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Inkognito für innovative Therapien - 1. Teil

Quelle: freeimages.com, ccct

Alumna Aline ist 'Türkin auf Zeit' - für ein Projekt in ihrem Trainee-Programm bei Roche arbeitet sie in Istanbul. Mit der türkischen Arbeitsweise tut sie sich aber manchmal noch schwer. Denn da heißt es oft kurzentschlossen und pragmatisch handeln statt sorgfältig planen.

19. November 2011

Merhaba! Seit nunmehr drei Wochen bin ich also Türkin auf Zeit. Das klappt bisher ganz gut. Auf den Straßen Istanbuls gehe ich als Einheimische durch. Solange ich nicht angesprochen werde, falle ich nicht weiter auf und kann meine ersten Schritte in der 18-Millionen-Stadt Istanbul genießen. So werde ich angenehmerweise nicht von den fliegenden Händlern angesprochen, ob ich Stadtkarten, Halsketten oder ein Nazar-Amulett ("Blaues Auge", türkischer Talisman) kaufen möchte.

Spricht mich jemand an, fliegt meine Tarnung jedoch sofort auf. Mein rudimentäres Türkisch reicht leider noch nicht aus, um mich zu verständigen. Schnell wird mir klar, dass ich mit Englisch  im Supermarkt oder im Bus nicht sehr weit komme.

Um mir ein Ticket für die U-Bahn zu kaufen, schreibe ich mir einen Satz auf: "Istanbul kart alabilir miyim, lütfen?" ("Kann ich bitte eine Istanbul-Karte kaufen?") und stelle mich mit meinem Zettel in der Hand in die erstbeste Schlange der nächsten U-Bahn-Station. Ich sage meinen Satz auf, doch prompt antwortet mir der Verkäufer auf Englisch. Da habe ich wohl Glück gehabt, denn meist verstehe ich die Antworten ja gar nicht. Ich fasse den Beschluss, dass sich daran etwas ändern muss.

Eine Strategie für personalisierte Medizin umsetzen

Für drei Monate werde ich in der türkischen Vertriebseinheit ein Projekt im Rahmen meines Trainee-Programms "Management-Start-Up" bearbeiten. In meinen 18 Monaten bei Roche führten mich andere Projekte bereits in unterschiedliche Vertriebsabteilungen. Begonnen habe ich im Außendienst, anschließend leitete ich ein Projekt im Produktmanagement, in dem ich die Verantwortung für eine Produkt-Neueinführung hatte.

Außerdem habe ich einen neuen Verkaufsansatz erarbeitet, ein Krankenhaus zu seinen Prozessen beraten und ein Personalmarketing-Konzept erstellt. So gewann ich einen umfassenden Einblick in den deutschen Vertrieb. Für die türkische Länderorganisation werde ich nun die Umsetzung der Roche-Strategie für personalisierte Medizin in Marketing und Vertrieb erarbeiten.

Mit personalisierter Medizin ist gemeint, Behandlungen auf bestimmte Patientengruppen zuzuschneiden. Mit einem diagnostischen Test wird ermittelt, ob ein Patient für eine spezifische Therapie geeignet ist. Ist die Voraussetzung gegeben, sind die therapeutischen Erfolge durchschlagend. Roche verfolgt diese Strategie bereits seit Jahren, zum Beispiel in der Diagnostik und Therapie von Brustkrebspatienten. Das Therapeutikum Herceptin ist für Her2-positive Patienten wirksam. Die Tumoren dieser Patienten weisen ein Übermaß an Her2-Rezeptoren auf, die als Angriffspunkte für das Therapeutikum dienen, so dass der Tumor bekämpft werden kann.

Um unsere Kunden - Ärzte, Labor- und Krankenhausmitarbeiter - bestmöglich über neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten zu informieren, ist es essenziell, dass die beiden Roche-Divisionen "Pharma" und "Diagnostics" Hand-in-Hand arbeiten. Meine Aufgabe in der Türkei ist es. konkrete Kooperationsprojekte zwischen den beiden Partnern zu konzipieren, vorzubereiten und zu starten.

Pragmatisch handeln statt grundsätzlich planen

Schon die Abstimmung dieser Erwartungen und Aufgaben ist mit interkulturellen Hürden verbunden. Meine (vielleicht deutsche) Herangehensweise, zunächst ein Kick-off-Meeting mit allen Beteiligten zur Planung des Projekts einzuberufen, stieß nicht unmittelbar auf Gegenliebe. Stattdessen wird hier lieber kurzentschlossen telefoniert oder eine knappe E-Mail mit Aufgaben geschickt, wenn sie einem gerade einfallen.

Das ist sehr pragmatisch und spontan. Meinem anfänglichen Bedürfnis, einen Projektplan zu erstellen, widerspricht das allerdings deutlich. Also sammle ich alle Anfragen und nehme sie mit in das Meeting, welches nach mehrmaligem kurzfristigem Verschieben doch noch stattfindet. Wir besprechen eine Menge und der Umfang meines Projektes erweitert sich im Minutentakt.

Verständigungsprobleme habe ich in der Geschäftswelt nicht. Meine Kollegen sprechen alle ein sehr gutes Englisch - das liegt am türkischen Schulsystem. Will man "etwas werden", geht man bereits früh auf eine internationale und kostspielige Schule, zum Beispiel auf eine französisch, amerikanische oder auch deutsche. Der gesamte Unterricht findet hier in der entsprechenden Sprache statt, sodass die Absolventen diese fließend sprechen.

Aber auch wenn sie gut Englisch beherrschen, sprechen meine Kollegen generell lieber ihre Muttersprache. Besonders habe ich das beim Nationalen Pathologie-Kongress in Izmir zu spüren bekommen. Obwohl internationale Gäste anwesend waren, wurden Gespräche und Diskussionen auf Türkisch geführt. Dabei frage ich mich immer: Würden wir das in Deutschland auch so machen?

Moderne trifft auf Tradition

An den Wochenenden erkunde ich Istanbuls Vielfalt. Es treffen Moderne und Tradition in einer Weise aufeinander, die mich fasziniert. Zum einen ist das Stadtbild geprägt von mehrspurigen Straßen, manchmal sogar in zwei Etagen übereinander, die voll mit gelben Taxis sind. Es gibt große Einkaufszentren, hohe Bürgersteige, damit keine Autos darauf parken, und Coffee-to-go-Läden an jeder Ecke – für einen Moment habe ich den Eindruck, in einer amerikanischen Großstadt zu sein.

Wenn da nicht die andere Seite wäre: Kleine Auslagewagen mit Simit (= türkische Sesamkringel), die wie Schubkarren geschoben werden können, Maronenstände, meist ältere Männer beim Teetrinken vor ihren Geschäften und die vielen Fischer auf der Galatabrücke. Jedes Stadtviertel hat mindestens eine Moschee. Eine besondere Atmosphäre strahlt auf mich die Moschee Süleymaniye aus. Dank der Bemühungen, das kulturelle Erbe zu erhalten, ist in Istanbuls Sehenswürdigkeiten die osmanische Geschichte noch heute deutlich spürbar.

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Kommentare (2)

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  1. » Tagebuch (Roche): Osmanische Spontanität und weiße Überraschung – 3. Teil

    [...] Im ersten Teil berichtete Aline vom Projektstart und von ihrer Eingewöhnungszeit in der Türkei. [...]

  2. Cihan

    Aline, super Artikel! Freut mich, dass du diese wertvollen Erfahrungen in Istanbul machst. Ich weiß wie du dich fühlst :-) Letztes Jahr war ich im Rahmen meines dualen Studiums auch für drei Monate in Istanbul auf Projekt - mein Tipp im Umgang mit den Projektteilnehmern: Dein nächstes Kick-off machst du lieber in der Kantine bei Kurabiye (Gebäck) und Cay (Tee) oder beim Mittagessen, dort geht Business durch den Magen :-) Selam, Cihan

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