Partner von:

Positiv überrascht von der typischen Großkanzlei

Waage, Recht, Gesetz, Jura [Quelle: freeimages.com, Autor: darktaco]

Quelle: freeimages.com, darktaco

Anwälte in Großkanzleien? Sündhaft teure Spezialisten, die rund um die Uhr arbeiten und sogar im Büro übernachten, wenn es sein muss. Wild entschlossen, dieses Klischee bestätigt zu finden, trat Mathias sein Praktikum bei Clifford Chance an – und hatte auch noch Erfolg damit. Aber warum ist die Arbeit in einer Großkanzlei jetzt doch eine Option für ihn?

Nicht ohne Grund ist Al Pacino in dem Film "Im Auftrag des Teufels" als Teufel in Menschengestalt Senior-Partner einer Großkanzlei. Dem Berufsbild "Großkanzlei-Anwalt" eilt in Studentenkreisen ein besonderer Ruf voraus. Die gängigen Vorurteile: schwindelerregende Bezahlung bei gleichzeitig unmenschlicher Arbeitsbelastung in einem gesichtslosen Moloch, der "Legal High Potentials" im "Backoffice" an Blackberrys fesselt und zu Denglisch sprechenden Spartenspezialisten mit horrenden Stundensätzen macht. Mein Fazit vorweg: Viele der Vorurteile stimmen – aber anders, als ich dachte.

Ich in einer Großkanzlei? – Nie im Leben!

Für mich war der Ausgangspunkt zu Beginn meines Praktikums im Frankfurter Büro von Clifford Chance klar: Ich wollte mir die Arbeit in einer Großkanzlei ansehen, um genug Erfahrungen zu sammeln, die meine Vorbehalte und eine Entscheidung gegen diese Tätigkeit stützen würden. Außerdem war ich meiner Meinung nach als "Strafrechtler", der seinen bisherigen Studienschwerpunkt auf ein eher umsatz- und imagefeindliches Gebiet gelegt hatte, für Kanzleien mit wirtschaftsrechtlichem Schwerpunkt ohnehin nicht sonderlich interessant. Wäre dieser Plan erfolgreich gewesen, würde dieser Bericht wohl bereits an dieser Stelle enden.

Der erste Kontakt: befremdlich

Meinen ersten Kontakt zu Clifford Chance hatte ich auf dem e-fellows.net LL.M. Day 2008 in Frankfurt. Nach dem Gespräch mit Annette Maaßen und Alexander Wojtek von Clifford Chance, die bereitwillig und offen alle Fragen beantworteten, blieb ich mit Informationsmaterial und einem etwas befremdlichen Gefühl zurück. Ich hätte nicht erwartet, dass auf durchaus auch kritische Fragen so bereitwillig geantwortet wurde. Außerdem erschien das angebotene "Praktikantenprogramm" als gut durchdachte Ergänzung zum "normalen Arbeitsalltag".

Mit Stipendium nach Frankfurt

Als ich dann kurze Zeit später von dem Stipendium erfuhr, das 2008 erstmals von Clifford Chance in Zusammenarbeit mit dem Ehemaligenverein der Universität Passau speziell für Studenten der Universität Passau ausgeschrieben wurde, beschloss ich, mich zu bewerben. Das Stipendium umfasste neben einem Büchergeld von insgesamt 1.200 Euro und einem Praktikum in einem der Bürostandorte von Clifford Chance in Deutschland auch eine bezahlte Unterkunft während der gesamten Dauer des Praktikums.

Ich hatte mich für den Bereich "Litigation & Dispute Resolution" beworben, da ich schon immer ein Faible für den Widerspruch von materiellem Recht und dessen prozessualer Durchsetzbarkeit hatte. Im Studium und in anderen Praktika hatte ich gelernt, dass Recht und Gerechtigkeit an kaum einem Ort so weit auseinanderliegen können wie vor Gericht. Zudem befand sich in diesem Ressort auch der Bereich "White-Collar Crime" und damit die Möglichkeit, auch (wirtschafts-)strafrechtliche Fragen zu bearbeiten.

Praktikum "all inclusive"

Erstaunlich fand ich, dass ich während des doch recht langen Zeitraums (18 Monate) zwischen Bewerbung und Praktikumsbeginn immer Fragen und Wünsche an einen Ansprechpartner in Frankfurt richten konnte. Auch war eine nachträgliche Verkürzung des Praktikums und eine Freistellung für zwei Tage, um an einem internationalen Chorwettbewerb teilnehmen zu können, problemlos möglich.

Auch die Organisation der Unterbringung während meines Praktikums wurde komplett von Clifford Chance übernommen. Über diese Entlastung in der Zeit kurz vor den Klausuren des Staatsexamens war ich sehr dankbar. Die Wohnung, in der ich in Frankfurt untergebracht war, war vollständig ausgestattet und in unmittelbarer Nähe zum Büro. Einen derartigen "Allround Service" hatte ich bisher in noch keinem Praktikum erlebt.

Was bedeutet eigentlich "international tätig"?

Während der ersten Tage musste ich mich vor allem an die Dimensionen einer Großkanzlei gewöhnen. Auch merkte ich schnell, was sich hinter dem Begriff einer "international geprägten Tätigkeit" verbirgt. Immer wieder kamen Bitten aus ausländischen Kanzleistandorten, einen bestimmten Sachverhalt nach deutschem Recht zu beurteilen. Aber auch im normalen Büroalltag war das internationale Umfeld spürbar, sei es bei der Zusendung von Literatur aus der Londoner Kanzleibibliothek oder bei einem Telefonat mit den IT-Teams in London und Indien bei einem Computer-Problem.

Übersetzung: Juristendeutsch – Juristenenglisch

Auch das Mandat, für das ich während meines Praktikums schwerpunktmäßig arbeitete, wurde in enger Abstimmung mit dem Büro in London betreut. Da der Mandant aus den Vereinigten Staaten kam, wurde ausschließlich auf Englisch kommuniziert. Gerade die Übertragung der "typischen juristischen" Formulierungen in verständliches und ästhetisches Englisch waren dabei zu Beginn eine echte Herausforderung für mich. Außerdem untersuchte ich das Informationsmaterial auf einer englischsprachigen Website auf mögliche Haftungsrisiken und arbeitete mehrere Schriftsätze zu Gerichtsprozessen durch, die der Mandant in Israel und Italien führte. Dabei war vor allem zu klären, ob die dort vorgebrachten Argumente auch auf die Sach- und Rechtslage in Deutschland übertragen werden könnten und ein entsprechendes Vorgehen möglicherweise auch vor deutschen Gerichten erfolgreich wäre.

Crashkurs beim Mittagessen

Bei allen Aufträgen konnte ich mich jederzeit an den jeweiligen Anwalt wenden, von dem ich den Auftrag hatte. Teilweise erhielt ich auch eine kurze Einführung in ein noch unbekanntes Rechtsgebiet. So wurde ich beispielsweise bei einem Mittagessen in die Untiefen des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes eingeführt, um mich dann später mit einem Detailproblem dieser Norm auseinanderzusetzen.

Mandate "live" miterleben

Auch bekam ich zu meiner Arbeit ein ausführliches und konstruktives Feedback. Nach Abschluss eines Auftrages erhielt ich die finale Version des Dokuments, die dann an den Mandanten oder das Gericht geschickt wurde. So konnte ich sehen, wie viel von meinen Ideen und Vorschlägen insgesamt übernommen wurden und hatte dadurch immer das Gefühl, mit meiner Arbeit auch etwas zum jeweiligen Projekt beigetragen zu haben. Auch war ich sowohl in die Kommunikation zwischen Associate und Partner als auch zwischen Kanzlei und Mandant fest eingebunden und konnte so die Entwicklung der Mandate "live" mitverfolgen.

Jam Session und Kicker im Büro

Ich war vom angenehmen Arbeitsklima sehr positiv überrascht. Statt Ellenbogenmentalität herrschte das Gefühl, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Jederzeit konnte ich eine kompetente zweite Meinung einholen oder einfach über Gott und die Welt reden, sei es auf dem Flur, beim gemeinsamen Essen oder bei einer Partie Tischkicker.

Ich war dabei immer wieder von der Vielseitigkeit der Interessen und Hobbys überrascht, für die laut meinen Vorurteilen im Leben eines Großkanzlei-Anwalts ja kein Platz mehr sein dürfte. So saßen an einem Abend zwei Partner und ein Associate mit Gitarre und E-Bass in einem Büro, um sich auf einen gemeinsamen Auftritt vorzubereiten. Auch parteipolitisches, soziales oder kirchliches Engagement war keine Seltenheit.

Stimmen die Vorurteile denn jetzt? Ja, aber ...

Viele der Vorurteile, die ich zu Beginn hatte, haben sich bestätigt. Allerdings hat sich dabei ihre zunächst negative Bedeutung für mich grundlegend geändert. Zunächst ist es wohl keine Überraschung, dass die Arbeitsbelastung nicht selten über das normale Pensum hinausgeht. Auch als Praktikant kam ich öfter erst nach 20 Uhr aus dem Büro (trotz der fürsorglichen Aufforderung der Kollegen, "gefälligst nach Hause zu gehen"). Ich habe allerdings an mir selbst erfahren, dass die Bereitschaft zur Mehr-Belastung von einer starken Identifikation mit den Projekten herrührt und einem hohen Anspruch an die eigene Arbeit. Wenn man mit dem Gefühl nach Hause geht, dem Mandanten geholfen zu haben, bleibt man gerne länger.

Spezialisten ohne Scheuklappen

Es stimmt, dass die Anwälte stark spezialisiert sind. Allerdings ist damit keineswegs ein "Scheuklappendenken" verbunden. Gerade in Projekten, in denen verschiedene Rechtsgebiete berücksichtigt werden müssen, war ich von der sehr effektiven Zusammenarbeit beeindruckt. Außerdem erleichtert es die eigene Arbeit sehr, sich mit einem Problem an einen ausgewiesenen Spezialisten wenden zu können. An die Blackberrys und das Joch der ständigen Erreichbarkeit konnte ich mich allerdings nicht vollständig gewöhnen.

Der ursprüngliche Plan, das Praktikum als Bestätigung für eine Entscheidung gegen die Großkanzlei zu nutzen, war also nicht erfolgreich. Dafür habe ich eine juristische Tätigkeit entdeckt, die fachliche und persönliche Kompetenzen gleichermaßen fordert und fördert, und mit der Jura richtig Spaß machen kann.

nach oben

Willst du mehr über unseren Partner Clifford Chance erfahren? Hier findest du alle Infos zum Unternehmen.

Willst du mehr über unseren Partner Clifford Chance erfahren? Hier findest du alle Infos zum Unternehmen.

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren