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Leben und arbeiten auf drei Kontinenten

International arbeiten [Quelle: freeimages, Autor: Kolobsek]

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Arbeiten in den USA und in Asien, verankert in einem deutschen Unternehmen - das geht bei Bertelsmann. Michele Alain (Mitch) Bittermann baut Logistik-Lösungen auf und genießt es, nebenher auf Entdeckungstour durch Asien zu gehen.

Sie haben Ihre Karriere in Düren Nordrhein-Westfalen begonnen und sind mittlerweile in Singapur – wie kam es dazu?

Ich habe in Ludwigshafen E-Business und Logistik studiert und meine Auslandssemester in Indonesien und Indien verbracht. Anschließend bin ich bei Bertelsmann in Düren als Assistent für den Transport-Manager eingestiegen. Schon damals war meine Arbeit recht international, ich habe unter anderem Transport-Projekte in Spanien und Italien geleitet. Nach drei Jahren bekam ich eine Projektmanager-Stelle in der Bertelsmann-Division arvato in Kalifornien angeboten. In dieser Position habe ich unter anderem neue Callcenter-Accounts in Kanada aufgebaut und Business Development gemacht.

Und wie kamen Sie schließlich nach Asien?

Ich habe von Kalifornien aus öfter geschäftlich in Singapur zu tun gehabt und als dann das Angebot kam, für ein globales Projekt nach Asien zu gehen, musste ich nicht lange überlegen. Mittlerweile arbeite ich seit knapp fünf Jahren als Senior Director des Solutions-Design-Teams in Singapur und baue neue Logistik-Lösungen für Kunden in Asien auf. Ich habe hier außerdem schon zahlreiche Projekte für IT-Hightech-Großkunden durchgeführt, sowie ein Callcenter und ein Business-Process-Outsourcing-Geschäft mit 300 Leuten implementiert und geleitet. Singapur ist ein relativ kleiner Markt, aber der südostasiatische Markt bietet Bertelsmann gute Wachstumschancen. Momentan arbeiten in Singapur 600 Menschen für arvato. Wir bauen unsere Lösungen asienweit auf, deswegen bin ich für meine Arbeit viel unterwegs, in Malaysia, China, Hongkong und Thailand.

Warum wollten Sie im Ausland arbeiten?

Ich genieße die Abwechslung und die Spannung, immer Neues zu sehen. Ich bin schon während des Studiums viel gereist, meist nach Asien und Afrika. Die Zeit, die ich in Deutschland war, wurde immer kürzer. Irgendwann war mir einfach klar, dass ich auf lange Sicht im Ausland leben möchte. Ich finde es toll, dass ich so viel von der Welt entdecken kann - Singapur ist dafür ideal gelegen. Man kommt von hier aus schnell nach Thailand, Malaysia und in viele andere Länder.

Können Sie von einem Ihrer Projekte berichten?

Ich habe in Thailand ein neues Distributionsgeschäft für Ersatzteile für Bankautomaten aufgebaut. Unser Ziel ist es, innerhalb von zwei Stunden die Ware an den Kunden zu liefern - dafür haben wir 14 Fahrer mit Motorrädern, die sofort reagieren können. Das Geschäft ist noch überschaubar, aber es war wichtig für uns, in Thailand Fuß zu fassen.

Betreuen Sie in Singapur hauptsächlich globale Kunden von Bertelsmann?

Ja, 90 Prozent unserer Kunden hier sind schon in anderen Ländern Geschäftspartner von arvato und wir übernehmen nun das Asiengeschäft für sie. In letzter Zeit haben wir aber auch lokale Kunden akquiriert. Das möchten wir in Zukunft ausbauen und diese Kunden dann an Europa weitergeben.

Welche Unterschiede gibt es in der Arbeitskultur zwischen Asien und Deutschland?

Wenn in Deutschland Team-Meetings abgehalten werden, in denen zum Beispiel Prozess-Änderungen erklärt werden, dann geschieht es meist so: Erklärung und direktes Feedback von den Mitarbeitern. In Singapur bekommt man im Meeting erstmal keine Rückmeldungen - das ist typisch für die asiatische Kultur. Sobald allerdings ein Meeting zu Ende ist, klopft es plötzlich an meiner Tür. Meistens berichten die Mitarbeiter dann erst von ihren Bedenken. Das ist typisch, denn asiatische Mitarbeiter würden nie den Chef vor den Kollegen in Frage stellen oder wirklich ihre Meinung offen darlegen. Es ist sehr spannend, solche Unterschiede zu entdecken, kann aber auch anstrengend und sehr zeitaufwendig sein.

Inwiefern hat das Arbeiten im Ausland Sie verändert?

Ich bin geduldiger geworden, weil ich gemerkt habe: Je mehr Druck man ausübt, umso weniger erreicht man. Außerdem habe ich die sogenannten "deutschen Tugenden" abgelegt: Ich bin nicht mehr überpünktlich, denn ich habe in Asien schon oft über eine Stunde auf einen Kunden gewartet. Ich habe auch damit aufgehört, Menschen unbedingt überzeugen zu wollen. Stattdessen habe ich gelernt, den anderen zuzuhören. Immerhin kennen meine Mitarbeiter aus Singapur ihr Land und die Umstände besser als ich.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?

Meine Projekte sind sehr spannend. Außerdem liebe ich die Abwechslung, und dabei kommt mir Bertelsmann entgegen und hat mir die Möglichkeit gegeben, auf drei verschieden Kontinenten zu leben und zu arbeiten. Ich finde es toll, mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenzuarbeiten und dazuzulernen: Wie kann ich meine asiatischen Mitarbeiter motivieren, wie ticken sie und vor allem: Was denken sie wirklich über das "deutsche Unternehmen", für das sie arbeiten?

Wie verständigen Sie sich in Asien?

Ich habe mal Indonesisch gelernt im Studium. Aber hier vor Ort wird man ein bisschen bequem, weil alle Englisch sprechen. Ich habe auch damit begonnen, Chinesisch zu lernen. Als ich meinen Namen sagen konnte, war ich ganz stolz und habe alle Mitarbeiter in mein Büro geholt, um ihnen meine neue Fähigkeit vorzuführen. Als ich fertig war, haben sie gelacht und gefragt, ob mein Name wirklich Micky Maus sei.

Welche beruflichen Pläne haben Sie?

Ich habe gerade einen Sponsorship Award bei Bertelsmann gewonnen. Das bedeutet, dass ich von einem Sponsor aus der Bertelsmann-Vorstandsetage betreut werde – in meinem Fall ist dies Markus Dohle, der CEO von Penguin Random House. Wir treffen uns alle drei Monate, gerade hat mich Markus Dohle nach New York in die Firmenzentrale von Penguin Random House eingeladen. Ich werde für fünf Tage dort sein, einen Überblick bekommen über die Arbeit dort und auch an Coachings teilnehmen. Was meine weiteren Pläne angeht: Am liebsten würde ich in Zukunft in Thailand arbeiten. Ich war 1998 das erste Mal dort und habe mich in das Land verliebt - in die Kultur, die Menschen, das Essen und die Strände. Was die Zukunft allerdings bringt und vor allem wo, werden wir sehen - und das macht das Ganze auch so spannend.

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