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Kulturschock mit Ziege

 Carina S. in Vietnam [Quelle: Bosch Rexroth]

Quelle: Bosch Rexroth

Ein besseres Projekt als den "Diversity Day" hätte sich Carina für ihr Praktikum in Vietnam kaum heraussuchen können. Für Erfahrungen in kultureller Vielfalt hatte sie nämlich ausreichend Gelegenheit. Mit einem Wetttrinken und einer ganzen Ziege als Mahlzeit hatte sie aber nicht gerechnet.

Nach einem Auslandssemester in Frankreich wurde mein Wunsch nach einer weiteren kulturellen Herausforderung immer stärker. Da kam die Stellenausschreibung im Personalmarketing von Bosch in Vietnam genau richtig. Eine Kommilitonin hatte mir von der Stelle erzählt; sie war erst vor Kurzem selbst von einem Praktikum dort zurückgekehrt.

Feiern mit Bubble Tea

Vom ersten Tag an wurde ich in Ho-Chi-Minh-Stadt herzlich in das HR-Team aufgenommen und schnell als volles Teammitglied integriert. Abgesehen davon, dass es dort eine strikte Trennung von Berufs- und Privatleben nicht gibt, schien es mir allerdings um einiges chaotischer und lauter im Büro als in Deutschland. Wenn nicht gerade ein paar Kollegen Bubble Tea bestellt hatten, stand die monatliche farbenfrohe 30-minütige Geburtstagsfeier mit Kuchen für alle an.

Merke: Preise sind verhandelbar

Mein Aufgabengebiet war die Trainingsorganisation. Das bedeutet, ich organisierte Schulungen für Bosch-Mitarbeiter aus allen Abteilungen, beispielsweise im Projektmanagement oder Change Management. Ich durfte die Organisation größtenteils selbst übernehmen, wodurch ich viel mit externen Partnern wie Hotels und Trainern zusammenarbeitete. Dadurch bekam ich Einblicke in die vietnamesische Arbeitskultur auch außerhalb von Bosch und merkte schnell, wie wichtig es ist, bis ins kleinste Detail zu planen, nichts für selbstverständlich zu halten, Deadlines zu setzen und entsprechend rechtzeitig nachzuhaken. Zudem lernte ich, dass die Preise auch im vietnamesischen Geschäftsleben nicht immer fix sind und bekam ein Gespür dafür, wann es etwa möglich war, einen kostenlosen Late-Check-out für den Trainer herauszuhandeln.

Projektmanagement international

Ein weiteres Projekt, bei dem ich mitwirkte, hieß "HR Global" und hatte die Einführung eines länderübergreifenden IT-Systems für die HR-Abteilungen zum Ziel. So bekam ich einen Einblick ins Projektmanagement und durfte das Testsystem sogar persönlich in Managementschulungen vorstellen. Meine Hauptaufgabe bestand aber im Koordinieren von Aufgaben während dieser Projektphase. In der wöchentlichen Telekonferenz mit den anderen ASEAN-Ländern durfte ich den Teil für Vietnam übernehmen.

Eine Bühne für den Diversity Day

Mein berufliches Highlight in den sechs Monaten Praktikum war der sogenannte "Diversity Day", den ich mit organisierte. Ein erster Erfolg, den wir erreichten, war eine Budgeterhöhung, um ein größeres Event mit Showbühne vor dem Firmengebäude realisieren zu können. Wenn auch zunächst die Vorfreude der Kollegen auf das Event zu wünschen übrig ließ, war es umso schöner zu sehen, dass es letztendlich sehr gut ankam.

Diversity Day [Quelle: Bosch Rexroth]

Tischmanieren für Frauen

Mein Highlight außerhalb der Arbeit waren Wochenendtrips mit Arbeitskollegen, welche eine tolle, wenn auch nicht immer einfache Erfahrung waren. Während ich beispielsweise gerne mittags am Strand liege, suchen sich die Vietnamesen einen Schattenplatz oder verhüllen sich, um nicht braun zu werden. In einem traditionellen Ziegenrestaurant mit der Familie eines Arbeitskollegen erlebte ich nach drei Monaten doch noch einen Kulturschock, als ich über Tischmanieren und Verhaltensregeln für die Frau aufgeklärt wurde und Wetttrinken mit Reiswein angesagt war. Zudem kam wirklich alles einer Ziege auf den Tisch.

Mein Speiseplan mal anders

Müsli und Cappuccino, Spaghetti Bolognese, Abendbrot und hin und wieder Schokolade - so sah grob gesehen mein Speiseplan in Deutschland aus. In Vietnam wurde ein "Cà phê sữa đá"(Eiskaffee mit gesüßter Kondensmilch) und ein "Bánh Mì Ốp La" (Baguette mit frischem Omlette) vom Straßenstand um die Ecke zu meinem Frühstück. Mittagessen gab es im Restaurant des Firmengebäudes, welches von Bosch für alle Mitarbeiter bezahlt wird. Abends genoss ich regelmäßig eine dampfend heiße Schüssel "Phở bò" (sehr bekannte würzige Nudelsuppe mit Rindfleisch). Die Schokolade ersetzte ich freiwillig durch frisches und zuckersüßes Obst. Die kulinarische Vielfalt des Landes hat mich sehr beeindruckt und ich wurde schnell Fan der mobilen, sehr günstigen und ständig verfügbaren Garküche. Zurück in Deutschland ist es leider schwer, all die tollen Gerichte nachzukochen, doch die Spaghetti werden bis heute zu 75 Prozent gegen Reis eingetauscht.

Mein Fazit

Das Praktikum war eine tolle Erfahrung und ich kann jedem raten, den Schritt in eine fremde Kultur zu wagen. Anfängliche Ängste vor der exotischen Küche und Kulturunterschieden waren schnell verflogen. Ich habe viel über die Arbeitsweise, den Buddhismus und die Ahnenkultur Vietnams gelernt und einiges von diesem facettenreichen und wunderschönen Land gesehen. Dass man als "weiße Frau" an den Touristenplätzen selbst nach langem Verhandeln mehr bezahlt als die Vietnamesen sollte einem nicht die Laune verderben, da es sich meist um kleine Beträge handelt. Was die Wertsachen angeht, ist jedoch ständige Vorsicht geboten. Das Schreiben einer WhatsApp-Nachricht am Straßenrand kann einen schnell das Smartphone kosten.

Bei Bosch geblieben

Mit dem Praktikum ist meine Bosch-Erfahrung aber noch lange nicht zu Ende: Seit September 2014 schreibe ich meine Abschlussarbeit bei Bosch Rexroth in Lohr am Main. Hierzu bin ich im Bereich Talentmanagement und Personalmarketing eingesetzt und nehme den Werdegang der ehemaligen Teilnehmer des Junior Managers Program und des Graduate Specialist Program unter die Lupe. Ich kann jederzeit auf die Unterstützung der netten Kollegen zählen und möchte an dieser Stelle die wirklich herausragende Betreuung betonen.

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