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Schritt für Schritt zum fertigen Flugzeug

Flug Flugzeug (Quelle: freeimages.com, Autor: ellessar_x)

Quelle: freeimages.com, ellessar_x

Wenn ein Flugzeug entwickelt wird, ist es wichtig, den Überblick zu behalten. Welche Anforderungen gilt es zu erfüllen? Wo und wie werden die Bauteile produziert und montiert? Um all diese Informationen zu verwalten, gibt es das Product Lifecycle Management (PLM). Zwei Berater von Accenture berichten, wie sie PLM-Systeme bei Kunden einführen - und warum das manchmal wie Großreinemachen ist.

Was ist das Ziel des Product Lifecycle Managements?

Product Lifecycle Management (PLM) bedeutet, dass man den Prozess der Entstehung eines Produkts managt - meistens mithilfe von Software. Unsere Kunden stellen Artikel her, die sehr komplex sind. Mit einem PLM-System können sie alle Daten dazu professionell und sicher verwalten – von der Herstellung über die Auslieferung bis hin zum Kundenservice. Das ist gerade für globale Unternehmen sehr wichtig, die zum Beispiel in mehreren Ländern fertigen lassen. Wir unterstützen unsere Kunden außerdem dabei, ihre Prozesse zu vereinheitlichen und PLM einzuführen.

Für welche Produkte ist das sinnvoll?

Eigentlich für alles, was man später anfassen kann. Unsere Kunden stellen zum Beispiel Autos her, oder Maschinen, Anlagen, Schiffe und Flugzeuge. Es handelt sich um Erzeugnisse, in denen sehr viel Know-how und sehr viel Technologie stecken. Die Produktdaten gut nachzuhalten, kann auch juristische Gründe haben: Manche Unternehmen haben Gewährleistungsfristen von 50 Jahren - daher müssen sie akribisch dokumentieren, was genau sie entwickelt und ausgeliefert haben.

Worauf sollten Unternehmen bei der Organisation des Produktlebenslaufs achten?

Oft sind Prozessabläufe in Firmen ineffizient, weil sie historisch gewachsen sind und selten angepasst wurden. Das ist unübersichtlich und führt oft zu Reibungsverlusten. Die Folge ist zum Beispiel, dass man bei Änderungen am Produkt nicht nachvollziehen kann, welche Auswirkungen das an anderen Stellen hat. Außerdem beschleunigen einheitliche Prozesse auch die Herstellung - und schnelle Produktion wird in der heutigen Zeit immer wichtiger.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein PLM-System einführen?

Zu Beginn erstellen wir in Workshops eine Art Fahrplan, um Schritt für Schritt den Aufbau einer PLM-Plattform zu planen. Oft führen wir das System nicht komplett ein, sondern bilden zunächst nur einige wichtige Prozessteile ab, um dann nach und nach mehr hinzuzufügen. Außerdem beraten wir unsere Kunden zu ihrer momentanen Situation und erläutern, wie man die Prozesse verbessern kann. Wir arbeiten mit Unternehmen aus verschiedenen Branchen zusammen und bringen daher eine große Bandbreite an Expertise und Erfahrungswerte mit.

Können Sie eines Ihrer Projekte näher beschreiben?

Wir haben zum Beispiel bei einem Hightech-Elektronik-Kunden ein PLM-System eingeführt. Die Firma war sehr schnell gewachsen und nutzte viele selbstprogrammierte Systeme, was nicht sonderlich effizient war. Im Projekt haben wir vier Ziele verfolgt: Zunächst wollten wir die Prozesse standardisieren und in einem zweiten Schritt optimieren. Außerdem haben wir die verschiedenen Systeme vereinheitlicht und die selbstprogrammierten Tools abgelöst. Zusätzlich war es wichtig, das Change Management abzubilden: Wenn eine Änderung am Produkt gemacht wird, wird sie auch ins PLM-System übertragen und somit nachvollziehbar.

Was macht das PLM so komplex?

Dass es so umfassend ist und vom Anfang bis zum Ende des Entstehungsprozesses eines Produkts reicht, sowie sämtliche Abteilungen eines Unternehmens mit einbezieht. Außerdem arbeitet man mit vielen verschiedenen Systemen und hat es oft mit vielen Schnittstellen zu anderen Systemen zu tun, zum Beispiel zum Zulieferer.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrer Arbeit?

Ich arbeite in verschiedenen Branchen, das ist sehr abwechslungsreich. Kein Kunde ist wie der andere, aber es gibt viele Gemeinsamkeiten. Außerdem macht mir die Arbeit im Team Spaß. Ein weiterer toller Aspekt an meiner Arbeit: Ich beschäftige mich mit der neuesten Technologie und sehe, wie interessante Produkte entstehen.

Welche Unternehmen benötigen ein Product-Lifecycle-Management-System?

Eigentlich braucht jeder, der etwas produziert oder entwickelt, ein System, das ihn dabei unterstützt, der immensen Datenmenge Herr zu werden. Denn mit Excel und Co. kommt man heutzutage sehr schnell an seine Grenzen. Produkte und Prozesse werden immer komplexer und globaler - ein PLM-System hilft, die Prozesse zu standardisieren, zentralen Zugang zu Infomationen und Daten zu schaffen und so die Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten.

Mit welchen Fragen kommen Ihre Kunden zu Ihnen?

Die Kunden fragen sich zum Beispiel, welchen Nutzen sie von einem PLM-System haben könnten. Oder welches PLM-System für sie interessant ist: die komplette Lösung über den gesamten Produktlebenszyklus oder nur einzelne Module? Welche Prozesse kann man überhaupt mit einem PLM-System bedienen? Wie ändert sich die tägliche Arbeit des einzelnen Mitarbeiters, wenn er mit dem System umgehen muss?

Wie hilft PLM den Unternehmen?

Das übergeordnete Ziel von PLM sollte sein: Alle nötigen Daten und Informationen zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in der richtigen Granularität zur Verfügung zu haben. Es gibt Unternehmen, die viele Daten erfassen, aber nicht in einem einheitlichen System. Dadurch kann es passieren, dass zum Beispiel Konstrukteure Stunden damit verbringen, nach Informationen oder Daten zu suchen. Wenn es eine Änderung am Produkt gibt, dann existiert oft kein einheitlicher Prozess dafür, dass diese Änderung auch konsequent an allen Stellen durchgeführt wird und alle Prozessbeteiligten darüber informiert werden.

Ein PLM-System hilft generell dabei, standardisierte Prozesse einzuführen. Das ist natürlich zunächst einmal mühsam, aber unsere Aufgabe ist es, die Vorteile davon aufzuzeigen. Dafür ist es von entscheidender Bedeutung, dass das Management voll hinter der Idee steht, ein solches System einzuführen, und sich bewusst ist, welche Änderungen - auch in der Organisation und den Prozessen - das mit sich bringt. Eine PLM-Einführung geht immer mit einem "Change" einher.

Können Sie eines Ihrer Projekte schildern?

Bei einem Projekt war ich dafür verantwortlich, dass neu eingeführte PLM-System zu testen. Ich musste überprüfen, ob alle Anforderungen erfüllt werden. Und ich habe mit dem Kunden geklärt, ob sich alle mit dem System wohl fühlen und ob sie noch weitere Funktionalitäten benötigen. Momentan arbeite ich in einem Projekt, das noch ganz am Anfang steht. Wir klären gerade, welche Unternehmensbereiche involviert werden, wie die Mitarbeiter überzeugt werden können, dass System zu verwenden, welche Anforderungen es gibt und welche Alt-Systeme existieren. Bisher haben wir 60 verschiedene gefunden – das ist ein bisschen wie Großreinemachen.

Wie erschwert die Internationalität von großen Unternehmen PLM?

PLM ermöglicht Globalisierung eigentlich erst. Denn durch PLM können zum Beispiel alle Kollegen einer Firma auf die gleiche Datenbasis zugreifen, egal, an welchem Standort sie sind. Das ist deutlich einfacher, als wenn jeder seine eigene Datenbasis hat und die unterschiedlichen Bereiche oder Standorte zum Teil autark voneinander arbeiten. Wenn wir für eine internationale Firma PLM einführen, ist das natürlich komplexer, da man sich mit allen beteiligten Ländern abstimmen muss. Gerade arbeite ich auch an einem internationalen Projekt, an dem Deutschland, Dänemark, Italien, USA und China beteiligt sind.

Wie überzeugen Sie auch das Top-Management von PLM?

Gerade im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung ist PLM ein wichtiger Faktor. Denn ohne einheitliche Verwaltung der immer komplexer werdenden Daten wird es sehr schwer werden, vor allem die Produktion zu digitalisieren. Aber nicht nur das Management muss überzeugt werden, sondern auch die Mitarbeiter, die letztlich mit diesen Systemen arbeiten müssen. Deshalb fragen wir nach, welche Anforderungen die Kunden haben und welche Probleme es eventuell gibt. Wichtig ist, zu erklären, welche Vorteile das PLM-System bringt: Es macht Prozesse transparenter und übersichtlicher. Aber natürlich erfordert der Einsatz zu Beginn auch einen Mehraufwand, da man das System erst einmal mit Daten und Informationen "befüllen" muss. Andere können womöglich schon auf Daten zugreifen, auch wenn man noch nicht vollkommen fertig ist mit seiner Arbeit – all solche Dinge muss man erklären und man muss Feingefühl haben, um zu verstehen, was die Leute umtreibt. Vor allem aber muss das PLM-System nutzerfreundlich sein - sonst verwendet es niemand.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Meine Arbeit wird nie langweilig, und sie ist sehr interdisziplinär. Ich kann mir unterschiedliche Unternehmensbereiche und Branchen ansehen - dadurch bekomme ich einen guten Überblick. Und ich habe mit vielen verschiedenen Menschen zu tun: mit Entwicklern, Designern, dem Management und vielen anderen. Wenn man Flexibilität und Internationalität will, dann ist man in meinem Job richtig.

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