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Logistik auf türkische Art (2. Teil)

Mit Bosch in der Türkei [Quelle: Bosch]

Quelle: Kathrin Oesterle

Kathrin hat sich inzwischen in ihrer neuen Heimatstadt Bursa eingelebt. Doch sie lernt weiterhin neue Seiten der Türkei kennen: Bei Picknicks und einer lauten Jahresendfeier bemerkt sie immer wieder kulturelle Unterschiede. Doch auch ihr Job beschert ihr neue Erkenntnisse - zum Beispiel über unfreiwillige Last-minute-Logistik.

Alles ist weiß! Als ich nach meinem Weihnachtsurlaub in Istanbul lande, stelle ich fest, dass es hier richtig viel geschneit hat. Auf der Fähre nach Bursa, meiner momentanen Heimat, begleiten mich die Schneeflocken und ich freue mich auf den zweiten Teil meiner Zeit in der Türkei.

Gemeinsam gegen Last-minute-Aktionen

Nach gut zwei Monaten hier habe ich mich gut eingearbeitet und alle Prozesse der Beschaffungslogistik angesehen. Dabei habe ich unter anderem festgestellt, dass die Logistiker oft mit großem Aufwand Teile in letzter Sekunde beschaffen. Auf der anderen Seite fehlt dann die Zeit, um systematisch an den Ursachen für solche Engpässe zu arbeiten. Nun werden wir gemeinsam Lösungsstrategien für diese Probleme entwickeln. Ich bin schon gespannt, ob alles so klappt, wie ich mir das vorstelle.

Von wegen Weihnachtspause!

Planungsgeschick mussten wir auch am Jahresende beweisen: Weihnachten wird hier nicht gefeiert. Dementsprechend wird Ende Dezember weitergearbeitet und ganz normal produziert. Doch viele unserer Zulieferer haben ihren Sitz in westlichen Ländern und schließen ihre Fabriken während der Weihnachtszeit. Für uns ein Balanceakt: Einerseits benötigen wir auch in dieser Zeit ausreichend Teile, andererseits wollen wir unsere Lager nicht mit vorsorglichen Hamsterkäufen überfüllen. Also trafen wir im November und Dezember genaue Absprachen mit unseren Zulieferern und planten die Anlieferung zum Jahresende bis ins Detail. Interessant, wie sich unterschiedliche Religionen auf die tägliche Arbeit auswirken!

Weihnachtsfeier auf Türkisch

Auch wenn Weihnachten in der Türkei nicht gefeiert wird, gibt es stets eine Jahresendfeier. An deutsche Weihnachtsfeiern gewöhnt, erlebte ich einen - durchaus positiven - Kulturschock: Das Fest fand in einem sehr noblen Hotel statt und meine Kollegen kamen alle in Anzug oder Abendkleid. Trotz der überaus eleganten Kulisse war die Stimmung ausgelassen: Nach leckerem Essen und Ansprachen wurde laute (wirklich laute!) Musik aufgelegt. Und egal ob jung oder alt - alle fingen sofort an zu tanzen. Da brauchen wir in Deutschland doch ein bisschen mehr Zeit zum Aufwärmen.

Zwischen Stadtbummel und Winterwunderland

Maronenverkäufer Türkei [Quelle: Bosch]

In meiner Freizeit entdecke ich weiter die Umgebung meiner neuen Heimat. So bin ich vor einigen Wochen in die Seilbahn gestiegen, die in der Stadtmitte von Bursa startet. Nach 30 Minuten Fahrt stand ich plötzlich mitten in den Bergen - und das obwohl ich doch gerade noch in der Großstadt einkaufen war. Hier auf dem Berg Uludağ befindet sich eines der bekanntesten Skigebiete der Türkei. Wenn es weiter so schneit, werde ich mich hier bald mit Freunden zum Snowboarden treffen.

Kein Ausflug ohne Picknick

An einem anderen Wochenende habe ich einen Ausflug mit türkischen und deutschen Freunden zu dem Nationalpark "Yedigöller Milli Parki" gemacht. Dort liegen sieben Seen umgeben von Bergen mit Laubwäldern, die sich im Herbst wunderschön verfärben. Und da Picknicken Teil der türkischen Kultur ist, sahen wir dort unzählige Gruppen gemeinsam essen und trinken. Nur wir hatten nichts mitgebracht. Glücklicherweise gibt es überall Maronen- und Mais-Verkäufer. So mussten auch wir nicht hungrig heimkehren.

In den nächsten Wochen steht ein Wochenend-Trip mit türkischen Freunden sowie viel Besuch aus Deutschland an. Ich bin gespannt, was wir zusammen entdecken werden.

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