiten mir ein traditionelles türkisches Fischessen mit allem was dazu gehört: Meze, Rakı und vielen anderen Köstlichkeiten.

Ich blicke zurück auf eine spannende, herausfordernde und eindrucksvolle Zeit. Ich nehme viele bunte Eindrücke aus Istanbul mit. Ich durfte freundliche, offene Menschen kennenlernen, die mir ihre vielschichtige Kultur und Arbeitswelt näher gebracht haben. Gemeinsam konnten wir Projekte zur Personalisierten Medizin erfolgreich etablieren. Mein Abenteuer war so abwechslungsreich und farbenfroh, dass ich die viel zitierte Melancholie der Wintermonate in Istanbul nicht gespürt habe.

Im ersten Teil berichtete Aline vom Projektstart und von ihrer Eingewöhnungszeit in der Türkei.

Im zweiten Teil ihres Tagebuchs erzählte sie von türkischen Weihnachtsbäumen und ungewohnter Hierarchie.

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