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Führungsprogramm mit Zwischenstopp in China

Karriere in China, chinesische Lampen [Quelle: freeimages, Autor: satinflame]

Quelle: freeimages, satinflame

Worauf muss man eigentlich achten, wenn man mit chinesischen Kollegen zusammenarbeitet? Felipe Gómez Kempf arbeitete im Junior Managers Program einige Monate für Bosch Rexroth in Schanghai - und stellte fest, dass Meetings dort anders ablaufen als in Deutschland. Im Interview berichtet er außerdem, warum er das Junior Managers Program einem Direkteinstieg vorgezogen hat.

Eine Ihrer Stationen im Junior Managers Program war Schanghai - was haben Sie dort erlebt?

Viele sagen, Schanghai ist eher "China light", weil dort viele Ausländer leben - aber in vielen Aspekten ist die Stadt doch sehr chinesisch. Die Anpassung an die Arbeitsweise dort ist mir nicht ganz leicht gefallen. Es kann passieren, dass man aus Meetings kommt und nicht alle Teilnehmer das Gleiche verstanden haben. Dann gibt es Unklarheiten, wie etwas umgesetzt werden soll. Das mag zum einen an der Sprachbarriere liegen. Aber auch die Gedankengänge eines chinesischen Kollegen sind einfach anders als die eines deutschen.

Wenn chinesische Kollegen verschiedene Optionen durchdiskutieren, dann werden sie sich am Ende auch für eine der besprochenen Möglichkeiten entscheiden. In Deutschland haben solche Meetings eher einen offenen Ausgang, es kann am Ende auch eine Kombination werden aus Option A und B, oder eben doch eine ganz neue Option C. Außerdem herrscht in China ein großer Respekt vor Hierarchien. Man traut sich dort nicht, den direkten Vorgesetzten auf Probleme, Missstände oder Ressourcen-Engpässe anzusprechen. Solche Dinge kommen nur heraus, wenn der Chef direkt nachfragt. Keiner möchte das Gesicht verlieren, auch in der Arbeitswelt nicht. Deswegen muss man sehr aufpassen, wenn man kritische Zustände anspricht und wie man sie anspricht.

Wie macht man das am besten?

Am ehesten konnte ich das durch Nachfragen lösen: "Was hältst du von meiner Idee?" Dann steht der andere als Entscheider da, aber ich kann trotzdem noch einen gewissen Einfluss nehmen. Auf direkte Kritik haben meine Kollegen in China eher sensibel reagiert - auch wenn das in Deutschland als ganz normale sachliche Auseinandersetzung verstanden worden wäre.

Wie haben Sie sich auf Ihren Aufenthalt in China vorbereitet?

Es gibt die Möglichkeit, vorab ein interkulturelles Training zu machen - leider hat bei mir dafür die Zeit gefehlt. Ich habe aber zur Vorbereitung einen Sprachkurs absolviert, zuerst noch in Deutschland und dann auch in Schanghai. Und mein Sprachlehrer vor Ort gab mir auch kulturelle Tipps.

Wie gut konnten Sie sich auf Chinesisch verständigen?

Gegen Ende meiner Zeit in Schanghai war mein Chinesisch so gut, dass ich im täglichen Leben damit zurecht kam, ich konnte zum Beispiel unter anderem ein Taxi rufen und im Restaurant bestellen.

Welche Aufgaben hatten Sie bei Ihrer Station in Schanghai?

Ich habe meinen Schwerpunkt im Junior Managers Program auf den technischen Vertrieb gelegt. In Schanghai habe ich im Vertrieb von Komponenten und Systemen für Werkzeugmaschinen gearbeitet, meine Kunden waren chinesische Werkzeugmaschinenbauer. Bei Kundenbesuchen haben mich immer chinesischen Kollegen begleitetet, die mir geholfen und für mich übersetzt haben. Mein Vorteil war, dass ich einige Produkte schon aus Deutschland kannte, die in China gerade erst auf den Markt kamen. So konnte ich mein Expertenwissen im Verkauf unserer Produkte an chinesische Kunden nutzen. Außerdem habe ich Markt- und Kundenanalysen erstellt.

An welchen Projekten haben Sie sonst schon mitgearbeitet?

In einer Station hatte ich Einkaufs- und Controlling-Aufgaben und habe außerdem dabei mitgeholfen, neue Applikationen zu entwickeln. Denn viele Kunden brauchen nicht die Standard-Produkte, sondern speziell angefertigte Lösungen. Außerdem habe ich an einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt mitgearbeitet, bei dem wir die Werkzeugmaschinen energieeffizienter gestaltet haben. Dabei haben wir mit der RWTH Aachen und der Uni Hannover zusammengearbeitet. Ich war als Experte im Forschungsinstitut vor Ort und habe beim energieeffizienten Umbau der Werkzeugmaschinen mitgeholfen.

Was hat Ihnen bisher im Programm besonders gut gefallen?

Am besten hat mir gefallen, dass man in kurzer Zeit verschiedene Erfahrungen sammeln und sich ein sehr gutes Netzwerk aufbauen kann. Die zwei Jahre haben mich sehr gut auf meine Planstelle, so nennt man die erste Aufgabe nach dem Trainee-Programm, vorbereitet. Seit Anfang des Jahres bin ich als Gruppenleiter in einem unserer Vertriebsregionalzentren tätig. Was ich außerdem super an dem Programm fand: Zu Beginn geht man zwei Wochen als Aushilfe in ein Werk. Es ist wirklich ein Highlight, wenn man mithilft, unsere Produkte zu bauen und zu verpacken. In meinem Fall waren das Trommelmuldenfilter, das ist ein Teil einer Kühlschmiertechnik-Anlage für Werkzeugmaschinen.

Wieso haben Sie das Junior Managers Program statt eines Direkteinstiegs gewählt?

Ich habe mich für das Programm entschieden, weil es so individuell gestaltet werden kann. Das Junior Managers Programm hat bei Bosch Rexroth einen hohen Stellenwert, es bereitet den Führungsnachwuchs vor und wird sowohl an die Fähigkeiten des Teilnehmers als auch an die Bedürfnisse des Unternehmens angepasst. Ich habe einen unbefristeten Vertrag und meine Promotion und Berufserfahrung schlagen sich auch im Gehalt nieder. Ich lerne verschiedene Standorte kennen, habe ein Extrabudget für Weiterbildungen und werde von einem Mentor unterstützt, mit dem ich mich regelmäßig treffe. Das, was Bosch Rexroth uns da bietet, ist woanders kaum zu finden.

Sie haben eine kleine Tochter – wie schaffen Sie es, Trainee-Programm und Familie unter einen Hut zu bringen?

Meine Tochter kam auf die Welt, kurz nachdem ich das Programm begonnen hatte. Eigentlich hat das ganz gut gepasst, denn meine Frau arbeitet deswegen momentan nicht und konnte mich so an einige Einsatzorte begleiten - in Schanghai waren beide auch dabei. Wir haben aber dennoch unseren Hauptwohnsitz in Kaiserslautern behalten, damit wir uns nicht dauernd ummelden müssen und zum Beispiel einfacher das Kindergeld beantragen können. Während der Stationen in Deutschland bin ich am Wochenende immer nach Hause gefahren, wenn meine Frau und meine Tochter nicht mit umgezogen waren. Bosch Rexroth unterstützt mich dabei, Arbeit und Familie zu vereinbaren. Ich bekomme zum Beispiel einen Zuschuss zu den doppelten Miet- und Fahrtkosten.

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