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Schlaue Traktoren und vernetzte Fahrräder

Andreas Bergner verantwortet bei T-Systems Industrie-4.0-Projekte [Quelle: Deutsche Telekom]

Quelle: Deutsche Telekom

Sprechende Maschinen gibt es nur in Science-Fiction-Filmen – und bei der Deutschen Telekom. Andreas Bergner, Senior Sales Consultant bei T-Systems, erklärt im Interview, welche Industrie-4.0-Lösungen sein Unternehmen tatsächlich schon bietet und warum Mähdrescher den Wetterbericht kennen sollten.

Was bietet die Deutsche Telekom im Feld der Industrie 4.0?

Unser Angebot reicht von sehr standardisierten Paketen bis hin zu ganz individuellen Lösungen. Für kleine Betriebe und den Mittelstand haben wir zum Beispiel ein skalierendes Komplettpaket aus Hardware, SIM-Karten mit Datentarif und Zugang zu unserer Plattform "Cloud der Dinge" entwickelt. Damit kann man Maschinen vernetzen und aus der Ferne warten. Ein Nähmaschinenhersteller in Bielefeld nutzt dieses System zum Beispiel, um seine Industrie-Nähmaschinen im Werk in Bangladesch zu überwachen.

Und was ist Ihre Aufgabe dabei?

Meine Aufgabe ist es, innovative neue Projekte und neue Geschäftsfelder zu identifizieren und dem Kunden bei seinen Aktivitäten auf dem Weg in das digitale Zeitalter zu begleiten. Als Sales Consultant bin ich außerdem die Schnittstelle zwischen dem Kunden und dem Projektteam, das für den Kunden ein Geschäftsmodell entwickelt und dieses dann praktisch umsetzt. Ich nehme also die Anforderungen des Kunden auf und diskutiere sie mit unserer Delivery-Abteilung. Da geht es dann zum Beispiel darum, welche Ziele und Erwartungen der Kunde hat, wie man das mit unserer Plattform abbilden kann und wie der Support von unserer Seite aussehen kann. Außerdem müssen wir natürlich wissen, wie viel Zeit und Geld wir brauchen und wie hoch unser Aufwand sein wird. Das ist natürlich vom Produkt und dem Ziel des Industrie 4.0-Projekts abhängig – das kann eine Nähmaschine ebenso sein wie ein Dampferzeuger, eine Lokomotive oder ein Mähdrescher. Je nachdem, welches Gerät der Kunde anbinden möchte und welche Erwartungen er hat, kommen wir zu einem anderen Geschäfts- und Preismodell. Das gilt es dann, mit dem Kunden aufzuarbeiten und zu bewerten.

Können Sie uns ein Industrie-4.0-Projekt genauer vorstellen?

Lassen Sie mich das anhand des Projekts "Farming 4.0" erläutern, das wir zusammen mit einem Hersteller von Traktoren, Mähdreschern und anderen Landmaschinen umgesetzt haben. Auf der Hannover Messe 2013 wurde damals das erste Industrie 4.0 Projekt initiiert. Ein Mähdrescher kann unter idealen Bedingungen bis zu 80 Tonnen pro Stunde abernten. In der Praxis werden diese Werte von den Landwirten bei weitem nicht erreicht. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Zudem sind Zufahrtswege, Sichtverhältnisse, Bodenbeschaffenheit, Geländeformationen auf jedem Ackerschlag anders und das macht Vergleiche über die Effizienz schwierig.  Im Rahmen von "Farming 4.0" haben wir den Transportprozess untersucht und dabei festgestellt, dass die Logistik beim Abtransport mit dem Einsatz von IT verbessert werden könnte.

Da kamen wir ins Spiel. Wir hatten Erfahrungen mit dem Einsatz von herstellerübergreifenden Fahrzeugflotten. Unser Beitrag war es diese Erfahrungen im Erntebereich einzubringen und den Mähdrescher mit dem Überladefahrzeug zu vernetzen, so dass die Maschinen über unsere Plattform Informationen austauschen können. So weiß der Überladefahrer genau, welchen Mähdrescher er als erstes entladen muss, damit der weiter produzieren kann und der Landwirt bzw. Betriebsleiter hat alle Informationen über sämtliche Erntefahrzeuge und Ackerschläge auf einen Blick. Vorsichtigen Schätzungen der Landwirte zu folge lassen sich damit Effizienzsteigerungen von 10 bis 15 Prozent erzielen.  Die Überladefahrer waren anfangs skeptisch, am Ende des Projektes haben sie einhellig bescheinigt, dass die Kommunikation wesentlich transparenter geworden ist.

Bei der Vorbereitung für unser Interview habe ich einige Artikel über "Farming 4.0" gelesen. Da war auch die Rede davon, dass der Mähdrescher sich dem Wetterbericht anpasst und entsprechend produziert?

Naja, das ist noch ein bisschen Zukunftsmusik. Wir hätten natürlich die Möglichkeit, über unsere Plattform auch Wetterinformationen einzuspeisen und diese dann dem Fahrer zur Verfügung zu stellen. Wenn Korn nicht trocken genug ist, kann man es nicht sofort dreschen, sondern muss es noch einmal nachtrocknen. Deshalb ist es wesentlich einfacher, bei richtiger Wetterlage so viel wie möglich abzuernten. Wenn es nun punktuelle Regenwolken gibt, dann wäre es wichtig zu wissen, wo diese genau niedergehen werden, damit ich das entsprechend zuerst abernten kann. Das macht vielleicht nur ein, fünf bis zehn Minuten Unterschied aus, aber mit mehreren großen Mähdreschern schafft man ja auch zwei, drei Hektar in der Zeit. Diese Idee der "Wettervorhersage-App" wurde bei dem Farming 4.0-Projekt noch nicht realisiert.  

Im diesem Fall kam der Hersteller mit einem konkreten Problem auf Sie zu. Läuft das immer so?

Bei "Connected Bike", also dem vernetzten Fahrrad, war es anders. Damals hat die Firma Canyon zu uns gesagt: "Wir wollen einen neuen Prototyp herausbringen – was könnte man da mit eurer Technik noch alles außenrum machen?" Wir haben vorgeschlagen, das Fahrrad mit einer sogenannten On-Board-Unit (der OBU) auszustatten. Die OBU besteht aus einem kleinen Funkmodem, einem Prozessor sowie weiteren Elementen und bietet die Möglichkeit Sensorwerte oder Fehlermeldungen zu erfassen und an eine Plattform zur Datenanalyse zu übertragen. Somit könnte man immer sehen, wie der Zustand des Fahrrads ist, ob es gerade einen Unfall hatte oder es im Fall eines Diebstahls orten.

Dieses Konzept haben wir auf der EuroBike 2014 vorgestellt und kamen so in Kontakt mit der Firma Brose, die unter anderem Motoren für Elektrofahrräder baut. Die fanden unsere Technologie sehr spannend, weil bei Elektrofahrrädern gelegentlich Software im Rahmen der Produktpflege der Antriebskonzepte aktualisiert werden muss. Ein automatisierter Software-Update über ein Mobilfunknetz ist einfacher und sicherer, als eine manuelle Rückrufaktion über den Händler. Über unsere OBU kann der Hersteller sich nun auf den Motor aufschalten und eine Einzeldiagnose machen oder eine Fernwartung durchführen. Und für den Fahrer hat es auch noch einen Vorteil: Er sieht auch auf dem Smartphone, wie der Ladezustand seines Akkus ist.

Gab es denn auch schon Kunden, deren Ideen Sie nicht realisieren konnten?

Natürlich gibt es immer wieder Anfragen, die ich ablehen muss – etwa weil die Kosten nicht in Relation zum Nutzen stehen oder die Physik uns Grenzen setzt. Technisch schwierig zu lösen war zum Beispiel ein Projekt aus dem Feld "Vernetzte Baustelle". Da wollte ein Kunde seine Geräte – Rüttelplatten, Asphaltschneider, Trennschleifer und so weiter – mit einem Tracker ausstatten, der mitteilt, wann das Gerät in Betrieb ist und wann nicht. Das bekommt man mit einem Beschleunigungssensor und einem Funkmodul relativ einfach hin. Wenn der Kunde pro Gerät nur ein geringes Budget für die Elektronik zur Verfügung hat, dann wird das schon schwieriger. Denn die Hardware auf einer Baustelle muss extrem robust sein und dazu kommen dann noch Kosten für die Plattform und die Mobilfunk-Gebühren.

Ähnlich komplex sind Anfragen zur Verfolgung von Transportbehältern, beispielsweise Gitterboxen, Transportkisten oder Paletten und Container in offenen logistischen Kreisläufen. Die Transportbehälter sind mit einen Tracker versehen und können während des Transports lückenlos überwacht werden. Es gibt immer wieder Beispiele, dass die Transportbehälter verloren gehen oder von Kunden bzw. deren Mitarbeitern zweckentfremdet werden. Dieser Schwund könnte mit dem Tracking reduziert werden. Hier liegen die Herausforderungen allerdings weniger in der technischen Machbarkeit sondern vielmehr in der Fragestellung, ob der potentielle Nutzen die Aufwände in die nötige Trackinginfrastruktur und operative Themen, wie beispielweise das Aufladen der Batterien der Trackingmodule rechtfertigt. Wenn der Gesamtpreis für das Tracking den Preis der Boxen übersteigt könnte es kostengünstiger sein, etwas „Schwund“ mit einzukalkulieren, als die Boxen inklusive Trackingmodul zu produzieren und eine Infrastruktur zu betreiben.

Welche Kenntnisse braucht man denn für einen Einstieg bei Ihnen?

Die T-Systems beziehungsweise Deutsche Telekom ist ein sehr vielfältiges Unternehmen. Wenn jemand gerne programmiert und einen Hang zur Elektronikentwicklung hat, dann wäre der bei einem Projekt wie Connected Bike und Vernetzte Baustelle genau richtig. Für jemandem mit kaufmännischen und technischen Kenntnissen haben wir viele Aufgaben im Vertrieb. Da geht es denn beispielsweise darum, Businesspläne zu schreiben, Wettbewerbsanalysen zu machen oder Marketing-Aktionen mitzugestalten. Wir arbeiten auch sehr viel mit Studenten zusammen, etwa am T-Systems Innovation Center in München oder den Telekom Laboratories in Berlin. Dort entwickeln wir zum Beispiel Prototypen für Wearables – also Brillen, Handschuhe oder Uhren, die mit Elektronik ausgestattet sind. Diese kann man zum Beispiel einsetzen, um Mitarbeiter besser zu schützen, wenn sie sich in Gefahrenzonen aufhalten oder dazu nutzen, die Arbeit in Produktionsprozessen zu vereinfachen.

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