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"Mensch ärgere dich nicht" für Ingenieure (2. Teil)

Bosch Junior Managers Program, amerikanische Flagge [Quelle: freeimages, Autor: bosela]

Quelle: freeimages, bosela 

Was tun, wenn man die Kollegen nicht von der eigenen Idee überzeugen kann? Christoff führte seine Pläne praktisch vor – indem er für sein Team eine Art 'Mensch ärgere dich nicht' für Ingenieure baute.

Die letzten zwei Monate habe ich damit verbracht, Prozessdaten zu beschaffen und zu analysieren. Ich habe ein Tool erstellt, das die Zykluszeiten und Nutzungsgrade der Prozesse und Maschinen darstellt. Auf dieser Basis errechne ich die Durchlaufzeiten verschiedener Produkttypen. Ich lese Unterlagen zu Grundlagen der Verbrauchsteuerung und telefoniere mit Experten in Deutschland.

Schließlich erstelle ich ein Konzept für die Verbrauchssteuerung. Was das heißt? Material wird nur dann produziert, wenn es gebraucht wird. Wenn im Folgeprozess Bedarf entsteht, wandert eine Karte zum Vorgängerprozess. Das ist das Signal für die Produktion. Was ist der Vorteil? Die Durchlaufzeit eines Teils ist berechenbar, die Bestände werden reduziert und die Teile sind immer da, wenn sie gebraucht werden.

Gesichter voller Fragezeichen

Schließlich ist es soweit, ich stelle meine Arbeit vor. Ich habe alle eingeladen: Charlie, den Abteilungsleiter, die Fertigungsplaner meiner Abteilung, Jason, den Werkstattmeister und drei Kollegen aus der Werkstatt. Ich möchte ihnen mein Konzept präsentieren und zeigen, wie wir es umsetzen. Ich präsentiere zehn Folien in einer halben Stunde. Was ich anschließend sehe, ist nicht sehr ermunternd – Fragezeichen in den Gesichtern, Skepsis, Kopfschütteln.

"Do you have any questions?" wäre an dieser Stelle eine überflüssige Frage. Wir beginnen zu diskutieren, ich erkläre, wir diskutieren, ich versuche zu erklären, sie zweifeln… ich gebe auf. Es hat nicht funktioniert – ich habe meine Kollegen nicht überzeugt. Ich beende das Meeting und verspreche, das Ganze zu überarbeiten.

Ich sitze im Auto. Fahre nach Hause. Und ich bin enttäuscht. Was mache ich jetzt? Das Konzept überarbeiten? Nein, ich bin mir sicher, dass es gut ist. Nur verstanden haben sie es nicht.

"Mensch ärgere dich nicht" für Ingenieure

Eines ist mir klar geworden: Folien zu zeigen – das hilft nicht. Ich muss das Ganze interaktiv gestalten. Meine Kollegen müssen sehen können, was eine Verbrauchssteuerung wirklich bedeutet. Also, von vorn. Soll ich ein Spiel bauen? "Mensch ärgere dich nicht" für Ingenieure? Warum nicht.

Ich zeichne die Fertigung grafisch auf Papier, drucke Material in Form von Papier, gestalte kleine Karten als Signal für Materialbedarf sowie Standards der einzelnen Prozessschritte  - die Spielregeln sozusagen. Außerdem kaufe ich Lego-Männchen - die Fertigungsmitarbeiter. Abends spiele ich das Ganze zu Hause durch. Ich überlege, welche kritischen Situationen auftreten können – ein Maschinenstillstand, fehlendes Material vom Zulieferer und so weiter. Ich prüfe immer wieder, ob die Standards ausreichen, damit das System trotzdem stabil läuft.

Spielen statt präsentieren

Ich lade wieder alle ein. Als Meeting-Betreff schreibe ich "Loop Game Invitation". Es ist Freitagnachmittag. Auf dem Tisch liegt ein riesiges Papier mit einem Abbild der Fertigung. Darauf habe ich alle Karten und Papiere zur Erklärung der Spielregeln gelegt.

Bevor ich das Spiel starte, nehme ich ein Flipchart, und wir halten gemeinsam alle Risiken und Kritik aus der letzten Sitzung fest. Anschließend gebe ich den Anwesenden eine Rolle im Spiel – mein Chef muss Logistiker spielen, andere sind Maschinenbediener und Zulieferer. Ich erkläre die Regeln und wir starten.

Nickende Köpfe und zufriedene Gesichter

Situation für Situation spielen wir durch… 15 Minuten…. 30 Minuten…. 45 Minuten. Ist die Situation noch so kritisch, ist der Maschinenstillstand noch so lang – meine Kollegen erleben, wie das System trotzdem funktioniert. Und ich erlebe nickende Köpfe, zufriedene Gesichter und Zustimmung. Ganz ohne Diskussion haken wir abschließend die Punkte am Flipchart ab. "Ok Christoff, we’ll do it!" Das ist der Satz, mit dem ich das Meeting beende.

Ich sitze im Auto. Fahre nach Hause. Und ich bin zufrieden. Was mache ich jetzt? Meine Sachen packen. Morgen fahre ich nach Chicago. Urlaub? Abenteuer? Ich weiß es noch nicht. 1.200 Kilometer an eineinhalb Tagen. Ich bin gespannt, ob ich das schaffe.

Wie ich mit Schildern und Klebeband die Fertigung gestalte und morgens um 1 Uhr die Mitarbeiter der Nachtschicht trainiere – davon erzähle ich beim nächsten Mal.

Im ersten Teil des Tagebuchs berichtete Christoff, wie er in South Carolina ankam und sich einlebte.

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