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"Ein Großprojekt ist wie ein Raketenstart"

Raketenstart [Quelle: freeimages, Autor: mrgoose]

Quelle: freeimages, mrgoose

'Drei, zwei, eins - zündet das Triebwerk!' Der Go-Live bei einem Großprojekt ist oft wie ein Raketenstart. Im Interview erklärt Sandra Babylon, Partnerin im Bereich 'Financial Services', warum sie schon seit 13 Jahren bei Accenture ist, wie Frauen dort gefördert werden und was am Beraterjob spannend ist. Außerdem verrät sie, wie sie nebenbei Kartfahren gelernt hat - wenn auch nicht ganz freiwillig.

Sie sind seit über 13 Jahren bei Accenture – wie kam es dazu?

Viele Menschen, die in der Beratung anfangen, denken am Anfang, dass sie hier Erfahrungen sammeln und den Beraterjob dann als Karriere-Sprungbrett nutzen. Das hatte ich eigentlich auch vor, aber ich habe bald festgestellt, dass Accenture der richtige Platz für mich ist und auch langfristig die richtige Perspektive bietet. Die Karrierechancen sind sehr gut, Accenture ist eine tolle Firma und ich arbeite sehr international.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Accenture ist ein Managementberatungs-, Outsourcing- und IT-Dienstleister, der auf Business-Transformation spezialisiert ist. Ich bin Partnerin im Bereich "Financial Services", darunter verstehen wir das Geschäft mit Banken, Versicherungen und Kapitalmärkten. Wir unterstützen unsere Kunden nicht nur in der Strategiephase, deren Ergebnis oft "nur" ein Konzeptpapier ist, sondern gehen mit dem Kunden auch bei der Implementierung durch alle Höhen und Tiefen des Projekts. Ich bespreche mit meinen Kunden die Anforderungen im Projekt, den aktuellen Status, die nächsten Meilensteine oder wie wir ein bestimmtes Problem lösen.

Dazu vernetze ich mich auch viel mit meinen Accenture-Kollegen weltweit, ein großartiger Wissenspool, um für den Kunden die möglichst umfassende Antwort zu finden. Networking und Engagement außerhalb meiner eigentlichen Aufgaben ist in meinem Job auch sehr wichtig. Als Partnerin trage ich die Verantwortung dafür, dass andere ihre Karrieren erfolgreich gestalten können. Ich bin zum Beispiel für eine Diversity-Initiative im Bereich "Financial Services" verantwortlich. Wir haben dieses Thema bei Accenture schon früh mit Nachdruck verfolgt. Und ich glaube, dass es wichtig ist, die Vielfalt täglich zu leben.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Ich bin Mentorin für viele meiner Kolleginnen und treffe mich regelmäßig mit ihnen, um mich auszutauschen. Ich finde es wichtig, Frauen darin zu coachen, wie man sich in einem männlichen Umfeld bewegt. Frauenförderung ist aber nicht nur ein großer Teil meines Arbeitsalltags. Es ist mir auch ein persönliches Anliegen, Accenture zu einem "Great Place to Work" für alle zu machen.

Wie sieht ein typisches Projekt bei Ihnen in "Financial Services" aus?

Projekte können sehr unterschiedlich sein: Entweder wir lösen Spezialaufgaben bei Kunden oder wir leiten Großprojekte. Es gibt auch kleinere Projekte, an denen drei bis fünf Kollegen beteiligt sind und in denen wir zum Beispiel eine konzeptionelle Vorstudie erarbeiten. Wenn wir aber Kunden dabei helfen, zwei Unternehmen zu verschmelzen, dann ist das ein komplexes und langfristiges Projekt. Über Jahre hinweg arbeiten wir daran oft mit mehreren hundert Leuten aus der Beratung und mit Mitarbeitern des Kunden.

Wie sind die "Practices", die einzelnen Bereiche, bei Ihnen aufgeteilt?

Die Einteilung richtet sich nach den Branchen, aus denen die Kunden kommen. Ich bin in "Financial Services" insbesondere für Banken zuständig. Das ist spannend, weil ich schon fast alle deutschen Geldinstitute von innen gesehen habe, die sehr verschieden sind. Dazu bringen die vielfältigen Themen zusätzlich Abwechslung in den Job. Ich habe bei jedem Projekt mit verschiedenen Menschen zu tun, von denen ich selbst nach so vielen Jahren im Unternehmen oft noch etwas lernen kann. Ich habe mich in diesem Umfeld laufend weiterentwickelt. In einer Linienaufgabe hingegen lernt man zwar eine Bank sehr gut kennen, aber nur diese eine Bank.

Müssen Sie in Ihrem Job auch programmieren oder ein tiefes IT-Verständnis haben?

Ich selbst kann nicht programmieren, höchstens noch ein paar Excel-Formeln basteln. Das ist aber auch nicht notwendig, denn IT ist oftmals keine "Rocket Science". Den meisten Problemen, mit denen ich in meinem Job zu tun habe, kann man sich durch analytisches Denken und Erfahrung nähern.

Als Beraterin muss ich oftmals zwischen der IT und der Fachabteilung beim Kunden vermitteln, den beide sprechen oft eine andere "Sprache". Der Marketing-Mitarbeiter macht zum Beispiel eine Vorgabe: "Wir sollten alle Leute ansprechen, die in einer bestimmten Altersgruppe sind". Darauf antwortet der ITler: "Ok, sag mir, welche Datenbankfelder ich in den Report packen soll." Als Berater muss man Spaß daran haben, sich in beide Welten einzufinden. Das bedeutet, sich sowohl im Datenbanksystem auszukennen, als auch mit dem Marketing-Mitarbeiter über das Konstruieren von Kampagnen zu sprechen.

Als Berater sind wir meist nicht so tief in fachlichen Themen drin wie unsere Kunden, die sich ja oft über Jahre mit einem bestimmten Thema beschäftigen. Aber wir können Dingen analytisch auf den Grund gehen und Handlungsoptionen aufzeigen. Unser Mehrwert ist, dass wir Themen methodisch und strukturiert angehen, Optionen aufzeigen und Ergebnisse managementtauglich aufbereiten.

Wie halten Sie sich über die aktuellen Entwicklungen auf dem Finanzmarkt auf dem Laufenden?

Ich habe das Glück, dass ich durch tägliche Zeitungslektüre genug über die Finanzbranche erfahre, um auf dem Laufenden zu sein. Schwieriger ist es, bei den IT-Trends am Ball zu bleiben. Wie funktioniert "Cloud Computing" eigentlich, wie kann man das zum Nutzen des Kunden einsetzen? Um die Trends zu kennen, lese ich die Fachpresse, besuche Kongresse und nutze auch die vielen internen Schulungen von Accenture. Für unsere Kunden, die Banken, sind die Branchenkenntnisse eines Beraters aber am wichtigsten. Wir müssen verstehen, unter welchen Rahmenbedingungen die Banken arbeiten und – gerade aktuell – welchen Zwängen sie auch unterliegen.

Woher nehmen Sie Ihre Best Practices?

Accenture stellt ja nichts her, das ganze Kapital steckt in den Köpfen unserer Mitarbeiter. Deswegen investieren wir natürlich stark in Training und Weiterbildungsmaßnahmen. Wir haben ein eigenes Trainingszentrum in St. Charles in den USA. Auch wenn die Aufgaben beim Kunden immer unterschiedlich sind, erfindet man das Rad nicht jedes Mal neu. Vielmehr gehen wir strukturiert an die Aufgabe heran, bringen Methodenwissen ein und suchen mitunter auch global nach Erfahrungen mit bestimmten Aufgabenstellungen oder vergleichbaren Projekten. Wichtig ist dabei der Austausch mit Kollegen in aller Welt, denn durch dieses riesige Kompentenz-Netzwerk können wir für unsere Kunden einen Mehrwert erbringen.

Sie sind Partnerin bei Accenture – sind Sie in dieser Position allein unter Männern oder gibt es "weibliche Unterstützung"?

Ich habe schon lustige Situationen erlebt: Manchmal sind die Kunden erstaunt, dass sie es mit einer Frau als Projektleiterin zu tun haben. Ich habe den Eindruck, dass soe dann nach der ersten Überraschung oft denken: "Naja, sie ist eine Frau und sicher nett". Die Kunden sind dann manchmal überrascht, dass auch ich wie die männlichen Kollegen Härte zeige, wenn es denn der Sache dient. Ich wurde auch schon mal am Telefon für die Sekretärin gehalten und gebeten, für einen meiner Teamkollegen doch bitte einen Termin zu vereinbaren. Unsere Team-Events sind mitunter von eher "männlichen" Hobbys geprägt: Ich war zum Beispiel schon wirklich oft Kart fahren und bin mittlerweile recht erfolgreich darin.

Banking und IT sind eher von Männern dominierte Branchen. Man muss als Frau akzeptieren, dass es dort in manchen Situationen bestimmte männliche Verhaltensweisen gibt. Man kann das blöd finden, muss aber ein Stück weit mitspielen und die Regeln vor allem auch verstehen. Frauen tendieren dazu zu sagen: "Ich mache meinen Job gut, das wird dann schon gesehen und ich werde befördert." Männer gehen stärker in die Offensive, fordern Beförderungen ein und sind aktiver im Managen ihrer Karriere. Sie trommeln sich auch schon mal auf die Brust, um ihre Positionierung zu stärken. Ich sage meinen Kolleginnen immer: "Ihr könnt das doof finden, aber ihr müsst euch positionieren und ein Stück weit auch aktiv vermarkten, sonst werdet ihr nicht wahrgenommen."

Was tut Accenture, um den Frauenanteil zu steigern?

Das geht bei uns schon vor dem Einstieg los, indem wir zum Beispiel Recruiting-Events speziell für Frauen anbieten. Außerdem hat Accenture schon vor Jahren angefangen, flexible Arbeitszeitmodelle einzuführen, um die Bedürfnisse von Müttern und Vätern besser mit der Arbeit zu vereinbaren. Zusätzlich bekommen unsere Mitarbeiterinnen viel Coaching und Unterstützung zum Beispiel durch erfahrene Führungskräfte. Das "Partental Leavers Network" bietet hingegen Unterstützung beim Wiedereinstieg nach einer Familienpause.

Über noch mehr weibliche Kollegen würde ich mich freuen, damit ich nicht mehr so oft Kart fahren muss. Ich setze mich auch selber aktiv im Recruiting ein, indem ich über meine Arbeit als Beraterin informiere. Ich weiß noch, wie spannend es für mich war, als Bewerberin beim Auswahltag mit echten Beratern zu reden. Das hat mir einen authentischen Einblick in die Höhen und Tiefen der Beraterarbeit ermöglicht. Deswegen habe ich mir auf die Fahne geschrieben, zu informieren und zu erklären, was Accenture eigentlich macht.

Was war Ihr spannendstes Projekt?

Die Zusammenführung zweier Banken, weil ich das Projekt von der Stunde Null bis zum Go-Live mitgemacht habe. Das Projekt lief über zwei Jahre und war sehr herausfordernd. Wir haben eine sehr gute Kundenbeziehung aufgebaut und zusammen mit den beiden Banken eine vollständige Integration auf der IT-Seite begleitet. So ein Großprojekt muss man sich vorstellen wie einen Raketenstart: Es gibt Generalproben, alles wird viele Male durchgespielt. Wenn die Rakete dann abhebt, also wenn alles live geht, ist das ein großartiger Moment, für den sich die ganze Anstrengung vorher gelohnt hat.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit bei Accenture?

Ich habe mich damals für die Beratung entschieden, weil ich dachte, dass diese Arbeit sicher nie langweilig wird – man ist oft in anderen Städten, oft bei anderen Kunden. Das hat sich alles bewahrheitet. Es ist ein Job, der sehr herausfordernd ist. Man kann sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen und muss sich immer wieder neu beweisen. Ich bin nicht der Typ für Routine, das war mir immer zu langweilig. Ich finde es auch toll, dass ich mit Accenture schon so viel herumgekommen bin: Ich habe in Schweden, Schweiz, Österreich und in den USA gearbeitet. Und selbst wenn ich in Deutschland arbeite, sind Kunden und Kollegen aus vielen verschiedenen Nationen im Projekt dabei – das ist etwas, das mir sehr viel Spaß macht.

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