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Den Geschäftsführer-Bonus wegverhandelt

Bewerben als Jurist [© apops - Fotolia.com]

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Der Verkäufer will Kaufpreisgarantien, der Käufer stört sich an der möglichen Steuernachzahlung, und der Geschäftsführer fordert selbst ein dickes Stück vom Kuchen: Dass es in der Private-Equity-Beratung nicht nur auf juristisches und wirtschaftliches Fachwissen ankommt, sondern eine gehörige Portion Verhandlungsgeschick gefragt ist, erlebte Wiebke im Workshop ''Barbarians at the Gate?'' bei Clifford Chance.

Titel und Thema

Workshop "Barbarians at the Gate? – Beratungsherausforderungen eines Private-Equity-Anwalts" und anschließende Abendveranstaltung mit Clifford Chance

Datum und Ort

15. Oktober 2010 im Frankfurter Büro der Kanzlei

Teilnehmer und Unternehmensvertreter

An der Veranstaltung nahmen 20 e-fellows aus ganz Deutschland teil, allesamt Juristen unmittelbar vor oder nach der Ersten Juristischen Prüfung. Im Workshop trafen wir auf folgende Vertreter von Clifford Chance: die Partner Oliver Felsenstein, Burc Hesse, LL.M., und Georg Linde, die Counsel Joachim Hasselbach, LL.M., Markus Muhs und Rose Brounts, den Associate Frederik Mühl und Annette Maaßen, Human Resources.

Warum ich teilgenommen habe

''Barbarians at the Gate''? Private-Equity-Gesellschaften übernehmen Unternehmen vollständig oder teilweise, bauen sie um und verkaufen sie mit Gewinn weiter. Aber was genau passiert eigentlich hinter den Kulissen einer PE-Transaktion? Mit den rechtlichen und vor allem wirtschaftlichen Fragen in der PE-Branche kommt man während des Jura-Studiums erfahrungsgemäß selten bis gar nicht in Berührung. Umso neugieriger war ich, durch den Workshop im Frankfurter Büro von Clifford Chance einen praxisnahen Einblick in die täglichen Herausforderungen der PE-Beratung zu bekommen.

Mir persönlich ging es darum, die Vertreter der Kanzlei in einem überschaubaren Umfeld kennenzulernen. Bürogröße, Beraterzahl, Leverage und Tätigkeitsschwerpunkte jeder Kanzlei kann man im Internet abfragen. Keine Auskunft geben Internet oder Marketing-Abteilungen hingegen zu Arbeitsatmosphäre und ''Alltag'' in einer Großkanzlei. Daher sah ich in der Veranstaltung auch eine tolle Gelegenheit, einen Eindruck vom Arbeitsklima in einer internationalen Sozietät zu erhalten.

Wer berät wen?

Als gegen 12:30 Uhr alle Teilnehmer angekommen waren, nahmen wir in entspannter Atmosphäre bei einem kurzen Mittags-Snack die Gelegenheit wahr, uns gegenseitig kennenzulernen. An den zugeteilten Farbpunkten war schnell zu erkennen, ob man bei der simulierten PE-Transaktion des Workshops den Verkäufer, den Käufer oder den Geschäftsführer beraten würde. Nach einer kurzen Einführung in die Strukturen und das Selbstverständnis der Kanzlei durch Georg Linde erläuterte sein Kollege Burc Hesse, was uns in den kommenden Stunden erwarten würde.

''Barbarians at the Gate''? Was ist eigentlich Private Equity?

Im Anschluss gab uns Oliver Felsenstein einen Überblick über das weitläufige Thema Private Equity. Dabei erfuhren wir auch, dass Clifford Chance insbesondere auf dem deutschen Markt seit langem als Pionier in der PE-Beratung gilt. Beste Voraussetzungen also, um im Laufe eines spannenden Nachmittags den Abschluss einer simulierten PE-Transaktion live nachvollziehen und selbst gestalten zu können. Spätestens jetzt erklärte sich auch der reißerische Titel des Workshops, ''Barbarians at the Gate'', der auf den gleichnamigen Titel des Buches von Bryan Burrough und John Helyar über eine der größten Übernahmen der amerikanischen Geschichte in den 1980ern zurückgeht. Um die gewonnenen Einblicke in die praktischen Zusammenhänge des PE-Geschäfts noch vertiefen zu können, erhielten alle Teilnehmer ein Exemplar als Überraschungsgeschenk.

Teamwork von Vertragsentwurf bis Signing

Gegen 14 Uhr teilte sich das Plenum in die verschiedenen Gruppen auf. Zum ersten Mal befassten wir uns mit dem fiktiven, aber realitätsnahen Szenario: Ein englisches Beteiligungsunternehmen würde versuchen, einen vor fünf Jahren erworbenen deutschen Hersteller von Industrieventilen gewinnbringend an ein amerikanisches Beteiligungsunternehmen zu verkaufen.

Die Beraterteams des Verkäufers, des Käufers und des Geschäftsführers standen jeweils vor unterschiedlichen Problemen, die es aus wirtschaftlicher und rechtlicher Sicht zu lösen galt. Auf Verkäuferseite war zum Beispiel die interne Entscheidungsfindung noch nicht abgeschlossen, weshalb man auf aufschiebende Bedingungen im Kaufvertrag zu achten hatte.

Dass es nicht nur auf exzellente juristische Präzision, sondern auch auf ergebnisorientiertes, wirtschaftliches Denken ankommt, wurde uns schnell klar. Zudem fiel von Anfang an auf, dass die Zusammenarbeit im Team eine bedeutende Rolle spielt. Kartell- und arbeitsrechtliche Fragen, die in der Besprechung aufkamen, zeigten, dass es unerlässlich ist, Berater aus anderen Bereichen mit entsprechendem Fachwissen einzuschalten.

Da jederzeit ein Vertreter der Kanzlei für Fragen zur Verfügung stand, konnten wir schon in der ersten Besprechung mit den ''Mandanten'' (überzeugend dargestellt von Burc Hesse, Markus Muhs und Frederik Mühl aus dem echten PE-Team von Clifford Chance) viele offene Punkte klären.

''Wo bleibt mein Bonus?!''

Frisch gestärkt durch Kaffee und Kuchen starteten wir gegen 17 Uhr in die abschließende Verhandlungsrunde im Plenum. Spätestens hier wurde deutlich, dass es eine gehörige Portion Verhandlungsgeschick und Kompromissbereitschaft kosten würde, um die gegensätzlichen Positionen der Beteiligten in Einklang zu bringen und ''unserem'' Deal zu einem erfolgreichen Abschluss zu verhelfen.

Während die Verkäuferseite auf Abschlusssicherheit und Kaufpreisgarantien beharrte, störte sich die Käuferseite an diversen Umwelt- und Steuernachzahlungsrisiken. Geschäftsführer ''Dr. Fließ'' (alias Frederik Mühl von Clifford Chance) hingegen ging es vor allem um seinen Bonus – ein Anliegen, auf das er auch während der Verhandlung anderer Klauseln immer wieder gern zurückkam. Selbst als seine Einwände vom Beraterteam der Verkäuferseite mit dem Hinweis zurückgewiesen wurden, ''Dr. Fließ'' könne kaum so dringend auf seinen Bonus angewiesen sein, da er schon rein physisch offensichtlich ''nicht am Hungertuch nage'', tat dies der positiven Verhandlungsatmosphäre keinen Abbruch – vielleicht der einzige weniger realitätsnahe Punkt dieses Nachmittages.

Trotzdem gelang es uns, abschließend zu einem für alle Seiten akzeptablen Entwurf des Kaufvertrags zu gelangen und einen Zeitrahmen bis zum Closing, der endgültigen Vertragsunterzeichnung, festzulegen.

Karriere-Infos beim Dinner

Wir nutzten die verbleibende Zeit, um die rechtlichen und transaktionsbezogenen Themen kurz zu erörtern. Gerade in Verbindung mit der praktischen Anwendung im Workshop gelang es den beteiligten Kanzleivertretern, das aus studentischer Sicht abstrakte Thema Private Equity allen Teilnehmern greifbar zu machen. Dem gelungenen Workshop folgte ein entspanntes Abendprogramm im Hotel. Während des Dinners und später an der Hotelbar ließen wir den Abend ausklingen und hatten dabei genug Zeit für persönliche Fragen über Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten bei Clifford Chance.

Praxistest und Networking

Den Tag bei Clifford Chance werde ich in sehr guter Erinnerung behalten. Ich habe nicht nur unheimlich viel Spaß gehabt, sondern auch einen realistischen Einblick in die Tätigkeit einer Großkanzlei und speziell im PE-Bereich von Clifford Chance erhalten. Zudem traf ich auf Anwälte, die sich im zwanglosen persönlichen Gespräch bereitwillig den verschiedenen Fragen von uns jungen Juristen stellten. Ich empfehle die Veranstaltung damit allen, die neben einem grundsätzlichen Interesse an der Tätigkeit in einer Großkanzlei Spaß daran haben, sich in den Verhandlungen ein Bild von hochspannenden Rechts- und Wirtschaftsthemen zu machen. Darüber hinaus besteht die hervorragende Gelegenheit, persönliche Kontakte zu knüpfen und sich Perspektiven für Praktika, Referendariat und/oder Berufseinstieg zu eröffnen.

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Willst du mehr über unseren Partner Clifford Chance erfahren? Hier findest du alle Infos zum Unternehmen.

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