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Controlling auf Gandhis Spuren

Controlling bei Bosch Rexroth in Indien (Quelle: freeimages, subhadipin)

Quelle: freeimages.com, subhadipin

Indien kennen viele eher als Urlaubsort - wie ist es, dort zu leben und zu arbeiten?

Ich arbeite für Bosch Rexroth in Ahmedabad. Das liegt im Bundesstaat Gujarat, in dem auch Gandhi geboren wurde. Alkohol zum Beispiel ist hier verboten, generell ist die Gegend sehr traditionell. 90 Prozent der Bewohner sind strenge Vegetarier. Es gibt kein Nachtleben, keine Bars - das ist schon eine Umstellung zum "westlichen Leben". Obwohl Ahmedabad eigentlich eine Großstadt mit fünf Millionen Einwohnern ist, wirkt es eher wie ein Dorf. Ich kannte Indien vorher schon von einer Dienstreise und einer längeren Rucksack-Tour. Weil es mir so gut gefallen hat, habe ich in der Arbeit immer gesagt: Wenn es mal eine Möglichkeit gibt, in Indien zu arbeiten, dann bin ich sofort dabei. Das hatte sich ein Kollege von mir gemerkt, und so kam ich an meine aktuelle Stelle.

Sie sind gemeinsam mit Ihrem Partner in Indien - wie kam es dazu?

Ich war davor drei Jahre in China, während dieser Zeit haben wir eine Fernbeziehung geführt. Als dann das Angebot für Indien kam, war meine Bedingung, dass mein Partner, der auch bei Bosch Rexroth arbeitet, diesmal dabei ist. Von Bosch Rexroth aus hat das auch wirklich problemlos geklappt. Mein Freund war nicht sofort so begeistert. Aber hier in Indien wird gerade ein Werk neu gebaut - das ist ein spannendes Projekt, bei dem man nicht alle Tage dabei ist. Das hat ihn dann überzeugt.

Was tun Sie in Indien?

An unserem Standort Ahmedabad gibt es bereits ein Werk von Bosch Rexroth, wir stellen Hydraulikventile, Zylinder und Großaggregate her für die Industrietechnik. Gerade baut Bosch Rexroth hier für den gleichen Zweck ein neues, größeres Werk. Mein Partner ist dabei verantwortlich für die technische Projektleitung des Werksneubaus, ich bin verantwortlich für das Controlling.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

 Der Tag beginnt damit, dass ich mir die Statusberichte mit den Kennzahlen vom Vortag ansehe. Wenn dabei etwas auffällig ist, gehe ich der Sache nach. Unser Team besteht insgesamt aus sechs Controllern. Wir machen das Controlling für die ganze Landesgesellschaft in Indien und kümmern uns darum, dass das Reporting nach Bosch-Regeln funktioniert. Außerdem sind wir für die Wirtschaftlichkeitsrechnung für das neue Werk verantwortlich: Welche Kosten kommen auf uns zu, welche Investitionen müssen wir tätigen, wie bleiben wir trotzdem profitabel?

Wie gehen Sie dabei vor?

Wir legen die Prämissen dafür fest, verfolgen während des Projekts, ob wir sie auch einhalten und wie sich das Budget entwickelt. Außerdem haben wir gerade SAP neu eingeführt - das hat für uns Controller den Vorteil, dass alle für uns wichtigen Daten in einem System festgehalten werden. Dieses System erleichtert uns die Analysen: Wo wird das Geld verdient, und wo wird es ausgegeben? Wir vom Controlling müssen uns jetzt darum kümmern, dass auch alle das neue SAP-System nutzen.

Wie sind Sie zu Bosch Rexroth gekommen?

Ich habe 2003 bei Bosch Rexroth meine Diplomarbeit geschrieben. Die Arbeit im Unternehmen hat mir Spaß gemacht, und Bosch Rexroth schien mir geeignet, um dort als Trainee anzufangen. Mir war es nach dem Studium wichtig, bei einem großen Unternehmen einzusteigen, weil ich die Möglichkeit haben wollte, ins Ausland zu gehen. Außerdem wollte ich auch nicht immer das Gleiche machen. Mittlerweile bin ich schon sieben Jahre bei Bosch, aber es wird nie langweilig.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher in Indien gemacht? Gibt es Unterschiede in der Arbeitsweise?

In Indien hat man eine andere Herangehensweise an den Arbeitsalltag. Da werden Probleme schon mal eher vertuscht als offen angesprochen. Auch die Art, Lebensläufe zu verfassen, ist ganz anders als bei uns. Die CVs sind sehr ausführlich, auch kleinere Stationen werden aufgelistet und vor allem Siege bei Wettbewerben oder Auswahlverfahren sind sehr wichtig. Indien ist in manchen Dingen recht bürokratisch - für unseren Herd haben wir zum Beispiel eine Gasflasche gebraucht. Die Anschaffung mussten wir uns aber erst einmal von einem Notar genehmigen lassen. Das persönliche Miteinander ist in Indien toll. Kollegen helfen sich viel untereinander, und mein Partner und ich werden super integriert: Unsere Kollegen und Bekannten laden uns zu Hochzeiten und anderen Familienfeiern ein und nehmen uns auch sonst überallhin mit.

Wie haben Sie sich auf den Aufenthalt in Indien vorbereitet?

Wir haben von Bosch Rexroth ein interkulturelles Training bekommen, das vor allem auf den Lebensalltag in Indien eingegangen ist. In der Berufswelt macht man viele Erfahrungen dann erst vor Ort. In unserem Team ist die Arbeitssprache Englisch. Die Inder diskutieren und debattieren gerne, das heißt, wir führen in der Arbeit oft heiße Diskussionen. Indische Frauen arbeiten hier in der Gegend eher selten. In unserem Betrieb gibt es 450 Mitarbeiter, darunter aber mit mir nur vier Frauen.

Wie ist es als Frau "allein unter Technikern"?

 Das war für mich noch nie ein Thema, ich habe da nie schlechte Erfahrungen gemacht. Bei Bosch Rexroth arbeiten einige Frauen in der Technik - und oft ist es doch so, dass Frauen in der Runde die Atmosphäre auflockern. Im Gegenteil, manchmal hat man es als Frau in technischen Unternehmen sogar leichter, weil es nicht so viele Frauen gibt. Da ist es einfacher, positiv aufzufallen.

Welche Tipps haben Sie für die e-fellows?

Man sollte nicht zu verbissen auf die Karriereplanung schauen. Die beste Vorbereitung hilft manchmal gar nichts - oft ergeben sich Chancen einfach zufällig. Es ist außerdem gut, wenn man auch mal unübliche Wege geht. Nach meinem Trainee-Programm haben sich manche gewundert, warum ich gleich im Ausland arbeite: "Alle werden dich vergessen, du baust dir in Deutschland kein ordentliches Netzwerk auf." In Wirklichkeit war meine Zeit in China eine der besten und spannendsten Phasen meines Lebens. Man sollte immer so bleiben, wie man ist, und sich nicht verstellen.

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