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"Wie, Deutsche Bank – bist du nicht Bauingenieur?"

Deutsche Telekom Duales Studium (© freshidea - Fotolia.com)

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e-fellow Oliver schlug nach seinem Studium des Bauingenieurwesens einen eher ungewöhnlichen Weg ein: Er absolvierte ein Trainee-Programm der Deutschen Bank in London und wurde dort in die Finanzwelt eingeführt. Ein Praktikum war der Ausgangspunkt.

Diese Frage höre ich noch heute immer wieder, und vor etwa drei Jahren hätte ich wohl genauso reagiert. Ich war damals im vierten Semester meines Studiums an der RWTH Aachen und kurz vor meinem Auslandsjahr am Imperial College London. Meinen ersten Kontakt mit der Deutschen Bank hatte ich etwa ein halbes Jahr später – an einer Uni, die auf Ingenieurwesen ausgerichtet ist und an der dennoch der Großteil der Studenten schon die Karriere im Investment Banking oder Consulting durchgeplant hat. Während man als Bauingenieur in Deutschland schon im Maschinenbau Probleme hätte, an ein Vorstellungsgespräch zu kommen, ist es in London nämlich absolut üblich, mit ingenieurwissenschaftlichem bzw. analytischem Hintergrund bei einer Bank einzusteigen.

Der erste Schritt – Summer Internship 2012

Der übliche Einstieg in sämtliche Unternehmensbereiche einer Investmentbank ist das Sommerpraktikum – ein klar strukturiertes etwa neunwöchiges Programm, in dem sich Trainingseinheiten, Rotationen an verschiedenen Desks und Networking-Events abwechseln. Außerdem wohnt man größtenteils zusammen im Wohnheim und hat so mehr als genug Gelegenheiten, gute Freundschaften und ein starkes Netzwerk zu bilden. Doch der Weg dahin ist nicht leicht – in meinem Jahr wurden von einigen 10.000 Bewerbern über verschiedene Tests und Interviewrunden nur etwa 100 ausgewählt. Besonders von den Gesprächen war ich allerdings positiv überrascht: So ging es nicht etwa um Fachwissen, sondern vielmehr um Persönlichkeit, Lebenslauf und Motivation. Es wurde schnell deutlich, dass die Deutsche Bank nach lernbereiten und vielfältigen Persönlichkeiten sucht und nicht nach Fachidioten. Das Konzept ist klar: Fachwissen kann man sich vergleichsweise schnell aneignen, die richtige Denkweise und nötige Methodenkompetenz nicht. Deshalb sind gerade Ingenieure hier sehr gerne gesehen!

Ich landete letztendlich im Bereich Commodities Pricing and Market Data, um dort von verschiedenen Quellen aggregierte Elektrizitäts- und Gaspreise analytisch auf ihre Konsistenz und Richtigkeit zu überprüfen. Ich konnte so meine Begeisterung für Finanzmärkte mit meinem technischen Hintergrund als Ingenieur und meiner Programmiererfahrung kombinieren, um ein Datenanalyse-Tool zu erstellen, das noch lange nach meinem Verlassen benutzt wurde. Allein dies zeugt von dem Vertrauen, das einem Kollegen und Vorgesetzte schon vom ersten Tag an entgegen bringen.

Endlich Berufseinstieg – Global Analyst Training Program 2013

Mit dem Jobangebot für 2013 in der Tasche ging es für mich dann nach einem erlebnisreichen Jahr in London nur noch zurück nach Aachen, um die letzten Klausuren und meine Bachelor-Arbeit hinter mich zu bringen, bevor ich einige Monate später schon wieder nach London zurückkehrte. Die nun folgenden sechs Wochen sollten ein Erlebnis werden, das ich wohl so schnell nicht mehr vergessen werde.

Über 500 Deutsche-Bank-Trainees aus aller Welt kamen nämlich für das Einführungstraining in London zusammen, das sich wohl am besten als eine Mischung aus Klassenfahrt, Teambuilding-Event und Uni-Seminar beschreiben lässt. Die erste Aufgabe folgte schon in der ersten Stunde: Es galt, unter über 500 Unbekannten nur anhand einer Nummer seine weiteren Teammitglieder auszumachen. Dabei standen uns alle Möglichkeiten offen: Zögerliches Flüstern artete schnell in Schreien, Lautsprecherdurchsagen und Schildermalen aus, und spätestens hier wurde klar, dass in den nächsten Wochen wohl jeder der Teilnehmer aus seiner Komfortzone kommen müsste. Es folgten spaßige und vor allem lehrreiche Wochen und sogar eine persönliche Begrüßung von CEO Anshu Jain und vielen weiteren Mitgliedern des Senior Managements. Durch Seminare, Planspiele und verschiedenste Aufgaben mit immer wieder wechselnden Teams hat es das Trainingsteam der Deutschen Bank geschafft, dass man tatsächlich mit einem Großteil der Trainee-Klasse zumindest mal ein paar Stunden zusammengearbeitet hatte – und dabei nicht zuletzt die Grundlagen der Finanzmathematik und der Organisation Deutsche Bank gelernt hat.

Die ungewöhnliche, aber richtige Entscheidung

Mittlerweile bin ich auf der zweiten meiner beiden Trainee-Rotationen – zwischendurch gab es nochmal ein einwöchiges Training – und immer noch absolut von meiner Entscheidung überzeugt. Das Programm gibt mir die Chance, zwei komplett verschiedene Unternehmensbereiche absolut unverbindlich auszuprobieren: Nach meiner ersten Rotation als Portfoliomanager in der Strategieabteilung bin ich nun als Business Analyst zurück auf dem Trading Floor, um Hedgefonds-Trades zu untersuchen, für das Business statistisch aufzuarbeiten und die Performance zu optimieren.

So verschieden die Rollen und Teams doch sind, so gleich ist die Atmosphäre: Gerade durch eine so große Vielfalt an universitären und kulturellen Hintergründen entsteht unter Kollegen eine Dynamik, die ich sonst noch nirgendwo so erlebt habe. Es gibt kaum ein Thema, das nicht irgendjemand zu seinem Vorwissen in Bezug setzen und dadurch eine sinnvolle Idee in die Diskussion einbringen kann, ob nun als Kunsthistoriker oder als Physiker. Dabei spielt auch die Seniorität im Unternehmen keine Rolle – gerade als Trainee braucht man hier absolut keine Scheu zu haben, mit den Management-Reihen in Kontakt zu treten. Meine Einladung zum Kaffee hat bisher noch niemand abgelehnt!

Abschließend kann ich nur jedem raten, sich bei der Berufswahl nicht nur auf die konventionellen Optionen zu beschränken. Meine anfänglichen Zweifel bezüglich Branche und Ort haben sich im Nu in Begeisterung gewandelt, und nach dem Trainee-Programm werden mir national und international viele Wege offenstehen. Gerne stehe ich euch für Fragen zur Verfügung – und schaut doch einfach mal vorbei, wenn ihr in London seid!

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