Partner von:

Umdenken für die "Schlanke Produktion" – 3. Teil

Plan, Strategie, Struktur, Mindmap [Quelle: freeimages.com, Autor: jnatiuk]

Quelle: freeimages.com, jnatiuk

In den letzten Wochen hat Christoff sein Konzept zur 'Schlanken Produktion' erarbeitet – jetzt muss es 'nur noch' umgesetzt werden. Und dafür fährt er auch schon mal um Mitternacht ins Bosch-Werk.

Mittlerweile bin ich seit knapp vier Monaten in Anderson, South Carolina. Nachdem  mein Konzept einer verbrauchsgesteuerten Fertigung angenommen wurde, habe ich die letzten Wochen intensiv an der Umsetzung gearbeitet. Florian, ein amerikanischer Praktikant, unterstützt mich dabei.

Auf Papier wirkte alles recht kompakt. In der Realität steckt weitaus mehr Arbeit dahinter. Das merkt auch Eljay – der Werkstattmeister der Produktion. Gemeinsam arbeiten wir an Standards, die wir entlang der Wertschöpfungskette vorgeben müssen. Immer wieder diskutieren und beraten wir. Das ist wichtig – immerhin ist es sein Fertigungsbereich. Um ihn selbst für das Projekt zu motivieren, binde ich ihn in alle Entscheidungen ein und bespreche alles genau mit ihm.

Präsentieren um 5.30 Uhr morgens

Den Mitarbeitern in der Produktion ist aufgefallen, dass ich jeden Tag zwischen den Maschinen herumlaufe, Schilder anbringe und Fragen stelle. Sie sind neugierig und noch nicht über die Veränderung informiert. Das ändert sich heute. Ich betrete das Werk und schaue auf die Uhr: Es ist 5.30 Uhr morgens.

Als ich den Meeting-Raum betrete, blicke ich in die 40 Gesichter der Nachtschicht-Kollegen. Bevor die Schicht für sie endet, informiere ich sie über mein Vorhaben. Mit anschaulichen Darstellungen und Kennzahlenvergleichen möchte ich auch sie von dem Prinzip einer verbrauchsgesteuerten Fertigung überzeugen. Dafür habe ich 15 Minuten Zeit. Meinen ersten Kaffee trinke ich heute um 6 Uhr. Das Büro ist noch leer. Die zweite und dritte Vorstellung für die Früh- und die Spätschicht folgen heute Mittag.

Gemeinsam verändern

Die Mitarbeiter der Produktion schienen mir recht interessiert. Das ist gut. Denn der Erfolg des Projekts hängt davon ab, ob sie bereit sind, die Veränderung mitzumachen. Standards definieren, Arbeitsvorgänge beschreiben, Schilder aufhängen, Magnettafeln aufstellen – das ist meine Aufgabe. Die Aufgabe der Mannschaft ist es, das System zu bedienen und den Standard zu befolgen – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Um das zu erreichen, suche ich immer öfter das Gespräch mit einzelnen Kollegen.

Wochenend-Planung einmal anders

Nachdem die Umsetzung in dieser Woche abgeschlossen ist, muss ich alle Mitarbeiter noch einmal trainieren. Übrig geblieben ist die Wochenendschicht. Ich habe beschlossen, die Kollegen jeweils am Ende ihrer Schicht zu besuchen. Das ist um 1 Uhr nachts. Wochenend-Planung also einmal anders.

Kurz nach Mitternacht verlasse ich also am Samstag den Geburtstag eines Kollegen. Ich fahre ins Werk. Die Kollegen vor Ort wurden bereits benachrichtigt und erwarten mich schon. Gemeinsam mit der Gruppe begehe ich den Weg eines zu produzierenden Teils.

Ich erläutere die Standards und erkläre, wie meine Kollegen die Magnettafel benutzen können, um die Belegung der Maschinen zu bestimmen. Kathleen und Eric stellen viele Fragen – sie möchten das System verstehen, um auch bei Abweichungen zu wissen, was zu tun ist. Außerdem nutzen sie die Gelegenheit, um auch allgemeine Verbesserungsvorschläge anzubringen – schließlich halten sich die Besuche der Planungsmannschaft zu den Arbeitszeiten der Wochenendschicht in Grenzen.

Wöchentliches Update – ein letztes Mal

An einem Freitag Ende April betrete ich ein letztes Mal das Werksgelände. Es ist mein letzter Arbeitstag, die Umsetzung einer verbrauchsgesteuerten Fertigung ist abgeschlossen. Das Projekt habe ich zu Teilen an Eljay und einen Kollegen aus der Planung übergeben.
Ein letztes Mal starte ich das Online-Tool, das mir die Durchlaufzeit der Produktionschargen in dieser Woche ausgibt. Die Zeiten übertrage ich in ein Chart. Eine Linie aufgetragen auf einer Zeitachse zeigt, wie sich die Durchlaufzeit des Produkts in den letzten zwei Monaten kontinuierlich reduziert hat. Die Überschrift der Folie lautet "Weekly update". Wie in den letzten Wochen hänge ich sie in der Fertigung auf und verschicke sie an das Team und die Abteilungsleiter.

Für die "Schlanke Produktion" muss die Mannschaft umdenken

Bei meinem Aufenthalt in Anderson war es das Ziel, die Produktion von Sensorelementen zu optimieren - das ist mir gelungen. Im Rückblick hat mich das Projekt nicht nur technisch herausgefordert. Recht früh habe ich erkannt, dass auch die Mannschaft umdenken muss, wenn wir eine "Schlanke Produktion" implementieren möchten.

In meiner Rolle konnte ich erleben, wie unterschiedlich die Arbeitskultur ist und auf welche Weise Veränderung zwischenmenschlich tatsächlich abläuft. Ich finde das eine tolle Erfahrung.  Morgen früh werde ich meine Koffer ins Auto laden und nach Atlanta fahren. Um 11 Uhr geht mein Flug nach Frankfurt. Nächste Woche sitze ich in Stuttgart. Innerhalb des zentralen Qualitätsmanagements arbeite ich mit einem Team an einem neuen Konzept zur strukturierten Problemlösung - meine letzte Station im Junior Managers Program.

Im ersten Teil des Tagebuchs berichtete Christoff, wie er in South Carolina ankam und sich einlebte.

Im zweiten Teil konstruiert er ein "Mensch ärgere dich nicht" für Ingenieure.

nach oben

Willst du mehr über unseren Partner Bosch erfahren? Hier findest du alle Infos zum Unternehmen.

Jobs, Praktika

und akademische

Stellen suchen

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren