Partner von:

Auch als Frau: "Immer an die Nummer eins wenden"

Mentorinnen-Programm bei Clifford Chance (Autor: Sergey Nivens, Quelle: Fotolia)

© Sergey Nivens - Fotolia.com

Wie werde ich Kanzlei-Partnerin? Kann ich gleichzeitig Partnerin in der Großkanzlei und Mutter sein? Und welche Spielregeln sollte ich im Arbeitsalltag beachten? Fragen, für die Cristina Weidner von Clifford Chance eine gute Ansprechpartnerin hat: Ihre Mentorin Nicole Englisch.

Frau Englisch, Frau Weidner, wieso haben Sie sich entschieden, Mentorin und Mentee zu werden?

Weidner: Ich finde es gut, dass sich die Kanzlei zum Ziel gesetzt hat, junge Anwältinnen zu fördern, um mehr Frauen als Partnerinnen zu gewinnen. Ich bin sehr gerne Teil des Programms. Es ist nicht neu, dass sich Clifford Chance in der Frauenförderung engagiert, das hat sich die Kanzlei schon länger auf die Fahnen geschrieben - aber das Mentorinnen-Programm ist neu. Wir waren gleich im ersten Jahr dabei, sozusagen im Pilotprojekt.

Englisch: Ich fand es sehr interessant, die jungen Kolleginnen besser kennenzulernen. Ich bin schon länger Partnerin und arbeite an einem eher kleinen Standort. Für mich war es spannend, schnell Zugang zu unseren High Potentials aus anderen Bereichen und von anderen Standorten zu bekommen.

Vielbeschäftigte Kanzleipartnerin und Mentorin - wie schaffen Sie das?

Englisch: Ich arbeite Teilzeit, das heißt 65 Prozent, und habe zwei kleine Kinder im Alter von vier und acht Jahren. Das Mentorinnen-Programm ist relativ locker gestaltet - wir treffen uns so alle drei bis vier Monate, darüber hinaus telefonieren wir.

Wie sieht ihre Mentorinnen-Mentee-Beziehung in der Praxis aus?

Englisch: Unsere Treffen waren meist spontan. Wir haben uns in Frankfurt bei Cristina getroffen, wenn ich dort auf Dienstreise war. Wir haben zusammen gegessen oder uns auf einen Drink getroffen und am Ende immer festgestellt, dass das Treffen zu kurz war für alles, was wir gerne besprechen wollten.

Weidner: Wir kamen gerade ins Plaudern, und dann war die Zeit schon wieder rum. In Zukunft werden wir uns öfter treffen und regelmäßiger austauschen.

Frau Weidner, was haben Sie von Ihrer Mentorin gelernt?

Weidner: Für mich war interessant, wie Nicole Partnerin geworden ist. Sie hat mir ein paar Tipps gegeben, wie man in den Prozess hineinkommt und wie man von außen Unterstützung erhält. Und auch das Thema Familie und Job fand ich spannend.

Englisch:Ich habe Cristina beschrieben, wie man Partner wird und ihr Tipps gegeben, wie man sich dafür gut aufstellt. Wir haben auch Dos und Don'ts im Partnerwerdungsprozess besprochen. Es ist wichtig, sich bekannt zu machen und mit vielen Leuten zu arbeiten. Die Kolleginnen sollten ihre bestehenden Kontakte noch besser nutzen und neue Kontakte zu potenziellen Unterstützern auch im internationalen Umfeld aufbauen.

Wenn der Aufstieg zum Partner dann ansteht, kann man auf diese Kontakte zurückgreifen. Was man nicht tun sollte: Nur für einen Partner arbeiten mit Scheuklappen im stillen Kämmerlein. Manche Frauen sind nicht gut darin, sich zu vermarkten - deswegen sollten sie über ihren eigenen Schatten springen und das lernen.

Weidner: Die Spielregeln sind ja durchaus bekannt, dennoch fand ich es sehr nett, einen zusätzlichen Sparringspartner für diese Themen zu haben. Das Mentorinnen-Programm wird auch von einem Führungsseminar für Frauen umrandet. Ein Thema dort sind die Unterschiede in der männlichen und weiblichen Kommunikation. In diesem Seminar wird anhand vieler Beispiele aus dem Arbeitsalltag verdeutlicht, wie sich die Unterschiede männlicher und weiblicher Kommunikation auf die Aufstiegschancen auswirken können. Man kennt die Unterschiede in der genderspezifischen Kommunikation, dennoch war es sehr interessant, sich diese noch einmal bewusst zu machen.

Englisch: Diesen Kurs haben wir Partnerinnen auch besucht. Das Wichtigste ist, dass man sich vergegenwärtigt, wie man wirkt. Eine "Lektion" habe ich noch besonders in Erinnerung: "Immer zur Nummer Eins". Frauen tendieren dazu, im Netzwerk zu sprechen, immer mit allen - alles andere finden sie unhöflich. Wer aber effizient sein will, der muss sich an die Nummer Eins wenden, also an denjenigen, der die Entscheidungen trifft.

Frau Englisch, haben Sie von Ihrer Mentee auch etwas gelernt?

Englisch: Ich habe gelernt, dass ein großes Interesse und große Wachheit bei den jungen Kolleginnen besteht. Und dass ich selbst durch einfache Dinge viel tun kann für die Nachwuchsförderung: Indem ich zum Beispiel einfach erzähle, wie es bei mir oder anderen Partnerinnen gelaufen ist, zeige ich Modelle auf.

Frau Weidner, wie war der Wechsel vom Studium ins Berufsleben? Was hat Sie überrascht?

Weidner: Ich bin schon 2005 als Rechtsanwältin zugelassen worden und somit schon ein paar Jahre dabei. Aber ich kann mich noch gut an meinen Berufseinstieg erinnern. Ich habe schon im Studium in Praktika und Studentenjobs Berufserfahrung in einer deutschen Großbank und bei verschiedenen Kanzleien gesammelt. Auch im Referendariat habe ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin in zwei verschiedenen Großkanzleien gearbeitet, weil ich mir das Arbeitsumfeld verschiedener Büros ansehen wollte, bevor ich mich für eine Großkanzlei entscheide. Ich habe mich bewusst für Clifford Chance entschieden: Ich wollte ein internationales Umfeld und spannende Mandate. Es gab für mich daher keine großen Überraschungen beim Wechsel ins Berufsleben.

Wie kam es zum Mentorinnen-Programm?

Englisch: Wir haben eine Umfrage unter den Associates gemacht. Diese hat ergeben: Im ersten Jahr will ungefähr die Hälfte der Frauen und der Männer später Partner werden. Wenn die Associates dann allerdings etwa im fünften Jahr in der Kanzlei sind, geht die Schere auseinander: 75 Prozent der Männer wollen Partner werden, also mehr als am Anfang, aber nur noch 25 Prozent der Frauen. Frauen haben vielleicht den Eindruck, dass sich Partnerinnendasein und Familie sehr schwer vereinbaren lasse. Das war einer der Gründe zu sagen: Wir müssen das Thema angehen. Wir möchten den Frauen zeigen, dass auch sie es schaffen können - deshalb haben wir das Mentorinnen-Programm gestartet. Es ist übrigens gewollt, dass Mentorin und Mentee nicht am gleichen Standort und im gleichen Bereich arbeiten - eben um den Kontakt untereinander und das Netzwerk zu fördern.

Gibt es unter den Juristinnen von Clifford ein Netzwerk? Veranstalten Sie gemeinsame Treffen?

Englisch: Wir haben kein institutionalisiertes Frauennetzwerk. Aber beim letzten Partnertreffen haben sich alle Frauen mal zusammengesetzt. Wir haben auch privat schon ein paar Initiativen gestartet, die Partnerinnen haben sich zum Beispiel zum Essen getroffen, das waren extrem nette Abende. Es gibt auch eine "Women's Interest Group", die Vorträge zu Frauenthemen organisiert und dazu auch Mandantinnen und Anwältinnen aus anderen Sozietäten einlädt.

Wie geht es mit dem Mentorinnen-Programm weiter?

Englisch: Wir treiben das Programm konsequent voran. Wir haben Einiges gelernt aus dem ersten Jahr. Mentees werden in Zukunft verstärkt auch von anderen Standorten aus betreut, um den Netzwerk-Aspekt zu verstärken. Eigentlich endet das Mentorinnen-Programm nach einem Jahr, aber Cristina und ich werden den Kontakt auf jeden Fall aufrechterhalten. Auch andere Teams haben das Feedback gegeben, dass ein Jahr zu kurz ist - deswegen denken die Organisatoren jetzt darüber nach, wie sie das anpassen können. Unser Ziel: Wir wollen in Zukunft ein bis zwei Frauen pro Jahr zu Partnerinnen machen.

nach oben
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren