Partner von:

Eintauchen in Lissabon

Reisen (Quelle: freeimages.com, Kolobsek)

Quelle: freeimages.com, Kolobsek

Ziehen Sie sich locker an, hatte ihm ein Berater mit auf den Weg gegeben. e-fellows.net-Stipendiat Konstantin hielt sich dran und packte Freizeitkleidung für das Event 'Eintauchen' in Lissabon ein. Aufgeregt und mit einem Rucksack bepackt, kommt er am Flughafen an – und sieht andere Teilnehmer in Anzug und mit Hartschalenkoffer. Doch bevor ihm das Herz in die Hose rutschen konnte, tauchte der erste McKinsey-Berater auf. In kurzer Hose und Polo-Shirt.

Titel und Thema der Veranstaltung

Business Technology Seminar "Eintauchen 2010" von McKinsey mit Workshop zum Thema "Green IT"

Zeit, Ort und Dauer der Veranstaltung

10. bis 13. Juni 2010 in Lissabon

Teilnehmerzahl und Unternehmensvertreter

23 Studierende und elf Mitarbeiter von McKinsey.

Alternativen zur Forscherkarriere

Die wissenschaftliche Forschung ist ein sehr idealistisches Feld, in dem es große Konkurrenz um Gelder und Veröffentlichungen gibt. Zudem spezialisiert man sich im Laufe seiner Ausbildung mehr und mehr. Gegen Ende meines Studiums habe ich daher begonnen, Alternativen zur Forscherkarriere zu erkunden. Wirtschaftswissenschaftliche Fragen haben mich seit jeher interessiert. So habe ich den Weg in die studentische Unternehmensberatung Phlink e.V. in Marburg gefunden. Die Arbeit an den Projekten hat mir sehr viel Spaß gemacht, daher wollte ich mal einen Blick in die Welt der großen Beratungen werfen. Das BTO-Seminar war allein schon von der Programmankündigung hochinteressant. Deshalb war der Weg zur Bewerbung extrem kurz.

Dresscodes sind Kittelträgern fremd

Schon zwei Wochen vor dem Abflug nach Lissabon war ich etwas nervös. Als Naturwissenschaftler beschäftigt man sich zwar mit Codes, aber die sind dann eher genetischer Natur. Dresscodes sind uns Kittelträgern meist fremd. Als es dann in der Ankündigung zum Event hieß, es gäbe keinen Dresscode, musste ich erst noch mal nachhaken: "Brauche ich wirklich keinen Anzug?" Die Antwort war relativ eindeutig: "Tragen Sie Kleidung, in der Sie sich wohlfühlen, und vergessen Sie Badesachen und Kleidung für die Disco nicht."

Kein Platz mehr für den Anzug

Ich war etwas unsicher, ob ich nicht doch einen Anzug einpacken sollte, aber der Rucksack war schon voll genug. Im Zug nach München zum Flughafen traf ich auf eine Kommilitonin. Die war etwas erstaunt, dass ich mit einem Reiserucksack zu einem Beratungsworkshop fahre. Die hätten doch alle diese hochmodernen Hartschalenkoffer. Der Rucksack würde mich da direkt disqualifizieren. Na danke! Ich war ja ohnehin schon nervös. Am Flughafen eingetroffen (ich war natürlich zwei Stunden zu früh da), war ich sehr gespannt auf die anderen Teilnehmer. Für uns alle war der Flug von München aus gebucht worden, damit wir gemeinsam anreisen konnten. Und tatsächlich war ich nicht der Einzige, der dem Dresscode-Braten nicht getraut hatte. Da erschienen die ersten in Hemd und Anzughose. Bis dann der erste Unternehmensvertreter eintraf: kurze Hose und Polo-Shirt. Da ging allen auf, McKinsey meint es ernst: Zieht an, worin ihr euch wohlfühlt.

Auf dem Weg nach Lissabon

Nach einem interessanten Flug mit Unterhaltungsprogramm durch portugiesische Heimreisende landeten wir in Lissabon bei 10 Grad und Regen. In Deutschland hatte es derweil über 20 Grad und strahlende Sonne. Das Wetter sollte sich zum Glück im Laufe des Tages noch deutlich steigern. Im Bus zum Hotel wurden die ersten Kontakte geknüpft. Im Hotel, das von innen sehr an ein futuristisches Raumschiff erinnerte, fanden wir uns dann zu zweit zusammen, um das Gepäck im Doppelzimmer abzuladen. Dann ging es auch direkt in das McKinsey-Büro in Lissabon. Dieser Tag und das kommende Wochenende waren Feiertage, aber die Küche des Büros hatte sich dennoch eingefunden, um Snacks für uns vorzubereiten. Essen sollte es in den kommenden Tagen übrigens reichlich und hochwertig geben.

1. Aufgabe: Eine 5-Meter-Brücke bauen

Nach einer Vorstellungsrunde aller anwesenden Teilnehmer und Unternehmensvertreter wurden wir in Gruppen eingeteilt und mussten zunächst aus Papier eine möglichst lange Brücke bauen, die ein rohes Ei tragen konnte. Die Teams sollten in dieser Zusammensetzung auch die Fallstudie bearbeiten, so dass man hier schon Hinweise auf die Gruppendynamik ziehen konnte. Meine Gruppe war durchaus zufrieden, auch wenn wir mit einer 5-Meter-Brücke im Stile des Channel-Tunnel nur den dritten Platz belegten. Nach einer umfassenden Einführung in die Unternehmensphilosophie durch einen Partner von McKinsey ging es zum Abendessen ins Hotel. Zwischen den Gängen rotierten die Unternehmensvertreter an den Tischen, so dass man zum Ende des ersten Abends mit nahezu jedem gesprochen hatte.

Fallstudie und Stadtrallye

Am nächsten Morgen ging es dann an die Fallstudie, die alle mit Spannung erwartet hatten. Schnell war die Arbeit verteilt, die Zeit bis zur Stadtrallye am Nachmittag verging wie im Flug. Für die Rallye wurden die Teams neu verteilt mit jeweils zwei Unternehmensvertretern. Mit U-Bahn, Straßenbahn und zu Fuß erkundeten wir Lissabon. Wir hatten alle nicht erwartet, so viel von der Stadt zu sehen während einer Rallye. Lissabon ist wirklich traumhaft und sehr abwechslungsreich. Da es wie erwähnt auf ein langes Wochenende zuging, war die Stadt schon für die Feierlichkeiten dekoriert. Die Konkurrenz war sehr hart, und man traf immer wieder auf andere Gruppen, denen man natürlich immer eine Nase voraus sein wollte. Alles mit einer gehörigen Menge Spaß an der Sache.

Was ist besser - South Park oder Family Guy?

Abends stellte ein portugiesischer Partner die Möglichkeiten vor, bei McKinsey die Welt kennenzulernen. Außerdem berichtete er, wie Berater ihre Wochenenden nutzen und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den weltweiten Büros von McKinsey gibt. Anschließend wurden wir auf den Bewerbungsprozess bei McKinsey vorbereitet und exerzierten in Gruppen eine Fallstudie durch. Ich glaube, das hat allen etwas die Angst vor einer Bewerbung genommen. Im Anschluss ging es in den alten Teil der Stadt, Alfama. Hier bekamen wir in einem traditionellen Restaurant wunderbaren Fisch serviert und anschließend ging es raus in die Straßen.

Gegen Mitternacht machten wir uns auf den Weg zurück ins Hotel, aber noch lange nicht ins Bett. Ich erinnere mich gerne an eine Diskussion zwischen einem Kommilitonen, einem Berater und mir, ob nun South Park oder Family Guy besser sei. Wir haben sehr gelacht, aber auch dieser Abend musste irgendwann enden, denn es wartete immer noch eine Fallstudie auf uns. Und da wurde es echt knapp, denn für den nächsten Tag war ein umfangreicher Strandbesuch eingeplant.

Zeitdruck und Surfen

Die letzten Seiten unserer Flipchart-Präsentation wurden gerade so fertig, dass wir vom Case in den Bus springen konnten. Das Wetter erinnerte mich wieder an den Tag unserer Ankunft, aber wir trotzten den Wolken in Badeshorts und T-Shirt. Neben Beachvolleyball und einem kleinen Beach-Fußballspiel gab es auch die Möglichkeit, einen Surfkurs zu machen. Die Wellen waren toll, und einmal hab ich es sogar aufs Board geschafft. Auf der Habenseite standen zudem ein leichter Sonnenbrand, etwas Muskelkater, eineinhalb Liter geschluckter Atlantik und eine Menge Spaß (mal wieder). Viele nutzten aber auch die Möglichkeit, am Strand die Augen zuzumachen, denn die Tage waren lang, und es stand noch die Präsentation an. Diese verlief allerdings ganz anders als erwartet.

In der Präsentation werden die "Klienten" persönlich

Drei "McKinseys" mimten für uns die Klienten. Wir hatten uns im Team abgesprochen, wer welchen Teil der Präsentation übernimmt. Das war aber nach 30 Sekunden hinfällig. Der C.E.O. interessierte sich nur für zwei konkrete Zahlen, der Chef der Informatikabteilung riss unvermittelt unsere Präsentation vom Flipchart und bemalte die Rückseite, und dann wurden sie untereinander persönlich. Eine solche Präsentation in den Griff zu bekommen, war die echte Herausforderung des Wochenendes. Aber auch diese Aufgabe haben wir gemeistert, und sie wurde noch belohnt: mit einem Dinner in einem der schönsten Restaurants der Stadt, mit einem wunderbaren Ausblick über ganz Lissabon und genialer Küche.

Beeindruckende Ehrlichkeit

Und dann folgte einer der beeindruckendsten, weil ehrlichsten Momente des Wochenendes: Ein ehemaliger Junior Partner, der das Talent zum Comedian hat, berichtete in lockeren Worten von seiner Zeit im Unternehmen und sprach in aller Deutlichkeit auch an, was er schlecht fand und warum er nicht mehr im Unternehmen ist. Dass er dafür eine Stunde gebraucht hat und alle auf den Nachtisch warten mussten, war niemandem aufgefallen, denn es war wunderbare Unterhaltung. Zum Abschluss des Events ging es in einen Club, der zu einer Seite zum Meer hin geöffnet war. Auch hier waren natürlich die Getränke inklusive. Trotz der drei intensiven Tage haben wir bis in die Nacht gefeiert und gingen erst im Morgengrauen nach Hause.

Ein bisschen Ruhe

Der Sonntag verlief sehr ruhig. Jeder hatte noch einmal die Möglichkeit, mit einem Vertreter des Unternehmens ein Einzelgespräch zu führen. Die Chance habe ich genutzt und mit einem McKinsey-Kollegen zu sprechen, der als promovierter Biochemiker einen ähnlichen Hintergrund hat wie ich. Man merkte jedoch allen an, dass an diesem Wochenende eine Sache zu kurz gekommen war, wenn es auch die einzige war: Schlaf. Im Flugzeug regte sich niemand mehr und wie von McKinsey garantiert, waren alle pünktlich zurück zum Deutschlandspiel gegen Australien. Nach dem Abpfiff gingen bei mir aber die Lichter aus. Ich muss noch mal meinen Hut ziehen vor den Beratern, die am nächsten Tag schon wieder beim Klienten saßen. Ich hoffe, ihnen sind nicht, wie mir, das ein oder andere Mal die Augen zugefallen. Aber dieses Wochenende war es definitiv wert.

Mein Fazit

Der Workshop "Eintauchen 2010" war in allen Belangen Spitzenklasse. Neben den ausführlichen Einblicken in die Unternehmenswelt von McKinsey, speziell des BTO, konnten wir jederzeit die Berater mit Fragen ansprechen. Da diese sehr unterschiedliche Charaktere hatten und vom jungen Berater bis hin zum Partner Vertreter fast aller Karrierestufen anwesend waren, erhielt man einen umfassenden Eindruck. Dabei hatte ich nie das Gefühl, dass ich der unwissende Student bin, sondern die Berater haben einem das Gefühl vermittelt, auf Augenhöhe zu sein. Die unerwartet lockere Atmosphäre trug ihren Teil dazu bei, dass der Spaß nicht zu kurz kam. Auch die Fallstudie, die zwar anspruchsvoll war, aber dennoch sehr gut zu bearbeiten, wurde durch die unerwartete Präsentationssituation eine der eindrucksvollsten Erinnerungen. Das Ambiente, das Essen und die Ausflüge haben das Ganze perfekt abgerundet. Und zudem hatte man die Möglichkeit, interessierte Studenten der unterschiedlichsten Fächer kennenzulernen.

Wem ich die Veranstaltung weiterempfehle

Ich kann den Workshop jedem empfehlen, der einen Einblick in die Welt der Strategieberatung haben möchte, und dies in angenehmer Atmosphäre. Gerade im BTO ist die Zusammensetzung sehr gemischt und nicht so BWL-lastig, so dass man auf eine Menge interessante Persönlichkeiten trifft. Alle Aspekte des Berufs (Bewerbung, Einstieg, Karrieremöglichkeiten, Projekte) haben wir beleuchtet. Es wurde mit alten Vorurteilen aufgeräumt, aber stets auch deutlich gemacht, dass es sich um einen anspruchsvollen Job handelt. Man hatte nie das Gefühl, dass das Unternehmen sich in höchsten Tönen lobt, sondern stets alle Aspekte ehrlich anspricht. In Kombination mit dem gebotenen Programm eine wertvolle Erfahrung, die ich jedem nur wünschen kann.

nach oben

Willst du mehr über unseren Partner McKinsey erfahren? Hier findest du alle Infos zum Unternehmen.

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren