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Private Equity ist zu einer Art Zauberwort geworden. Es steht als Oberbegriff für den gesamten Markt der privaten Finanzierung von Unternehmen und damit als Gegenstück zum risikoreicheren Aktienmarkt.

Seit langem gilt Clifford Chance in Deutschland als Vorreiter und Pionier der Private Equity, was der Kanzlei auch schon mehrere Titel eingebracht hat. Der Head of German Private Equity Practice und ein Associate im Interview.

Große Transaktionen, anspruchsvolle Kunden

Seit den neunziger Jahren haben sich in Deutschland Private Equity-Gesellschaften etabliert. Nach der Übernahme eines Unternehmens oder von Teilen davon bauen sie das Unternehmen um, um es mit Gewinn weiter zu verkaufen. Investmentbanken sind ebenso beteiligt wie Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und PR-Berater. Die Kunden, die viel Geld in Unternehmen investieren, sind nicht nur reich, sondern gelten auch als sehr anspruchsvoll.

Private Equity Kanzlei des Jahres

Clifford Chance ist eine der wenigen Kanzleien, die die Private Equity-Branche in Europa bereits seit mehreren Jahrzehnten betreut. Die Wurzeln der Private Equity-Praxis bei Clifford Chance gehen zurück bis in die achtziger Jahre. In Deutschland hat die Sozietät bereits Anfang der neunziger Jahre Private Equity-Transaktionen begleitet. Die Private Equity-Beratung ist eine der anerkannten Stärken von Clifford Chance. So war Clifford Chance zweimal in den letzten vier Jahren "Juve Private Equity Kanzlei des Jahres".

Was macht für Sie die Faszination Private Equity aus?

Private Equity macht einfach Spaß. Private Equity-Mandanten sind professionell, dynamisch und sehr ergebnisorientiert. Ihre Anforderungen sind sehr hoch: juristische Präzision, kaufmännischer Verstand, Industrie- und Marktwissen erwarten sie ebenso wie die Bereitschaft, bei Transaktionen hart zu arbeiten. Auch volkswirtschaftlich ist Private Equity faszinierend. Langjährige Studien in England und den USA haben nachgewiesen, dass das Arbeitsplatzwachstum bei von Private Equity-Fonds gehaltenen Unternehmen schneller ist als bei anderen Unternehmen.

Die Investoren in Private Equity-Fonds sind in der Regel Pensionskassen oder Ähnliches. Das wiederum bietet einem breiten privaten Publikum die Möglichkeit, an den Geschäftschancen und dem Wachstum eines Unternehmens teilzuhaben. Die Private Equity-Häuser fordern die Management-Teams ihrer Beteiligungsunternehmen auf, ihr Bestes zu geben, und stellen dafür das notwendige Kapital und ihre Unterstützung zur Verfügung. Die Art wie Energie und Kraft in kürzester Zeit freigesetzt werden kann, ist beeindruckend. Die zunehmende Transparenz im Markt wird auch von anderen Unternehmen fordern, ihre Geschäftspraktiken und Gewohnheiten zu ändern, um mit den Private Equity-Wettbewerbern mitzuhalten. Daher sehe ich die Branche als "Change Agent".

Welche Erwartungen haben Ihre Mandanten?

Die Private Equity-Mandanten sind anspruchsvoll. Sie bestehen in der Regel aus kleineren Teams. Unabhängig von der Größe des Projekts arbeiten üblicherweise maximal drei bis fünf Personen auf Seiten des Mandanten an einem Projekt. Unsere Mandanten verlassen sich sehr auf unsere Beratungsleistung. Ihre Erwartungen sind dementsprechend hoch. Das betrifft nicht nur die juristische Qualität, sondern auch die Schnelligkeit beim Mitdenken und die Fähigkeit, juristischen Rat verständlich und pragmatisch für einen Nichtjuristen in einen Transaktions- kontext zu verpacken und zu vermitteln. Im Ergebnis wollen unsere Mandanten keine juristische Analyse, sondern eine juristisch fundierte Handlungsempfehlung. Darüber hinaus ist Private Equity in Deutschland noch eine junge Branche mit viel Zukunftspotenzial. Der besondere Reiz liegt darin, dass man sich hier als junger Anwalt schnell einbringen kann.

Wie kann man sich den Ablauf eines Private Equity-Deals vorstellen?

Ein Beispiel für das Vertrauen, das unsere Mandanten in uns setzen, findet man im Erwerb der BASF Drucksysteme und ANI Printing Inks durch die CVC Fonds. Als wir mandatiert wurden, planten unsere Mandanten zwei gleichzeitige Unternehmens- käufe – einen in Deutschland von der BASF AG und einen in Holland von einem anderen Private Equity- Fonds. Sie wollten die beiden Target-Unternehmen zusammenlegen und mit einer "buy and build"-Strategie zu einem Weltklasseunternehmen im Druckfarbensysteme-Bereich entwickeln. Dabei fragte mich ein Mandant: "Verstehst du deine Rolle?" Ich antwortete: "Ich denke schon – du willst, dass ich den Dirigenten spiele und dafür sorge, dass alles am Stichtag so vorbereitet ist, dass die beiden M&A-Transaktionen, die Finanzierung und die Managementbeteiligung am gleichen Tag glatt über die Bühne gehen." Seine Antwort: "Richtig!"
 
Zweieinhalb Monate später wurde das letzte Dokument in Holland beurkundet – knapp vor der Deadline. Kurz vor Mitternacht konnte ich unseren Mandanten anrufen mit der Botschaft: "Mission accomplished!" Seitdem ist das Target-Unternehmen zu einem unserer regelmäßigen Mandanten geworden und hat sich auch durch Zukäufe in den USA und in Asien weiter entwickelt. Es zählt jetzt zu den Marktführern in seiner Branche.

Welche Charaktereigenschaften gehören zu einem guten Private Equity-Anwalt?

Ein Private Equity-Anwalt muss juristisch auf höchstem Niveau arbeiten. Das gilt nicht nur für die Kernbereiche Gesellschafts- und Vertragsrecht. Ein Private Equity-Anwalt muss auch ein breites Wissen und ein gutes Judiz, also juristische Urteilskraft, besitzen. Das ist wichtig in Vertragsverhandlungen, während der Due Diligence, bei der Finanzierung oder Strukturierung wie auch bei Themen aus den Bereichen Arbeitsrecht, Umweltrecht, Bank-, Finanz- und Kapitalmarktrecht, Steuerrecht oder Handelsrecht. Denn dann kann man rechtzeitig die richtigen Fachkollegen einschalten. Darüber hinaus muss man die wirtschaftlichen und kaufmännischen Hintergründe und die Mentalität der Banken und Kapitalmärkte verstehen.
 
Auch ein gutes Gespür für die an Transaktionen beteiligten Menschen und ihre verschiedenen Interessen gehört dazu. Die Transaktionsteams sind typischerweise relativ klein, Entscheidungen werden kurzfristig und unbürokratisch gefällt und die Arbeitsbelastung ist hoch. Das führt dazu, dass man nicht nur mit den Fachmaterialien, sondern auch mit allen Akteuren in der Transaktion sehr gekonnt um-gehen muss. Schließlich ist es auch hilfreich, wenn man selbst unter großem Stress seinen Humor bewahren kann.

Wie sehen Sie die Risiken des Private Equity-Geschäfts? Kritiker nennen es eine "Liquiditätsblase", die sich langfristig nicht halten wird?

Clifford Chance hat schon über 20 Jahre Erfahrung im Private Equity-Bereich. Daher kann ich sagen: Private Equity ist keine Modeerscheinung, auch nicht nur eine "Liquiditätsblase". Erfolg- lose Transaktionen gibt es natürlich auch, nicht umsonst heißt Private Equity auch "Wagniskapital". Jede Kaufentscheidung ist eine abgewägte Risikoentscheidung: Zahle ich den richtigen Preis zum richtigen Zeitpunkt für ein Unternehmen mit Potenzial, das ich freisetzen kann? Ich hoffe, dass Deutschland weiterhin den Mut und den Willen hat, dieses Potenzial zu nutzen und davon zu profitieren.

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