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Heute auf dem Schreibtisch, morgen in der Zeitung

Zeitung, Zeitungen, Stapel, Medien, Neuigkeiten [Quelle: freeimages.com, Autor: bizior]

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Achtzig-Stunden-Woche, Konkurrenz und Ellenbogen, arrogante und ständig ausgebrannte Anwälte sowie die Arbeit fern vom Mandanten – all das sind Vorurteile, die manch einer gegen große Wirtschaftskanzleien hegt und aus mangelnder eigener Erfahrung nährt. e-fellows.net-Stipendiat Nikita wollte sich selbst ein Bild machen. Sein Fazit: Keines dieser Attribute trifft aus seiner Sicht auf Hengeler Mueller zu.

Als Student wird man durch Anzeigen, etwa in der JuS, den e-fellows.net-Jobletter oder Aushänge in der Uni von nahezu allen großen Kanzleien angesprochen, sodass eine fundierte Wahl einer Kanzlei für ein Praktikum ohne Empfehlungen von Kommilitonen ziemlich schwierig ist. Durch eine solche Empfehlung entstand auch mein Interesse an Hengeler Mueller. Dort kam mir wegen einer anstehenden Hausarbeit zudem die kurze Vorlaufzeit für Bewerbungen entgegen – oft ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich idealerweise bereits sechs Monate im Voraus um einen Platz bewerben muss.

Ankunft und erstes Kennenlernen

Angekommen im 25. Stockwerk des Westend-Duos mit Blick über die Frankfurter Skyline habe ich bei einem gemeinsamen Mittagessen meine Praktikantenkollegen und Tutoren kennengelernt. Obwohl die Kanzlei Zuordnungswünsche soweit es geht berücksichtigt, wollte ich mich überraschen lassen. Ich landete bei meinen Tutoren Dr. Markus Böhler (Senior Associate) und Frederik Gärtner (Associate) in den Bereichen Finance und Corporate M&A, was sich als Volltreffer erweisen sollte. Denn anders als in vielen Kanzleien sind Anwälte bei Hengeler Mueller nicht abschließend in einem Rechtsgebiet 'verhaftet'. Vielmehr sind Associates zwei Partnern zugeordnet und 'rotieren' nach einem bestimmten Zeitraum zu Partnern mit anderen Tätigkeitschwerpunkten. Damit werden eine breite Ausbildung und der Blick über den eigenen Tellerrand ermöglicht. Von diesem Prinzip profitiert man auch als Praktikant, weil man in kurzer Zeit einen guten Überblick über viele Betätigungsfelder eines Wirtschaftsanwaltes bekommt.

"Everything But Everyday Business"

Meine täglichen Aufgaben waren unter anderem die Erstellung von Vermerken und Gutachten oder die Recherche zu Problemen und Vertragsprüfungen. Um die Probleme und Fragestellungen in den Mandaten zu verstehen, musste ich mich naturgemäß zunächst einlesen. Auch schienen komplexe Sachverhalte, unübersichtliche Konzernstrukturen und unendliche Verträge zunächst eine schier unüberwindbare Hürde. Besonders positiv empfand ich es daher, dass ich meine Tutoren jederzeit mit sämtlichen Fragen löchern konnte und sie mir stets geduldig antworteten. Durch die gelebte Open-Door-Policy war es ein Leichtes, fachliches Grundwissen zu Themen, die an der Uni unbehandelt bleiben, aufzubauen.

Nach jeder Aufgabe haben mir meine Tutoren ein Feedback zu meiner Leistung gegeben und mich motiviert, mit der Zeit schwierigere Aufgaben zu lösen. Auch wurde ich informiert, welcher Rat bzw. welche Version eines Entwurfs oder Ähnliches an die Mandanten geschickt wurde, sodass ich mich von Anfang an als eingebundenes Teammitglied fühlen konnte.

Mittendrin im aktuellen Wirtschaftsgeschehen

Mein persönliches Highlight war, als ich über ein Mandat, an dem ich mitarbeiten konnte, am nächsten Tag in der Zeitung gelesen habe. Auch wenn man aufgrund der notariell beurkundeten Verpflichtungserklärung zu Stillschweigen verpflichtet ist, habe ich mich insgeheim darüber gefreut, so hautnah am Geschehen zu sein. Zwar verbietet der Gesetzgeber die Verwertung solcher Informationen (Insiderhandel, § 14 WpHG) – die Euphorie, an hochkarätigen Mandaten mitarbeiten zu dürfen, kann er aber nicht untersagen.

Die Scheu vor der Arbeit in englischer Sprache sollte man bei Hengeler Mueller ablegen, da der größte Teil – teilweise auch bei rein innerdeutschen Mandaten – auf Englisch ist. Ich kann nicht leugnen, dass die erste Arbeit mit englischen Verträgen und seitenweisen Definitionen für einen deutschen Juristen etwas seltsam erscheinen und anfänglich Schwierigkeiten bereiten mag. Begreift man jedoch die Idee, dass ein selbstständiges Regelungswerk mit sämtlichen Rechtsinstituten bezweckt wird, und ist man offen gegenüber der Arbeit in einer Fremdsprache, dann ist die fachliche und sprachliche Lernkurve enorm. Ich lernte beispielsweise Finanzierungsverträge von mehreren hundert Seiten (sog. 'Bibel') als mein BGB zu akzeptieren und sämtliche auftretenden Fragen anhand dort vereinbarter Klauseln zu prüfen.

What’s on your desk?

Zusätzlich wurden wir, wie alle anderen Juristen, von einer Englischlehrerin, die seit Jahren auf das Unterrichten von Rechtsanwälten spezialisiert ist, in die Pflicht genommen. Dabei diskutierten wir in Kleingruppen über Kurztexte, erzählten von unseren aktuellen Aufgaben und wurden auf die Korrespondenz und Bewerbung in englischer Sprache vorbereitet.

Auf den Spuren der Vergangenheit und entlang einer senkrechten Wand

Neben der täglichen Arbeit stellte Hengeler Mueller attraktive "Social Events" auf die Beine. Nach einem Streifzug durch die hessische Metropole, bei der wir mit der Rechtsgeschichte der Stadt vertraut gemacht wurden, kehrten wir zum Abendessen und zu mehreren "Sauergespritzten" in eine Apfelweinkneipe ein. In lockerer Atmosphäre hatten wir die Gelegenheit, auch mal nichtjuristische Fragen zu stellen und sich den einen oder anderen Ratschlag für die eigene Karriereplanung geben zu lassen. In einer Kletterhalle haben wir in Teams unsere Fitness unter Beweis stellen können und mussten geschlossen feststellen, dass eine steile Wand alleine mit Kraft und ohne Technik nicht länger als eineinhalb Stunden zu bezwingen ist.

Der Unternehmenskauf

Praktikumsbegleitend wurden wir von Hendrik Bockenheimer (Senior Associate) und Dr. Björn Bork (Associate) durch einen fiktiven Kauf eines Computerunternehmens geführt, bei dem das Praktikantenteam die Käuferseite vertreten hat. Durch die Fallstudie kamen wir mit dem Thema M&A in Berührung und haben eine Due Diligence durchgeführt, deren Ergebnisse wir in einer Überarbeitung des Kaufvertrages (Mark-Up) festhielten. Dabei konnten wir unsere an der Universität erworbenen Kenntnisse einbringen und durch Transfergedanken und Analogien unbekannte Probleme lösen.

Spätestens als die erfahrenen Anwälte aus dem Nähkästchen plauderten, von 48-stündigen Beurkundungsmarathons erzählten, uns Tipps und Tricks für die Verhandlungstechnik mit auf den Weg gaben (die auf einen türkischen Basar übertragbar sind) und von der "Kammer des Schreckens" (dem Datenraum) berichteten, war ich in den M&A-Bann gezogen.

Fazit

Auch wenn dieser Monat durch das tägliche Pendeln von Würzburg nach Frankfurt anstrengend war, wäre ich gerne länger geblieben. Bei Hengeler Mueller konnte ich in einem hochqualifizierten Umfeld spannenden juristischen Fragen nachgehen und sehr viel dazulernen. Überwältigend empfand ich die stets hilfsbereiten Kollegen, die sich merklich und mit Erfolg darum bemühten, das Praktikum unvergesslich zu gestalten. Das manchmal zu hörende Vorurteil, Hengeler Mueller-Anwälte würden zum Lachen in den Keller gehen, sowie sonstige Klischees kann ich nicht bestätigen. Auch wenn die Rechtsberatung auf höchstem Niveau und über alle Grenzen hinweg nun mal kein 9-to-5-Job ist, bekommt man dort die Möglichkeit, "Global Players" zu beraten.

Ich kann mir gut vorstellen, die Anwaltsstation im Referendariat bei Hengeler Mueller zu absolvieren. Für meine Examensvorbereitung konnte ich durch das Praktikum neue Motivation sammeln. Jedem leidenschaftlichen Juristen mit Interesse am Berufsbild Wirtschaftsanwalt möchte ich ein Praktikum bei Hengeler Mueller in Frankfurt ausdrücklich und uneingeschränkt empfehlen. Für Fragen erreicht Ihr mich per E-Mail: nikita.gontschar@gmx.de.

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Willst du mehr über unseren Partner Hengeler Mueller erfahren? Hier findest du alle Infos zum Unternehmen.

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Kommentare (2)

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  1. Juliane Gierach

    Hallo Lorenz, schade, dass dir der Erfahrungsbericht nicht gefällt. Wie in so vielen Fällen gehen auch hier die Geschmäcker auseinander. In unserem Blog gibt es Erfahrungsberichte zu vielen verschiedenen Fachrichtungen - vielleicht ist da etwas für dich dabei. Viele Grüße Juliane

  2. Lorenz W.

    Mein Beileid zu diesem Praktikum, liest sich für mich wie ein Alptraum. Ein Wunder, dass bei dem Streifzug durch FFM auch mal nichtjuristische Themen behandelt wurden - die Karriereplanung, wow. Die Tätigkeitsbeschreibung dürfte übrigens auch für jeden Absolventen etwa ach so unnützer "Orchideenfächer" machbar sein - Gesetze und Paragraphen sowie deren Anwendung stehen in Dutzenden Werken festgeschrieben, ich frage mich daher auch immer, ob man anwendungsorientiertes Jura nicht auch (à la UK) in betriebliche Ausbildungen auslagern könnte / sollte.

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