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Keine Konzepte aus der Schublade

Frauen und Männer in einer Besprechung [© pressmaster - Fotolia.com]

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Accenture hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Bis 2017 sollen 40 Prozent der Neueinstellungen Frauen sein. Die Recruiting-Leiterin von Accenture in Deutschland erklärt, mit welchen Maßnahmen sie das erreichen will und warum Überstundenausgleich in der Beratung kein Fremdwort sein muss.

Frau Zippel, welche Karrieremöglichkeiten haben Akademikerinnen bei Accenture?

Der wichtigste Karriere-Faktor sind die Perspektiven: Gibt es spannende Projekte? Können Mitarbeiter etwas Neues lernen? Tragen sie Verantwortung? Werden sie individuell gefördert für den nächsten Karriere-Schritt? Als wachsender Professional-Services-Anbieter können wir diese Perspektiven allen Talenten bieten.

Im Dezember 2015 haben wir bekannt gegeben, dass weltweit bis 2017 mindestens 40 Prozent der Neueinstellungen Frauen sein werden. Mehr als 130.000 unserer 375.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit sind Frauen, 17 Prozent unserer Führungskräfte und 27 Prozent unserer Aufsichtsräte sind weiblich. Luft nach oben gibt es aber nach wie vor. Und gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz liegen wir noch hinter den globalen Zielen zurück. Derzeit beschäftigt Accenture in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund ein Drittel Frauen. Um das zu ändern, haben wir auf allen Ebenen unserer Organisation Prozesse verändert.

Um unser Ziel zu erreichen, haben wir zum Beispiel unsere Stellenausschreibungen anders formuliert. Denn Männer lassen sich nur selten davon abschrecken, wenn sie nicht alle aufgelisteten Anforderungen eines Arbeitgebers erfüllen. Frauen neigen dagegen dazu, sich unter Wert zu verkaufen. Das ändert sich, wenn wir typisch weibliche Stärken wie soziale Kompetenz gezielt ansprechen: Ein simples "Teamarbeit ist uns wichtig" sorgt in Stellenausschreibungen schon dafür, dass sich mehr Frauen bewerben. Sehr positive Rückmeldungen bekommen wir auch auf die weibliche Form, die wir seit einiger Zeit in verschiedenen Stellenanzeigen nutzen - also beispielsweise "Beraterin (m/w)".

Und gleichzeitig schulen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Recruiting darin, auch zurückhaltend oder zu vorsichtig formulierte Anschreiben genau zu prüfen. Eine breitbeinige "Hoppla, hier komm ich"-Attitüde ist entgegen weit verbreiteter Vorurteile keine Einstellungsvoraussetzung für Beraterinnen und Berater – kein Kundenprojekt wird im Alleingang, sondern immer im Team umgesetzt.

In einer Umfrage gaben 87 Prozent der befragten Frauen an, dass Förderung durch den Vorgesetzten bei der Karriere hilft. Welche Förderung erhalten Frauen bei Ihnen im Unternehmen?

Accenture unterstützt die Karriere-Entwicklung von Frauen mit Mentoring, wohnortnahen Projekteinsätzen und weiteren Programmen zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie – natürlich für Männer und Frauen. Denn flexible Arbeitszeitmodelle sind längst nicht nur für Frauen, sondern für alle Mitarbeiter attraktiv.

Dazu kommen viele weitere Maßnahmen, darunter interne Netzwerke wie die "Women’s Initiative" und Coachings für die individuelle Karriereplanung. Training für Führungskräfte hilft dabei, eine Kultur von Vielfalt und Chancengleichheit zu etablieren – etwa indem die Chefin oder der Chef dafür sorgt, dass in Meetings nicht nur "Alpha-Männchen" reden dürfen, sondern auch zurückhaltendere Kolleginnen und Kollegen das Wort haben.

Work-Life-Balance und Mitbestimmung im Job ist vielen Frauen heutzutage extrem wichtig. Können Sie diese Ansprüche nachvollziehen und wenn ja, wie stellen Sie sich auf diese Bedürfnisse ein? Ein anderes Großthema der Generation Y ist das Thema Teilzeit. Hier ergeben sich derzeit neue Job-Modelle wie beispielsweise Job-Sharing. Haben auch Sie bereits Angebote zu diesem Thema?

Karriereplanung, Weiterbildung oder auch Auszeiten für Familie – für diese persönlichen Entscheidungen gibt es bei uns keine fertigen Konzepte in der Schublade, vielmehr entscheidet jeder Kollege und jede Kollegin individuell über Familienplanung und Lebenskonzepte. Unsere Aufgabe als Unternehmen ist es, sie darin zu unterstützen. Unsere Kolleginnen und Kollegen entscheiden selbst, ob sie für ihre Familie oder für sich Auszeiten nehmen, wann und wie lang sie in Elternzeit gehen und ob sie in Teilzeit arbeiten möchten. Feste Konzepte dafür haben wir absichtlich nicht, dafür aber ein Netzwerk aus Unterstützern und Leistungs- statt Präsenzkultur: Ein Aufstieg auf der Karriereleiter ist auch mit reduzierter Wochenarbeitszeit möglich, viele Aufgaben lassen sich auch im Home Office erledigen. Angeboten haben wir flexible Arbeitszeitmodelle schon immer. Wir stellen in den letzten Jahren verstärkt fest, dass diese auch angenommen werden. So ist es beispielsweise möglich, längeren Urlaub zwischen zwei Projekten einzulegen oder eine Auszeit zum Beispiel für Pflege von Angehörigen zu nehmen – und zwar auf jedem Karrierelevel. In Elternzeit gehen übrigens fast ebenso viele Männer wie Frauen bei Accenture. Dabei ist es uns wichtig, eine einfache Rückkehr in den Job zu ermöglichen.

Die Bereitschaft, Überstunden zu leisten, sinkt bei Mann und Frau seit Jahren. Neueste Studien belegen, dass der Sechs-Stunden-Tag deutlich produktiver ist als der in Deutschland normale Acht-Stunden-Tag. Wie sehen Sie das?

Ja, die Prioritäten verschieben sich. Umfrageergebnisse legen auch nahe, dass sich auch viele Männer mehr Zeit für Familie und Privatleben wünschen. Unsere Erfahrung ist, dass sich jüngere  Kollegen mehr Zeit neben dem Beruf wünschen, um etwa ihre Rolle als Eltern besser wahrnehmen zu können. Das bedeutet für die Arbeitgeber, dass sie geschlechterübergreifend neue Wege bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gehen müssen. Die projektbasierte Arbeitsweise sowie der Einsatz neuester Technologien ermöglichen unseren Mitarbeitern eine ortsunabhängige und flexible Arbeitsweise. Das fördert die Vereinbarkeit von privaten und beruflichen Bedürfnissen. Der Wandel von Präsenz- zur Leistungskultur wird bei Accenture gelebt und daher können Aufgaben beispielsweise auch von zu Hause erledigt oder Projekte aus einer größeren Distanz geleitet werden. Angeboten haben wir flexible Arbeitszeitmodelle schon immer – wir stellen in den letzten Jahren verstärkt fest, dass diese auch angenommen werden. Schon immer war es bei uns möglich, in den meisten Geschäftsbereichen unterhalb der Führungsebene, einen Ausgleich für geleistete Überstunden zu nehmen – das ist keine neue Entwicklung und unterscheidet uns sicherlich von vielen Mitbewerbern.

Was denken Sie, wie wird sich der Karriereweg für Frauen in den kommenden Jahren verändern? Wie anpassungsfähig müssen Frauen in Zukunft sein und inwieweit können Frauen die Zukunft mitbestimmen?

Nach Erkenntnissen von Accenture entstehen mit der Digitalisierung neue Aufgaben und Berufsprofile, die Frauen mehr Karrierechancen denn je eröffnen. Frauen nutzen die Chancen der Digitalisierung, um im Beruf aufzusteigen und den Karriereabstand zu ihren männlichen Kollegen zu verringern. Eine hohe Digital Fluency, also digitale Kompetenzen sowie neue berufliche Möglichkeiten durch Digitalisierung, hilft besonders Frauen dabei, ihre Karriereaussichten zu verbessern und die nötigen Voraussetzungen für den beruflichen Aufstieg zu schaffen. Somit kann die Digitalisierung in den nächsten Jahren dazu beitragen, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Arbeitsleben weiter voranzutreiben.

Ist Deutschland in Sachen Frauenquote auf einem guten Weg?

Im Vergleich aller untersuchten Länder belegt Deutschland lediglich einen der mittleren Plätze, sowohl was die Digital Fluency (Platz 11), das Bildungsniveau (Platz 18), die Beschäftigungsfähigkeit (Platz 11) und die beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten (Platz 16) von Frauen betrifft. Gerade bei der für die zukünftigen Karrierechancen von Frauen so wichtigen Digital Fluency sind die Niederlande, die skandinavischen Länder und die USA führend, während Schwellenländer wie die Philippinen, Indien und Indonesien auf den letzten Plätzen landen.

Der Gender Pay Gap ist immer noch hoch und wird sich voraussichtlich in den kommenden Jahren auch nicht verkleinern. Daten der OECD zeigen jedoch, dass mehr Frauen als Männer heute einen Hochschulabschluss erreichen. Wie erklären Sie Ihren Frauen, dass sie trotzdem weniger Gehalt beziehen als die Männer?

Bei Accenture sind gleiche Entwicklungschancen und gleiche Bezahlung von Frauen und Männern eine Selbstverständlichkeit.

© umwelthauptstadt.de (Link zur Originalquelle)

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