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Lieber Allrounder als Feuerwehr

Kollegen im Gespräch [Quelle: pixabay.com, Unsplash]

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Was tun, wenn man während des Jura-Studiums merkt, dass man eher Generalist ist und nicht gerne stundenlang an einem Rechtsproblem herumtüftelt? Aileen entschied sich in dieser Situation für das Traineeprogramm der Telekom – und fand genau den Einstieg, den sie sich gewünscht hatte.

Als Juristin zur Telekom – wieso nicht in die Kanzlei oder zum Staat?

Ich wollte eigentlich immer Richterin werden. Im Referendariat habe ich mir diesen Beruf dann genauer angesehen und festgestellt, dass er doch nichts für mich ist: Man arbeitet als absoluter Einzelkämpfer und viele Sachverhalte sind nicht beweisbar. Mir schien das Frustrationspotenzial sehr hoch, und irgendwie wollte ich auch lieber gestalten und nicht erst das Kind retten, wenn es schon in den Brunnen gefallen war. Mit der Arbeit in einer Großkanzlei ging es mir ähnlich: Das hat mir zwar Spaß gemacht, aber auch dort ist man eher die "Feuerwehr". Mir gefällt die Tätigkeit in einem Unternehmen besser, wo alle an einem gemeinsamen Ziel arbeiten und etwas aufbauen.

Wie haben Sie überhaupt von der Möglichkeit eines Trainee-Einstiegs bei der Telekom erfahren?

Ich hatte schon während des Referendariats vom Traineeprogramm der Telekom gehört. Es schien mir ein schöner Einstieg, bei dem man einen Überblick über das ganze Unternehmen bekommt. Im Studium und Referendariat habe ich nämlich gemerkt, dass ich eher eine Generalistin bin, die Jura als Handwerkszeug sieht und sich nicht gerne in Details verliert. Gegen Ende meines Referendariats habe ich dann eine Telekom-Ausschreibung für das Traineeprogramm für Juristen bei e-fellows.net entdeckt.

Trainee-Stellen sind für Juristen eher ungewöhnlich. Das Studium samt Referendariat ist ja recht lang, daher wollen die meisten danach endlich "richtig" loslegen und nicht "schon wieder" eine Art Ausbildung machen. Dazu muss man aber sagen, dass mir die Telekom die Wahl leicht gemacht hat: Als Telekom-Trainee hat man eine Festanstellung und kann sich seine Projekte aussuchen. Für mich war es der perfekte Einstieg, denn ich konnte mir verschiedene Bereiche ansehen und erfahren, welche Möglichkeiten es überhaupt für mich gibt. Und mir darüber hinaus ein Netzwerk im Unternehmen aufbauen.

Welche Bereiche haben Sie während des Traineeprogramms kennengelernt?

Als Trainee ist man einem bestimmten Vorstandsbereich zugeordnet, bei mir war das "Datenschutz, Recht und Compliance". Projekte kann man aber auch in anderen Bereichen übernehmen. Die Stationen dauern immer drei Monate und mindestens eine Station verbringt man im Ausland. Ich habe unter anderem in der Cyber Security der T-Systems gearbeitet und in Paris bei BuyIn, einem Joint Venture von der Telekom und dem französischen Telekommunikationsunternehmen Orange. Außerdem habe ich im Bereich Compliance Sonderprojekte übernommen, bei T-Systems in der Contracting Excellence gearbeitet und schließlich noch in der Retail Strategy bei der Telekom Shop Vertriebsgesellschaft.

Welche Aufgaben haben Sie übernommen?

In der Cyber Security der T-Systems habe ich unter anderem Partnerverträge mit großen Firmen begleitet: Ich habe die Dokumente vorbereitet, die rechtlichen Aspekte dazu beleuchtet und Datenschutzrecht recherchiert. Im Bereich Compliance durfte ich zum Beispiel eine Schulung zu Compliance für zwei hochkarätige Manager der Telekom erstellen, die der Chief Compliance Officer dann mit Hilfe meiner Materialien gehalten hat. Eine andere Aufgabe dort war die Risikobewertung von Bereichen: Welche Policies haben wir bereits? Müssen wir noch zusätzliche Trainings anbieten? Ich habe auch für den Chief Compliance Officer kurze Info-Texte zu einem bestimmten juristischen Thema erstellt.

Bei BuyIn war es unter anderem meine Aufgabe, eigenverantwortlich die Anti-Korruptionslinie neu zu schreiben, und dabei sowohl die französische als auch die deutsche Rechtsordnung abzudecken. Außerdem habe ich mich dort auch viel mit Kartellrecht befasst. Es gab bereits eine kartellrechtliche Selbstprüfung der einzelnen Bereiche – meine Aufgabe war es, die daraus resultierenden Berichte zu verfeinern, zu kontrollieren und zu vereinheitlichen. Die Arbeit war generell sehr herausfordernd, aber ich habe dafür auch die Rückendeckung bekommen, die ich brauchte und hatte meine eigenen Themen, für die nur ich zuständig war. Das hat mir sehr gut gefallen.

Im Programm bekamen Sie auch einen Mentor zur Seite gestellt – wie hat dieser Sie unterstützt?

Mein Mentor, ein Geschäftsführer der Telekom Shop Vertriebsgesellschaft, hat mir sehr viel beigebracht. Er hat mich oft bei seiner täglichen Arbeit mitgenommen, zum Beispiel zu Strategiemeetings oder bei Besuchen in den Telekom-Shops. Dabei konnte ich sehr viel lernen, einfach, in dem ich ihn beobachtet habe. Wir haben uns regelmäßig getroffen, haben E-Mails ausgetauscht oder sind zusammen Mittagessen gegangen. Ich konnte mich mit allen Fragen an ihn wenden.

Was sind die weiteren Vorteile des Traineeprogramms?

Man hat im Start up! Programm eine sehr gute Anbindung an den jeweiligen Vorstand, dem man zugeordnet ist. Als Trainee hat man außerdem die Möglichkeit, sich eigene Trainings zusammenzustellen, man hört Vorträge und nimmt an Seminaren teil, zum Beispiel zu Rhetorik. Außerdem gibt es die sogenannte "Learning Company", wo man während einer Woche ein fiktives Unternehmen aufbaut und führt. Generell wird von einem Trainee bei der Telekom erwartet, dass er das Business gut kennenlernt. Daher bin ich auch mal mit einem Techniker rausgefahren, war im Social Media Center der Telekom, wo unter anderem die Facebook-Seiten betreut werden, war eine Woche auf der CeBIT und habe einen Tag selbst in einem Shop gearbeitet. Diese Vielfalt fand ich super!

Welche Entwicklungsmöglichkeiten hat man nach dem Programm?

Während des Traineeprogramms lernt man sehr viele Menschen kennen, wenn man offen dafür ist. Diese Kontakte und Einblicke sind unbezahlbar, und auch das Netzwerk der Trainees untereinander ist sehr wertvoll. Denn all diese Kontakte öffnen einem viele Türen. Nach meiner Zeit als Trainee habe ich verschiedene Angebote für einen Einstieg bekommen und konnte mir die Position heraussuchen, die mich am meisten interessiert hat. Ich arbeite jetzt bei BuyIn und bin verantwortlich für Anti-Korruptionsthemen und weitere Compliance-Aufgaben.

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