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"Yo no hablo español" – mit Roche in Argentinien

Argentinien ganz ohne Spanisch-Kenntnisse – geht das? Ja, stellte Marc bei seinem Einsatz für Roche in Buenos Aires fest. Viel wichtiger ist, dass man gerade nicht auf Diät ist.

Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert und absolviere das "Start Up Programm Business" im Bereich Global Supply Chain bei Roche Diagnostics in Mannheim. In diesem Programm leite ich seit über zwei Jahren verschiedene internationale Projekte in unterschiedlichen Abteilungen der Supply Chain. Dabei werde ich von meinem Projektsponsor auf fachlicher Ebene und von meinem Mentor auf persönlicher Ebene unterstützt. Die Projekte dauern ungefähr drei bis sechs Monate, sodass ein Trainee während des Programms insgesamt vier bis sechs Projekte bearbeitet.

"Sprichst du Spanisch?"

Als ich gerade mein zweites Projekt in Mannheim beendet hatte, rief mich mein Chef zu sich ins Büro. "Marc, wir haben ein Problem. In Argentinien haben sich durch die neue Regierung einige Dinge geändert, was Auswirkungen auf die Einfuhr unserer Produkte haben könnte. Wir brauchen jemanden, der herausfindet, was sich genau verändert und einen Maßnahmenplan entwickelt." Eine kurze Pause entstand. Er schaute mich mit großen Augen an. "Sprichst du Spanisch?" Tue ich leider nicht, also lache ich ihn einfach nur an. Er winkt jedoch ab und meint: "Das ist kein Problem. Das bekommen wir hin. Die sprechen bestimmt alle Englisch. Kannst du dir das Projekt denn vorstellen?" Ich war vorher noch nie in Südamerika gewesen – das Projekt war also eine schöne Möglichkeit, meinen kulturellen Horizont zu erweitern. Also antworte ich: "Na klar! Das wäre klasse. Wann geht’s los?" "Am besten gestern." So schnell war ich dann doch nicht, aber keine zwei Wochen später machte ich mich auf den Weg zum Flughafen. Im Gepäck meinen Laptop, meine Unterlagen und einen kleinen Übersetzer "Deutsch-Spanisch, Spanisch-Deutsch".

Erste Schritte auf argentinischem Boden

Über London flog ich direkt nach Buenos Aires. Nach acht Stunden Sitzen durfte ich anschließend drei Stunden im Stehen verbringen – und zwar in der Einreiseschlange. Danach wartete schon ein Fahrer auf mich, der mich zum Hotel brachte. Ich hatte versucht, ihm auf Englisch verständlich zu machen, dass ich keine Pesos hatte, um ihn zu bezahlen. Er sprach jedoch nur Spanisch. Als ich ihm meine Kreditkarte zeigte, schüttelte er nur den Kopf und so hielt ich Ausschau nach einem Geldautomaten. Ein anderer Fahrer schaltete sich ein und meinte zu mir: "No money?" Ich nickte. Die Fahrer unterhielten sich auf Spanisch. Woraufhin sich der zweite Fahrer wieder zu mir drehte: "You can go. No money. It is paid." Mein Fahrer wollte mir also nur sagen, dass ich kein Geld brauchte, da die Fahrt bereits bezahlt worden war. Die Kommunikation funktionierte also blendend in Argentinien. Das konnte ja heiter werden.

Küsschen links, Küsschen rechts

Auf dem Weg zum Roche-Büro, das etwas außerhalb der Stadt liegt, machte ich schon eine erste Bekanntschaft im Taxi – Maria. Maria hatte auch vor kurzem bei Roche angefangen und wunderte sich, wie ich den Namen unserer Firma aussprach. Auf Spanisch sagt man nämlich "Rotsche". Wieder etwas gelernt. Außerdem brachte sie mir noch etwas Basis-Wortschatz bei: "Hola", "Como estas?", "Muy bien, y tu?" und natürlich "Yo no hablo español", was ich während meines Aufenthalts noch öfter gebrauchen würde.

In der Firma wurde ich sehr freundlich von meinem Ansprechpartner begrüßt, mit dem ich schon von Deutschland aus telefoniert hatte. Er führte mich herum und wies mich darauf hin, dass in Argentinien die persönliche Distanz etwas geringer ist als in Deutschland. Ich wurde mit offenen Armen und vielen Küsschen empfangen. Alle sprachen relativ gut Englisch, aber ich wollte es mir nicht nehmen lassen, meine neu gelernten Vokabeln anzuwenden.

Meetings, Meetings und noch mehr Meetings

Im ersten Termin wurde mir ein sehr detaillierter Plan für meine Zeit in Argentinien präsentiert. Ich war positiv überrascht, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Alle Ansprechpartner, die für mein Projekt von Bedeutung waren – Kollegen aus Exportkontrolle, Informationsmanagement, Produktmanagement und Labeling sowie aus den operativen Bereichen der Logistik – waren informiert und vorbereitet. Besser hätte ich mir das nicht wünschen können.

Meine Aufgabe war herauszufinden, welche regulatorischen Änderungen es in Argentinien gegeben hatte, welche Einflüsse das auf unser Gesamtgeschäft hatte und wie wir in Zukunft damit umgehen werden. Also habe ich mich zu Beginn mit unseren Ansprechpartnern für behördliche Angelegenheiten zusammengesetzt, um die argentinischen Anforderungen zu verstehen. In mehreren Meetings habe ich einen Crashkurs zu lateinamerikanischen Einfuhrbestimmungen, Anmeldegesetzen und der "Einfuhrpraxis" bekommen. Dabei habe ich gelernt, dass zwischen der Theorie und der praktischen Umsetzung teilweise ein deutlicher Unterschied besteht.

Positive Nachrichten aus Argentinien

Nachdem ich die Grundlagen und Anforderungen verstanden hatte, ging es darum, die betroffenen Produkte zu identifizieren. Dabei konnte ich die Expertise der Kollegen aus der Importabteilung nutzen, da sie die Produkte am besten kannten. Ich habe gemeinsam mit ihnen eine Liste aus verschiedenen Datenbanken erstellt und konnte damit den Umfang der betroffenen Produkte von über 8.000 importierten Produkten auf weniger als 1.000 einschränken. Das ist zwar immer noch eine große Anzahl, jedoch musste zumindest für alle restlichen Produkte keine Änderung in der Bearbeitung vorgenommen werden. Somit konnte ich ein positives Signal nach Deutschland senden. Mit dem deutschen Team telefonierte ich einmal in der Woche, um meine Erkenntnisse weiterzugeben und neue Fragen aufzunehmen.

Auf den Spuren der Zollagenten

Ziel meines Aufenthalts war auch, den gesamten Importprozess zu verstehen, Schwachstellen zu identifizieren und eine Verbesserung der Prozesse herbeizuführen. Dazu habe ich mir jeden Prozessschritt angesehen: Ich bekam zum Beispiel eine Führung durch das Zolllager am Flughafen von Buenos Aires, um die Handlungsweisen unserer Zollagenten und der argentinischen Zollbeamten zu ergründen. Auch die Einlagerung der Waren in unserem Lager habe ich beobachtet. Ein Highlight war ein ganztägiger Workshop mit unserem Zollagenten Diego im Herzen von Buenos Aires. Er zeigte mir seine Büroräume, stellte mir alle Mitarbeiter vor und hatte sogar extra eine Dolmetscherin engagiert, um Kommunikationsprobleme und Missverständnisse auszuschließen.

Mit Hilfe all dieser Meetings, Telefonate und Führungen konnte ich eine sehr gute Basis für die weitere Projektarbeit schaffen. Die betroffenen Produkte wurden identifiziert, die gesetzlichen und behördlichen Einfuhrbestimmungen geklärt und ein Aktionsplan entwickelt, der als Grundlage zur Behebung von Anforderungslücken diente.

Essen hat oberste Priorität

In vielen Kulturen ist Essen ein wichtiges Thema. Dass es in Argentinien jedoch so wichtig ist, hätte ich nicht gedacht. Jeden Tag bekam ich neue Empfehlungen, was ich ausprobieren sollte, und wurde am Folgetag gefragt, wie es denn war. Das führte dazu, dass ich meine Abende auf der Suche nach Empanadas, Steaks oder Pizza verbrachte. Tatsächlich ist Buenos Aires für seine Pizza bekannt und die Unmengen an Käse, die sich darauf befinden. Ein Highlight war die "Fugazzetta" – ein Pizza für absolute Käseliebhaber. Sport ist nach so einer Mahlzeit nicht mehr möglich.

Zudem gab es im Büro täglich Häppchen, Kuchen und Süßigkeiten für alle. Wenn es um Essen geht, sind die Argentinier nicht zurückhaltend. Innerhalb kürzester Zeit versammelte sich das Team um den Tisch, alle plauderten und kauten genüsslich. Es herrschte ein sehr familiäres, freundschaftliches Verhältnis unter den Kollegen. Auch mittags wurde zusammen gegessen. In der Kantine gab es jeden Tag verschiedene Angebote, aber Steak war immer ein fester Bestandteil des Speiseplans. Zum Abnehmen ist Argentinien definitiv das falsche Land.

Ein vollgepacktes Wochenende

Da ich den Großteil meiner Woche mit Arbeit verbrachte, widmete ich mich am Wochenende dem Sightseeing. Einmal machte ich gleich vormittags eine City-Tour mit Bussen und fuhr den ganzen Tag durch Buenos Aires. Ich konnte an den Sehenswürdigkeiten aussteigen und mir diese genauer ansehen. So stand ich am Grab von Evita Peron auf dem berühmten Recoleta oder lief um den Obelisken auf der Straße des 9. Juli. Buenos Aires ist eine sehr aufregende Stadt mit europäischem Charme, die sehr viele Facetten hat.

Zurück in Deutschland

Es war schon eine Umstellung, als ich wieder in Deutschland war. In Buenos Aires konnte ich mich direkt mit meinen Ansprechpartnern austauschen, zurück in Deutschland musste ich schon wegen der Zeitverschiebung bis zum Nachmittag warten, bis ich Antworten bekam. Im Nachhinein wurde aber deutlich, dass der Auslandseinsatz einer der Erfolgsfaktoren für den Projektverlauf war. Fragen wurden geklärt, die Transparenz erhöht und Ideen entwickelt, wie wir auf die Herausforderungen reagieren. Das Projektergebnis war eine Aktionsliste mit den nächsten Schritten, die umgesetzt werden mussten. Das Projekt verlief erfolgreich,  wir konnten deutliche Einsparpotenziale realisieren und Risiken minimieren. Für mich war es eine tolle Erfahrung, mit einem ambitionierten Team an diesem Thema zu arbeiten.

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