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In seiner Ausbildung zum Fachinformatiker vermisste Maximilian Liepert den wissenschaftlichen Background. Nach dem Abschluss war ein duales Studium in Wirtschaftsinformatik für ihn die Lösung. Weshalb er seine Entscheidung nicht bereut, wie sein Arbeitsalltag aussieht und was er beim Auslandssemester in Schanghai erlebt hat, erzählt er im Interview.

Herr Liepert, warum haben Sie sich für ein duales Studium entschieden?

Nach dem Abitur habe ich erst einmal eine Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht, weil ich gleich praktisch arbeiten wollte. Während der Ausbildung habe ich dann aber festgestellt, dass ich gerne mehr über die Hintergründe und über wirtschaftliche Zusammenhänge wüsste.

Ich hatte zwei Möglichkeiten: entweder nebenberuflich studieren oder ein duales Studium anzufangen. Ich habe mich für Letzteres entschieden, weil mir die blockweise Aufteilung von Theorie und Praxis bereits in der Berufsschule gefiel. Im Juli 2014 habe ich meine Ausbildung abgeschlossen, anschließend noch bis Ende September in meinem Ausbildungsbetrieb gearbeitet und Anfang Oktober mit dem dualen Studium in Ravensburg begonnen.

Gefällt Ihnen Ihr Studium?

Ja, es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Der strukturierte Aufbau des Studiums und die Abwechslung von Theorie- und Praxisphasen im Dreimonatswechsel gefallen mir gut. Aufgrund der überschaubaren Größe der Uni ist alles sehr persönlich: Die Dozenten kennen uns namentlich und nehmen sich Zeit für uns. Der Unterricht ist zudem sehr praxisnah, weil viele Lehrkräfte aus der Praxis kommen. Dieser klare Bezug zum Arbeitsalltag ist ein großer Pluspunkt des dualen Studiums.

Gibt es auch Nachteile?

Von den zehn Wochen Vorlesungszeit sind die letzten beiden meist mit Prüfungen ausgefüllt, weil es zu jeder Veranstaltung auch eine Klausur oder mündliche Prüfung gibt. Da muss man schon frühzeitig anfangen zu lernen. Aber jedes Studium hat seine stressigen Phasen, das ist nicht nur bei dualen Studiengängen so.

Ein Nachteil ist in meinem Fall die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsort: Meine Praxisphasen verbringe ich bei einem Kunden in München. Damit ich nicht noch eine zweite Wohnung mieten muss, pendle ich. Bei insgesamt drei Stunden Zugfahrt pro Tag bleibt natürlich viel Zeit auf der Strecke.

Sie sind in Ihren Praxisphasen für die IT-Beratung Accenture tätig. Was genau machen Sie dort?

Ich arbeite, wie gesagt, für einen großen Kunden in München. In den ersten Praxisphasen war ich an einem Java-Projekt beteiligt. Dabei habe ich vieles selbst programmiert sowie die Maintenance und das Testing der neuen Funktionen übernommen. In den vergangenen Phasen wollte ich etwas Neues ausprobieren, deshalb arbeite ich jetzt an einem anderen Teilprojekt: eine SAP-Einführung bei einem Garantiemodul. Meine Arbeit besteht darin, Projektpläne zu erstellen. Dazu überlege ich zum Beispiel, wie viele Test-Cases wir brauchen, oder welcher Entwickler wie lange wo im Einsatz sein wird. Ich schreibe auch gerade eine Seminararbeit darüber, wie man solche Projektpläne sinnvoll erstellt.

Sind Sie immer beim gleichen Kunden tätig?

Ja, und das ist auch gut so. So kenne ich das Unternehmen, die Mitarbeiter und die Arbeitsabläufe. Wenn ich in jeder Praxisphase bei einem neuen Kunden wäre, würde zu viel Zeit mit dem Einholen von Rechten und mit der Einarbeitung verschwendet. Abwechslungsreich ist es aufgrund der verschiedenen Teilprojekte auch so.

Weshalb haben Sie sich für Accenture als Arbeitgeber entschieden? 

Während meiner Berufsschulzeit habe ich über einen WG-Mitbewohner einige Accenture-Mitarbeiter kennengelernt. Sie haben mir von der guten Arbeitsatmosphäre und den flachen Hierarchien dort berichtet. Weil das gut klang und mich der moderne Charakter des Unternehmens ansprach, habe ich mich bei Accenture beworben. Schon beim Assessment-Center hat sich der Eindruck bestätigt: Alle waren unglaublich freundlich, wir durften einander gleich duzen und uns wurde ein unbefristeter Arbeitsvertrag in Aussicht gestellt, wenn wir das duale Studium erfolgreich abschließen. Auch die flachen Hierarchien sind bei Accenture mehr als eine Floskel: Ich sitze gemeinsam mit meinem Chef an einem Schreibtisch und er behandelt mich wie ein vollwertiges Mitglied des Teams, nicht "nur" wie einen Studenten. Ich habe meine Entscheidung nie bereut.

Sie haben ein Auslandssemester in Schanghai verbracht. Wie war es, dort zu studieren?

Es war eine spannende Erfahrung, aber auch gewöhnungsbedürftig, weil das Studium dort sehr anders abläuft als hier. Man sitzt von morgens bis spätabends in Seminaren und Vorlesungen und hat anschließend auch noch Hausaufgaben zu erledigen. Die Universität, an der ich in Schanghai studiert habe, war zudem sehr groß und anonym, die Studenten halten sich fast immer auf dem Campus auf, der alles umfasst: von der Mensa bis zum Frisör.  Das war schon sehr ungewohnt.

Eigentlich hieß es im Vorhinein, dass die Vorlesungen auf Englisch abgehalten würden, aber das stimmte leider nicht immer. Die Chinesen sprechen erstaunlich wenig Englisch, selbst die Dozenten haben damit oft Probleme.

Was haben Sie denn dann in den Vorlesungen gemacht?

Ein Teil der Veranstaltungen fand tatsächlich auf Englisch statt, in den anderen gab man uns ausländischen Studenten englischsprachige Bücher, die wir lesen sollten. Auch die Lernkultur unterscheidet sich sehr stark von der unsrigen: Während man in Deutschland in Seminaren und Vorlesungen Grundlagenwissen erarbeitet, das man anschließend in Prüfungen praktisch anwendet, lernen die chinesischen Studierenden alles auswendig. Wer eine Prüfung gut bestehen will, muss alles möglichst genauso wiedergeben, wie es der Dozent zuvor erklärt hat.

Hatten Sie auch Zeit, sich das Land ein bisschen anzuschauen?

Ja, an den Wochenenden habe ich Ausflüge gemacht, zum Beispiel zur Chinesischen Mauer. Eigentlich hätte ich auch gerne eine Praxisphase in Schanghai verbracht; aber der Kunde, für den ich tätig bin, hat dort Personal abgebaut. Deshalb hat es leider nicht geklappt.

Welche beruflichen Pläne haben Sie für die Zukunft?

Zunächst möchte ich im kommenden Jahr meinen Bachelorabschluss machen. Anschließend überlege ich, einen berufsbegleitenden Master dranzuhängen. Ich hätte auch große Lust, an einem Projekt im Ausland zu arbeiten, vielleicht wieder in Asien oder in Amerika. Langweilig wird es jedenfalls nicht!

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