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Wahlstation in Australien

Warnschild Känguru [Quelle: freeimages, Autor: pinguin85]

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Das 'case law' in der Praxis kennenlernen und sich in einem anderen Rechtssystem zurechtfinden – das konnte Anna in ihrer Wahlstation im Clifford-Chance-Büro in Perth. Sie arbeitete an einer Legal Due Diligence mit und erklärte ihren Kollegen das deutsche Rechtssystem.

Jetzt sind die drei Monate deiner Wahlstation in Perth schon vorbei. Wie war es?

Ich habe drei sehr interessante Monate in Perth verbracht. Perth ist seit Mai 2011 einer der beiden Standorte von Clifford Chance in Australien. Ich wollte meine Wahlstation im englischsprachigen, außereuropäischen Ausland absolvieren. Nach meiner Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Referendarin bei Clifford Chance in Düsseldorf fand ich es spannend, drei Monate in einem kleineren Büro zu verbringen, das noch nicht ganz so lange zu Clifford Chance gehört.

Während der drei Monate war ich mit vielseitigen Aufgaben betraut und die Arbeitsatmosphäre im Büro in Perth war toll. Ich hatte die Möglichkeit, verschiedene Tätigkeitsfelder kennenzulernen und beispielsweise eine Transaktion aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Die fachlichen Themen waren neu für mich und ich habe mit netten Kollegen zusammen gearbeitet. Zudem waren die Australier, die ich im Büro und privat kennengelernt habe, sehr kommunikativ und freundlich. So wurde ich beispielsweise direkt in der ersten Woche vom Managing Partner und seiner Frau zum Essen eingeladen.

Wo lagen die Schwerpunkte deiner Arbeit bei Clifford Chance?

Das Büro in Perth ist unter anderem in den Bereichen Litigation, Company & Transactions, Energy & Resources sowie Mergers & Acquisitions tätig. Ich habe im Corporate Team gearbeitet und war bei verschiedenen Transaktionen hauptsächlich mit dem Entwurf von "legal review reports" beschäftigt. Im Rahmen der Legal Due Diligence, also der Risikoprüfung beim Kauf, habe ich außerdem Verträge und andere Dokumente geprüft sowie anschließend eine Liste mit den wichtigsten Themen zusammengestellt, die wir im Team diskutiert und dann für den Mandanten ausformuliert haben. Auch Recherchen zu rechtlichen Fragesn gehörten zu meinen täglichen Aufgaben. In der Regel handelte es sich dabei um gesellschaftsrechtliche Probleme.

Zwischendurch hatte ich die Möglichkeit, mit dem Energy & Resources Team sowie dem Litigation Team zu arbeiten. Dadurch habe ich einen guten Überblick über die verschiedenen Arbeitsbereiche im Büro in Perth erhalten und viele Erfahrungen gesammelt.

War es schwierig, sich in einem neuen Rechtssystem zurecht zu finden?

Vor dem Beginn meiner Wahlstation habe ich versucht, meine Kenntnisse zum "common law system" und zum "case law" mit meinen Unterlagen von der Uni aufzufrischen. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass dies überhaupt nicht notwendig war.

Mir wurde die Zeit des "Einarbeitens" in das australische Rechtssystem leicht gemacht. Das lag einerseits daran, dass ich mir das Büro mit einem Kollegen geteilt habe, der als Senior Associate viel Erfahrung hatte und mir einiges gezeigt und erklärt hat. Außerdem wurde ich von Beginn an in die tägliche Arbeit eingebunden, wodurch ich am meisten und schnellsten lernen konnte – ganz getreu dem Motto meiner australischen Kollegen: "It‘s all about experience."

Zudem unterscheidet sich die Arbeitsweise trotz der unterschiedlichen Rechtssysteme nicht wesentlich von der, die ich aus Düsseldorf bereits kannte. Als Referendar unterstützt und recherchiert man viel – das ist problemlos auch in einem anderen Rechtssystem möglich: Man recherchiert die rechtliche Fragestellung und präsentiert das Ergebnis anschließend in einer E-Mail oder einem Memo. Auf den Arbeitsablauf hat das Rechtssystem in einem solchen Fall nur wenig Einfluss.

Wenn man das Arbeitsleben in Deutschland und Australien vergleicht, was waren die auffälligsten Unterschiede?

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass viel Wert auf einen Feierabend mit Familie, Freunden und Sport gelegt wird. An ruhigeren Tagen leeren sich die Büros bereits zwischen 18 und 19 Uhr, damit noch Zeit für ein Abendessen mit der Familie oder Joggen am Swan River bleibt. Der Begriff "Work-Life-Balance" hat in Australien eine große Bedeutung. Das bedeutet aber nicht, dass in Perth weniger gearbeitet wurde. Es kommt häufig vor, dass auch samstags oder sonntags die eine oder andere Stunde im Büro verbracht wird. Oder die Kollegen kamen unter der Woche morgens früher ins Büro.

Hast du auch etwas aus Düsseldorf vermisst?

In Düsseldorf war ich sowohl als wissenschaftliche Mitarbeiterin als auch als Referendarin im Arbeitsrecht tätig. Ich habe Spaß an den fachlichen Themen und die Arbeit mit den Kollegen ist toll - eine Kombination, die nicht selbstverständlich ist. Zudem habe ich in Düsseldorf über einen längeren Zeitraum gearbeitet und war daher stärker in die Mandatsarbeit eingebunden. Das ist während der relativ kurzen Wahlstation in dem Umfang nur begrenzt möglich.

Gab es ein Highlight, das dir in besonderer Erinnerung bleiben wird?

Bereits in meiner ersten Woche wurde der Datenraum für eine Legal Due Diligence geöffnet. Beraten wurde der potenzielle Käufer eines börsennotierten Unternehmens. In den ersten Tagen war ich daher direkt damit beschäftigt, Verträge zu lesen und zu überprüfen, die Themenliste zu erarbeiten und bei dem Entwurf des Legal Review Report zu helfen.

In der ersten Woche habe ich somit bereits viel über die Struktur und den Ablauf einer Transaktion gelernt. Das hat mir bei der darauffolgenden Arbeit sehr geholfen.

Neben diesem Highlight bleibt mir zudem das große Interesse der australischen Kollegen am deutschen Rechtssystem in Erinnerung. Ich habe einen Vortrag mit dem Titel "Overview of the German legal and judicial system" gehalten. In der anschließenden Diskussion war das Interesse groß. Auch in den darauffolgenden Tagen kamen Kollegen in der Mittagspause auf mich zu, um mehr über das deutsche Rechtssystem zu erfahren. Die Möglichkeit zu haben, ein fremdes Rechtssystem kennenzulernen, sich mit Kollegen auszutauschen und zu diskutieren, war auch toll.

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