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Controlling inmitten mexikanischer Lebensfreude

[Quelle: freeimages.com, Autor: jcam]

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Hat dich schon mal ein Praktikumsbetreuer als seinen Sohn bezeichnet? e-fellows.net-Stipendiat Patrick erlebte während seines sechsmonatigen Praktikums bei Bosch in Mexiko, wie familiär es in einer Controlling-Abteilung zugehen kann und was man unter mexikanischer Lebensfreude versteht.

Durch die Stellenbörse von e-fellows.net wurde ich auf ein Praktikum im Controlling bei der Robert Bosch GmbH in Mexiko aufmerksam. Nachdem ich meine vollständigen Bewerbungsunterlagen per E-Mail direkt an den Verantwortlichen geschickt hatte, folgte ein Telefoninterview, in dem ich unter anderem meine Sprachkenntnisse unter Beweis stellen musste.

Mein großer Vorteil war, dass ich während meiner Kindheit bereits in Lateinamerika gelebt hatte und daher mit Kultur und Sprache vertraut war. Und so hieß es bald: Von 1. Oktober 2010 bis 31. März 2011 mache ich ein Praktikum als Mini-Factory-Controller bei Bosch in Ciudad Juárez!

In zwei Ländern zuhause: Der Standort in Ciudad Juárez

Mit 283.507 Mitarbeitern und 47,3 Milliarden Euro Umsatz ist Bosch der weltweit größte Automobilzulieferer und zudem führend in Industrie-, Gebäude- und Konsumgütertechnologie. Der Standort in Ciudad Juárez ist ein Produktionsstandort der Elektroniksparte des Unternehmens im Bereich Kraftfahrzeugtechnik. Hier arbeiten ungefähr 1.100 Angestellte in der Produktion und ungefähr 400 in der Verwaltung, die jährlich einen Umsatz von rund 500 Millionen US-Dollar erwirtschaften. Die Bosch-Werke in Juarez haben eine der breitgefächertsten Produktpaletten in der Automobilsparte. Zu den Produkten zählen zum Beispiel die elektronischen Steuereinheiten für Parkpiloten, Airbags, Sonnendächer und Scheibenheber.

Das Besondere am Standort Juarez ist das sogenannte "Maquiladora-Konzept", das im Rahmen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) entstanden ist. Durch das Konzept können Firmen im Grenzgebiet zwischen Mexiko und USA die Vorteile beider Standorte kombinieren, ohne Zölle für den Warentransit zahlen zu müssen. Mexikanische Arbeitskräfte sind weniger kostenintensiv und die amerikanischen Automobilkonzerne können lokal beliefert werden.

Das Bosch-Warenlager befindet sich in den USA, die Produktion findet in Mexiko statt, auf der anderen Seite des Rio Grande. Nahezu das gesamte (Anlage-)Vermögen ist im Besitz der amerikanischen Unternehmensform LLC, wohingegen Arbeiter von der mexikanischen S.A. de C.V. eingestellt und bezahlt werden. Regulatorische Instanzen fordern zudem, dass der gesamte Warenexport aus der Freihandelszone hinaus über die USA abgewickelt wird.

Abweichungen analysieren

Als Praktikant habe ich im Controlling der Produktionslinie Airbag ECU gearbeitet. Nach einer zweimonatigen Einarbeitungsphase übernahm ich die Vertretung einer Kollegin und somit einen Großteil ihrer Aufgaben. Dazu gehörte eine monatliche Abweichungsanalyse: Da nur einmal jährlich im Rahmen des Businessplans der Verrechnungspreis der Produkte kalkuliert wird, kommt es im Laufe des Geschäftsjahrs zu Abweichungen bei der Produktion und beim Einkauf der Komponenten. Diese sind meist auf Vertragsverhandlungen des Einkaufs sowie technische Konzessionen zurückzuführen.

Koordinationsfunktion und Rationalitätssicherung

Außerdem war ich zuständig für die Berechnung der Transferpreise für Komponenten und Fertigprodukte. Jeder Controller muss dafür die Kostenstruktur seines Produktes genau kennen, um diese zum Vorteil des Unternehmens beeinflussen zu können. Insbesondere zur Fixkostenallokation ist eine gute Zusammenarbeit mit dem technischen Gegenüber notwendig. Bei der Fixkostenallokation werden Aufwendungen, die an einer Kostenstelle entstehen, auf die einzelnen Produktlinien verrechnet. Diese ergeben dann einen Teil der Planherstellungskosten, bei der es sich um eine entscheidende Kennzahl im Controlling handelt.

Zudem habe ich meine Arbeitskollegen bei den Erstberechnungen von neuen Produktionsaufträgen unterstützt. Auf Grundlage dieser Berechnungen werden unter anderem Entscheidungen über das Produktionsprogramm getroffen. Als Verantwortlicher für die Kostenstruktur der Airbag-Produktionslinie war es ebenso Teil meiner Aufgaben, die finanziellen Auswirkungen von technischen Änderungen an Produkten zu analysieren und schließlich freizugeben.

Ausgerüstet mit Excel und SAP

Die Handwerkszeuge eines Finanzanalysten in einem Industrieunternehmen sind Microsoft Excel und SAP. Um die wichtigsten Kennzahlen – wie zum Beispiel Factory Output, Produktivität, Mitarbeiterfluktuation, Gesamtausgaben, und so weiter  - monatlich zu überprüfen, erstellen die Controller sogenannte Cockpit-Charts. Mit diesen analysieren sie die Zahlen und definieren weitere Schritte. Die Cockpit-Charts werden an die Werksführung weitergeleitet, um diese über die aktuelle Unternehmenslage zu informieren.

Zwischen zwei Welten

Während meines Praktikums habe ich zwar in Ciudad Juárez (Mexiko) gearbeitet, aber in El Paso (USA) gewohnt, weil es dort sicherer ist. Somit habe ich täglich die Grenze überquert. An der Grenze treffen zwei Kulturen aufeinander und doch scheinen El Paso und Juarez nicht nur wirtschaftlich Hand in Hand zu gehen: Familiäre Verflechtungen, Einbürgerungen, Arbeitsverhältnisse oder Schulbesuche auf der jeweils anderen Seite der Grenze verflechten beide Städte auch kulturell. Nur die Gewalt hat ihren Weg über die Grenze nicht gefunden, besagt zumindest die amerikanische Statistik. Bei Wochenendausflügen nach Norden und in den Süden habe ich das "Borderland" verlassen und authentische amerikanische und mexikanische Eindrücke sammeln können. Vergleiche ich beispielsweise San Francisco mit Mexico City, so verblassen alle Gemeinsamkeiten, welche zwischen beiden Staaten im Grenzgebiet herrschen.

Mexikanische Lebensfreude und familiäre Atmosphäre

Beruflich war es ein besonderes Erlebnis, in die Rolle eines Controllers zu schlüpfen. Auf diese Weise konnte ich den Arbeitsalltag aus erster Hand miterleben und Verantwortung übernehmen. Neben der Arbeit im Büro war es für mich jedes Mal aufs Neue eine Freude, die unglaubliche Vielfalt der mexikanischen Küche zu genießen: Burritos, Tacos, Enchiladas, Quesadillas, Totopos, Tostadas, Flautas und nicht zuletzt der echte Tequila werden mir fehlen. Ein weiteres Highlight war eine Hochzeit, auf der die mexikanische Lebensfreude vollends zur Geltung kam.

Die familiäre Atmosphäre am Arbeitsplatz werde ich wahrscheinlich nicht an jedem Standort wiederfinden. Beispielsweise hat mein Teamleiter, als er von meinem geplanten Wochenendausflug nach Mexiko City erfuhr, kurzerhand seine dort lebende Nichte angerufen, die mich daraufhin herzlich in der Hauptstadt empfing. Und dass meine Betreuerin mich gegen Ende meiner Praktikumszeit nur noch als ihren Sohn bezeichnete, spricht für sich.

Fazit

Nach meiner Zeit bei Bosch bin ich mit der Tätigkeit und der Verantwortung der Controllingabteilung eines Industrieunternehmens vertraut. Ich habe Einblicke in die Wertschöpfungskette bei der Herstellung von elektronischen Komponenten in einer globalisierten Welt erhalten. Dazu gehört auch ein Gespür für die Kontroll- und Organisationsmechanismen, die einen Produktionsstandort erfolgreich in die Konzernstruktur eingliedern.

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