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"Konzentriert euch auf eure Stärken"

Vernetzt arbeiten bei der Deutschen Telekom [© Mikko Lemola - Fotolia.com]

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Zu T-Systems kam Dirk Fuhrmann ganz unverhofft – weil sein Arbeitgeber aufgekauft wurde. Für den Wirtschaftsinformatiker machte sich diese Übernahme aber bezahlt: In den letzten elf Jahren bekleidete er Positionen als Berater, Projektleiter und Service Delivery Manager. Im Interview verrät er sein Erfolgsgeheimnis und welche technischen Entwicklungen uns in den nächsten fünf Jahren erwarten.

Wie sind Sie zur Deutschen Telekom gekommen und wie sah Ihr Werdegang im Unternehmen aus?

Nach meinem Studium habe ich zunächst für einige kleinere Beratungsfirmen gearbeitet und bin dann bei der gedas gelandet, der IT-Tochter von Volkswagen. Die wurde 2005 von T-Systems aufgekauft, weil sich Volkswagen stärker auf seine Kernbereiche – in dem Fall die automobile Produktion – konzentrieren wollte. Ich sah diese Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie so oft im Leben: Einerseits waren wir bei der gedas eine tolle Truppe, andererseits sind durch den Verkauf an die Telekom auch viele neue Türen für mich aufgegangen.

Bei der Telekom bin ich als Berater eingestiegen, wurde dann Projektleiter und nach einem kleinen Ausflug in den Sales-Bereich bin ich inzwischen Service Delivery Manager.

Was macht ein Service Delivery Manager?

Ich bin in der Liefereinheit Systemintegration für etwa 30 Kunden weltweit zuständig. Alle meine Kunden sind Automobilzulieferer. Ich trage dafür die Verantwortung, dass wir den Kunden ein sauberes Leistungspaket schnüren und dass sie am Ende genau das von uns geliefert bekommen, was sie bestellt und wofür sie bezahlt haben, dass die Qualität unserer Leistungen stimmt und dass die richtigen Leute an der richtigen Stelle arbeiten.

Welche Leistungen bietet T-Systems denn ihren Kunden?

Unser Portfolio reicht von IT im SAP- und Non-SAP-Bereich mit Beratung, Projekten und dem anschließenden Application Support über Cloud-Themen bis hin zum Industrie-4.0-Themenkomplex. Das Spektrum ist sehr umfangreich und dadurch natürlich auch sehr spannend. Man hat jeden Tag mit etwas Neuem zu tun.

Was ist die größte Herausforderung in Ihrem Beruf?

Ich habe mit sehr vielen verschiedenen Anlaufstellen zu tun, die ich alle koordinieren, unterstützen und informieren muss: intern etwa den Vertrieb, die verschiedenen Liefereinheiten, das Controlling und extern dann die Kunden. Da muss man natürlich gut organisiert sein, um den Überblick zu behalten. Außerdem wollen wir die Automobilzulieferer noch stärker an uns binden, als wir es bisher getan haben. Und das erreichen wir nur, wenn wir unser digitales Geschäft weiter ausbauen.

Welche Themen stehen dabei im Vordergrund?

Industrie-4.0-Themen in all ihren Facetten dominieren das Geschäft im Automotive-Supply-Umfeld. Aus dieser Strömung wird sich schnell eine Vielzahl neuer Technologien und Lösungsansätze entwickeln. Hier muss man immer am Ball bleiben, um die Entwicklungen begleiten zu können. Big Data ist natürlich ein Thema, das in den letzten Jahren aufgekommen ist und große Relevanz hat. Ähnlich verhält es sich mit Automatisiertem Fahren und Augmented Reality. Der 3D-Druck steckt aus meiner Sicht zwar noch in den Kinderschuhen, in fünf Jahren können wir da aber sicherlich ganz andere Dinge in Serie machen. All das verändert unser Verständnis von IT grundlegend, von daher ist das der interessanteste Arbeitsbereich, den ich mir vorstellen kann. Ich bin gespannt, wo wir hier in ein paar Jahren sind.

Hat Sie Ihr Studium auf Ihren Job vorbereitet oder haben Sie alles, was Sie tagtäglich machen, on the job gelernt?

Eine einfache Frage, aber darauf gibt es keine einfache Antwort. Meine Ausbildung fing ja eigentlich schon in meiner Lehrzeit an, in der ich Software entwickelt habe. Das war zu einer Zeit, da kamen gerade Netzwerke auf, da wusste man noch gar nicht, was das Internet ist. Im Studium war das dann zwar schon bekannt, aber dass es heute Notebooks mit Acht-Terrabyte-Festplatten gibt oder wir alle mit Smartphones herumlaufen, hätte damals auch niemand gedacht.

Während des Studiums habe ich sehr viel am Institut für Wirtschaftsinformatik gearbeitet und dort einiges über Systemmodellierung, Objektorientierung und wirtschaftliche sowie informationstechnologische Zusammenhänge gelernt. Aber natürlich speist sich mein Wissen vor allem aus dem, was ich in den 20 Jahren im Berufsleben gemacht habe: Ich habe Software entwickelt, ich habe beraten, ich habe Projekte geleitet, ich habe moderiert, ich habe modelliert, ich habe Qualitätssicherung betrieben. Das Studium war dafür sicherlich eine gute Grundlage, aber die Theorie muss dann mit der praktischen Erfahrung verheiratet werden.

Was gefällt Ihnen an der Telekom als Arbeitgeber?

Seit ich 2005 zur Telekom gekommen bin, habe ich ja in verschiedensten Positionen gearbeitet. Ich glaube, eine solche Entwicklung kann man nicht überall machen – dafür braucht man eine starke und große Firma im Hintergrund, damit man entsprechende Chancen bekommt und nutzen kann. Einen anderen Aspekt habe ich erst mit der Zeit schätzen gelernt: Heute haben Sie mich im Homeoffice erwischt. Das wäre früher nicht möglich gewesen. Da habe ich mein Zuhause oft nur von Samstagmorgen bis Sonntagabend gesehen, weil ich unterwegs zum Kunden war.

Reisefreudigkeit ist demnach eine Grundvoraussetzung für den Job als Berater oder Projektleiter bei T-Systems?

Ja. Man sollte es gerne abwechslungsreich haben und flexibel sein. Denn heute ist man beim einen Kunden, morgen beim anderen. Dadurch sieht man natürlich ständig andere Länder, andere Städte, andere Gesichter – das fand ich immer wieder interessant.

Und wie sieht es mit dem Informatik-Background aus? Ist der Pflicht?

Jein. Viele meiner Kollegen haben ein wirtschaftswissenschaftliches Studium und ich habe auch mal mit einem Projektleiter intensiv zusammengearbeitet, der Religionswissenschaften studiert hatte und trotzdem einen hervorragenden Job gemacht hat. Letztlich kann ich nur sagen: Ein Studium kann einem nur die Denke, die Sprache, einige Techniken und so weiter vermitteln und eine Tür öffnen. Durch diese Tür durchgehen muss jeder selbst.

Mein Tipp an alle Studenten: Konzentriert euch auf eure Stärken. Wenn man weiß, worin man selbst besser ist als andere, dann ist man schon auf einem guten Weg. Meine Stärke war es beispielsweise, dass ich nie aufgegeben habe. Ich erinnere mich an eine Zeit im Studium, da wollte ich mich gerade voll und ganz auf meine Abschlussprüfungen konzentrieren – und dann wurde meine Frau schwanger, ich musste ganz anders planen und schon hatte sich mein Studium wieder in die Länge gezogen. Trotzdem habe ich weitergemacht und mich durchgekämpft. Manche meiner Kollegen können hingegen sehr gut überzeugen und Leute mitreißen. Wieder andere sind geborene Organisationstalente. Da steht auch mir immer wieder der Mund offen, wenn ich das miterlebe, und wenn ich sehe, welchen Weg ich selbst noch zu gehen habe. Aber so entwickelt man sich weiter, jeden Tag. Und das ist das Tolle. 

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