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Wie sieht die Fabrik der Zukunft aus?

Digital Digitalisierung Digital City Zukunft Industrie 4.0 Internet der Dinge [© Andrea Danti - Fotolia.com]

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Welche Auswirkungen haben das Internet der Dinge, Big Data und Industrie 4.0 auf die Automobilproduktion der Zukunft? Dieser Frage widmet sich Detecon in der Studie "Future Production 2020". Ko-Autor Nhut Ajat Hong stellt die Ergebnisse vor und erklärt, warum Technologieaffinität allein keinen guten Berater ausmacht.

Was war Anlass der Studie "Future Production 2020"?

Wir führen viele Beratungsprojekte im Produktionsumfeld durch, vor allem bei Fahrzeugherstellern (OEMs) und Automobilzulieferern. Digitalisierung und Industrie 4.0 sind hier ein wichtiges Thema. So kam immer wieder die Frage: "Als Beratung sehen Sie doch verschiedene Produktionsfirmen. Was ist Ihr Eindruck? Wo wird es hingehen?" Diese Frage ist nur zu verständlich: Aktuell existieren so viele verschiedene Digitaltrends, Innovationen und neue Technologien, dass den Unternehmen kaum klar ist, wo genau sie starten sollten – gerade in strategischer Hinsicht. Das Interesse an einer neutralen, fachlich fundierten Meinung war also sehr groß.

Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Unser Ziel war es, zu skizzieren, was in vier bis fünf Jahren in den einzelnen Produktionsabschnitten einer Fabrik möglich sein wird. Wir haben den Zeitraum bewusst so kurz gewählt und nicht hochskaliert auf 2030, wie es einige Organisationen oder Unternehmen gemacht haben. Wir wollten einen realistischen Überblick geben, worauf sich Unternehmen einstellen und wo sie schon heute aufrüsten sollten. In der Studie haben wir uns die verschiedenen Markttechnologien angeschaut und uns gefragt, wo diese bei einem klassischen OEM-Produzenten in welcher Form sinnvoll und nutzenstiftend zum Einsatz kommen könnten. Wir haben nacheinander alle Gewerke beleuchtet, von der technischen Entwicklung über den Werkzeugbau und die Logistik bis hin zur Montage und dem Customer Relationship Management. Darauf aufbauend haben wir über 120 Anwendungsfälle konstruiert, die man sich auf unserer Website detecon-futureproduction.com genauer anschauen kann.

Können Sie anhand eines Gewerks beschreiben, wie die Fabrik der Zukunft aussehen könnte?

Oft besteht noch ein gewisser Bruch zwischen der technischen Entwicklung und der Produktion. Die technische Entwicklung weiß nicht, wie sie Neu-Fahrzeuge konstruieren muss, damit man sie auf den bestehenden Produktionsanlagen in effizienter Weise bauen kann. Stattdessen werden einfach die kompletten Produktionsanlagen ausgetauscht, wenn eine neue Fahrzeugserie produziert wird. In der Smart Factory sind die beiden Bereiche viel stärker miteinander vernetzt. Die Technische Entwicklung kann zum Beispiel auf einen digitalen Zwilling der Produktionsanlagen zugreifen und hieran Szenarien proben, die mit bestehenden Anlagen umsetzbar sind. Dies verkürzt Anlaufzeiten und bringt eine höhere Geschwindigkeit in die Time-to-Market-Zyklen.

Aber es geht noch weiter: Wir glauben, dass sich die Grenzen zwischen den Gewerken langfristig komplett auflösen. Zusätzlich werden auch die Grenzen nach außen verschwimmen. Der Kunde wird stärker in die Fabrik hereingeholt und kann live die Produktion seines Fahrzeugs mitverfolgen – und vielleicht sogar noch an mancher Stelle in den Prozess eingreifen. Etwa nachträglich doch noch ein Navigationssystem einbauen. Die OEMs binden so ihre Kunden und verbessern die Customer Experience.

Ist das alles noch Zukunftsmusik?

Viele Unternehmen halten sich noch zurück, weil sie Sicherheitsbedenken haben. Je mehr Maschinen über das Internet miteinander kommunizieren, desto größer ist natürlich die Gefahr von Cyberkriminalität. Doch auch solche Unternehmen können jetzt schon Grundlagen schaffen, um Smart Factories in Zukunft zu realisieren. Dazu gehören etwa eine Bestandsaufnahme der bisherigen IT-Systeme und eine gründliche Analyse von Security-Aspekten.

Außerdem gilt es, einheitliche Semantiken zu schaffen, damit später Mensch und Roboter oder ein Produkt mit einer Produktionsanlage kommunizieren können. Und last but not least braucht es einen einheitlichen Anforderungs- und Portfoliomanagementprozess, um die verschiedenen Unternehmensteile zu koordinieren. Bislang bewegen wir uns noch auf einer Spielwiese, auf der viel ausprobiert wird. Die Smart Factory verlangt aber nach Standardisierungen und einer Steuerinstanz, die die Digitalisierung über die unternehmensinternen Barrieren hinweg koordiniert. Viele Unternehmen stocken deshalb bei Governance, Produkt- und Anforderungsmanagement auf.

Nehmen wir an, ein Kunde hat die Studie gelesen und kommt nun mit dem Wunsch auf Sie zu, die "Future Production" in seinem Unternehmen umzusetzen. Wie gehen Sie dann weiter vor?

Unser Ansatz gliedert sich in vier Stufen: Die erste Stufe ist die Discovery-Phase, in der wir identifizieren, welche Trends und Innovationen überhaupt relevant sind. In der zweiten Phase legen wir dann die Digitalisierungsstrategie des Unternehmens fest. Wo will es hin? Es ist wichtig, dass sich die Akteure auf ein Zielbild einigen können. In der dritten Phase startet die Planung: Wir nutzen einen architekturbasierten Ansatz (Capability-based Planning), der das Zielbild auf das heutige Unternehmen herunterbricht und Stellschrauben für Anpassungen identifiziert. Dazu zerlegen wir die Organisation gewissermaßen in modulare Legobausteine und überlegen pro Modul, welche Schritte nötig sind, um die Strategie umzusetzen. Welche Mitarbeiter muss das Unternehmen umschulen oder anheuern? Welche Technologien sind zu integrieren? Welche IT-Systeme sind wiederverwendbar? Nach dieser Umbauplanung gehen wir dann ins klassische Transformationsgeschäft über.

Welche Eigenschaften muss ich denn mitbringen, wenn ich Berater für Digitalisierungs- und Industrie-4.0.-Projekte werden will?

Absolventen müssen schon ein gewisses Technologieverständnis haben. Wirtschaftsingenieure oder -informatiker haben sicher einen Vorteil, weil sie einerseits die betrieblichen Themen kennen, aber auch das nötige technische Know-how mitbringen. Als Berater ist man gewissermaßen der Mediator zwischen verschiedenen Fachbereichen und sollte deren Sprache beherrschen. Man braucht auch Abstraktionsvermögen und einen strategischen Weitblick, um Klienten bei ihren Digitalisierungsvorhaben beraten zu können, ohne sich im digitalen Dschungel zu verlieren.

Betonen möchte ich noch, dass unsere digitalen Zukunftsszenarien nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Mitarbeiter entlasten oder in ihrer Arbeit unterstützen. Um Akzeptanz für die Projekte zu schaffen, geht also auch immer darum, den Mehrwert für möglichst viele, beteiligte Parteien aufzuzeigen.

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