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Was du über Betriebswirtschaft wissen musst

Quelle: freeimages.com, Autor: lusi

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'BWL-Grundkenntnisse' stand in der Stellenanzeige für deinen Traumjob, und morgen ist das Vorstellungsgespräch. Doch wie war das gleich mit dem Maximalprinzip? Und was ist noch mal ein 'stakeholder'? Eine kleine Einführung - oder Auffrischung.

Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) und die Volkswirtschaftslehre (VWL) sind die beiden Hauptdisziplinen der Wirtschaftswissenschaften. Die Modelle und Methoden der Wirtschaftswissenschaften basieren auf dem Grundsatz, dass Mittel und Waren nicht unbegrenzt verfügbar sind.

Die BWL hat insbesondere das Ziel, Unternehmen bei der Durchführung ihrer betriebswirtschaftlichen Aufgaben zu unterstützen. Sie umfasst den gesamten Prozess unternehmerischer Tätigkeiten von der Planung über die Organisation und die Steuerung bis hin zur Durchführung und Kontrolle.

Mit der Aufteilung in die allgemeine und zahlreiche spezielle Betriebswirtschaftslehren werden die einzelnen Disziplinen der BWL formal voneinander unterschieden. Die ganzheitliche Betrachtung betriebswirtschaftlichen Handelns bleibt aber die wichtigste Aufgabe jeder Unternehmensführung. 

Was ist allgemeine Betriebswirtschaftslehre?

Die allgemeine Betriebswirtschaftslehre (ABWL) ist unabhängig von speziellen unternehmerischen Funktionen oder der Anpassung an die Anforderungen in verschiedenen Branchen. Sie beschäftigt sich mit den übergreifenden Zusammenhängen der verschiedenen Fachbereiche und unterstützt so die Entscheidungsfindung im Unternehmen.

Was ist spezielle Betriebswirtschaftslehre?

Die speziellen Betriebswirtschaftslehren (SBWL) beschäftigen sich mit den individuellen Anforderungen verschiedener Unternehmensbereiche oder -typen.

Die Unternehmensbereiche grenzen die einzelnen Funktionen im Unternehmen branchenübergreifend voneinander ab (zum Beispiel Finanzwirtschaft, internes und externes Rechnungswesen, Produktionswirtschaft, Marketing, Unternehmenspolitik, Informationsmanagement, Personalwesen etc.). Bei der Ausrichtung nach Unternehmenstypen werden alle Funktionen einer bestimmten Branche durchgängig behandelt (zum Beispiel  Handelsbetriebslehre, Industriebetriebslehre, Verwaltungsbetriebslehre, Bankbetriebslehre, Versicherungsbetriebslehre etc.).

Ökonomisches Prinzip

Das ökonomische Prinzip beschreibt die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, die nötigen Mittel zur Erreichung der Unternehmensziele möglichst ideal einzusetzen. Die Ziele (zum Beispiel Nutzen-, Gewinn-, Umsatzsteigerung et cetera) können auf verschiedene Art und Weise erreicht werden:

  • Minimalprinzip: Bei vorgegebenem Ziel ist der Mitteleinsatz so gering wie möglich zu halten.
  • Maximalprinzip: Bei vorgegebenem Mitteleinsatz ist das höchstmögliche Ziel zu erreichen.
  • Optimalprinzip: Weder das zu erreichende Ziel noch die verfügbaren Mittel sind fest vorgegeben. Die Auswahl der besten Handlungsalternative erfolgt über eine Funktion, die die anfallenden Kosten dem erzielbaren Nutzen gegenüberstellt.

Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre 

Logistik

Die Logistik beschäftigt sich mit den Waren- und Informationsflüssen zwischen Lieferanten (Beschaffungsmarkt), Produktion, Lagern und Kunden (Absatzmarkt). Ebenso sind Abfallentsorgung und Recycling ein wichtiges Aufgabengebiet dieser Teildisziplin. Grosvenor Plowman hat mit der Formulierung der so genannten "Seven Rights" eine bekannte Kurzdefinition der Logistik formuliert: Es gilt, das richtige Gut in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für den richtigen Kunden und zu den richtigen Kosten bereitzustellen.

Produktionswirtschaft

Die Produktionswirtschaft behandelt die Planung und Steuerung von Produktionsprozessen sowie deren vor- und nachgelagerte Aufgaben, wie etwa die Bedarfsplanung oder  Qualitätskontrolle. Im Allgemeinen unterscheidet diese SBWL nach der Art der Produkterzeugung zwischen Fertigungs- und Prozessindustrie. In der Fertigungsindustrie werden Produkte in der Regel durch die Montage einzelner Bauteile hergestellt (zum Beispiel Autoindustrie, Maschinenbau et cetera). Die Prozessindustrie erzeugt Waren im Zuge  durchgängiger Produktionsprozesse, die als Ergebnis stets eine bestimmte Menge, wie etwa Gewicht oder Volumen, eines Produktes haben (zum Beispiel Chemie-, Stahl-, Pharmaindustrie et cetera).

Marketing

Das Marketing setzt sich zum Ziel, betriebswirtschaftliche Entscheidungen optimal an den Anforderungen des Marktes auszurichten. Im so genannten Marketing-Mix werden die langfristig geplanten Vorgaben in konkrete Aktivitäten betreffend Produkt (product), Preis (price), Kommunikation (promotion) und Distribution (placement) umgesetzt. Mit der steigenden Bedeutung des Dienstleistungssektors wurde der klassische Marketing-Mix um die Perspektiven Personal, Prozesse und physisches Umfeld erweitert, um die besonders in diesem Industriesektor relevanten Aspekte zu erfassen.

Finanzwirtschaft

Die Finanzwirtschaft beschäftigt sich mit drei wichtigen Aufgaben unternehmerischen Handels: Beschaffung von Kapital, Investition und Risikomanagement. Bei der Finanzierung von Unternehmenszielen kommen zum einen der Absatzmarkt für die eigenen Produkte, aber auch die Mittel des Kapitalmarkts zum Einsatz. Durch die finanzielle Bewertung von  Investitionsalternativen werden Entscheidungshilfen gegeben, wie das Kapital des Unternehmens optimal eingesetzt werden kann. Im Rahmen des Risikomanagements erfasst und bewertet die Finanzwirtschaft die Risiken des unternehmerischen Handels, wie etwa Kredit- und Anlagerisiken, Umweltrisiken oder auch Produkt- und Absatzrisiken. Nach nationalem und internationalem Gesetz (zum Beispiel Aktiengesetz, Sarbanes-Oxley-Act – SOX et cetera) sind zahlreiche Unternehmen gesetzlich verpflichtet, durch gezieltes Risikomanagement den Fortbestand des Unternehmens abzusichern.

Internes und externes Rechnungswesen

Im Rechnungswesen werden Methoden und Werkzeuge entwickelt und benutzt, die es ermöglichen, Finanzströme innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu erfassen und einzelnen Situationen und Positionen zuzuordnen. Das interne Rechnungswesen bildet mit der Kosten- und Erlösrechnung die Grundlage zur Steuerung und Kontrolle unternehmensinterner Leistungserbringung durch das Unternehmenscontrolling.

Das externe Rechnungswesen unterliegt meist handels- und steuerrechtlichen Anforderungen (zum Beispiel Handelsgesetzbuch – HGB, International Financial Reporting Standards – IFRS et cetera) und dokumentiert die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens für Außenstehende. Die wichtigsten Elemente des externen Rechnungswesens sind die Bilanz sowie die Gewinn- und  Verlustrechnung.

Unternehmenspolitik

Mit der Unternehmenspolitik legt ein Unternehmen fest, auf welchen Gebieten es tätig ist und welche Verhaltensgrundsätze für diese Tätigkeiten gelten müssen. Die wichtigste Aufgabe der Unternehmenspolitik besteht darin, den verschiedenen Interessen von Eigentümern (englisch "shareholder") und anderen Anspruchstellern (englisch "stakeholder"; zum Beispiel Angestellte, Kunden, Lieferanten et cetera) gerecht zu werden. In jüngster Vergangenheit sind die Aufgaben der Unternehmenspolitik unter dem Begriff "Corporate Governance" in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt.

Organisation und Personalwesen

Das Organisationsmanagement beschäftigt sich mit der Aufbau- und Ablauforganisation eines Unternehmens, in neuerer Zeit auch mit der Systemkonfiguration. Die Aufbauorganisation, zum Beispiel visualisiert durch ein Organigramm, legt fest, wie einzelne Arbeitsschritte im Unternehmen aufgeteilt werden. Die wichtigsten Bausteine der Aufbauorganisation sind dabei unter anderem  Betriebsstätten und Werke, aber auch kleinere Einheiten wie etwa Abteilungen, Stabsstellen oder Berichtslinien.
Die Ablauforganisation bestimmt und optimiert die Koordination zwischen den Organisationseinheiten zur Erstellung der gesamtbetrieblichen Leistungen. Die resultierende Form von Aufbau- und Ablaufstruktur hat wiederum großen Einfluss auf die Gestaltung und Anpassung der Systemkonfiguration.

Die Systemkonfiguration definiert, welche Arbeitsmittel den einzelnen Einheiten der Aufbauorganisation zur Verfügung stehen und legt fest, wie die Ablauforganisation dadurch unterstützt wird (zum Beispiel durch Kommunikations- und Informationssysteme). Die Hauptaufgaben des Personalwesens liegen in der Personalführung (Personalplanung und -entwicklung, Kommunikation etc.) und der Personalverwaltung (Personaleinsatz und -betreuung, Lohn- und Gehaltswesen etc.). Auch diese Disziplin der BWL unterliegt zahlreichen Gesetzen und Regelungen. International agierende Unternehmen müssen sich dabei mit einer Vielzahl unterschiedlicher Bestimmungen auseinandersetzen, um eine gleiche und faire Behandlung der Mitarbeiter zu gewährleisten.

Informationsmanagement

Informationsmanagement ist einer der am stärksten wachsenden Bereiche in heutigen  Unternehmen. Das Informationsmanagement bekommt insbesondere dann großes Gewicht, wenn es darum geht, Informationen und Daten aus verschiedenen Bereichen und den dort genutzten Informations- und Anwendungssystemen innerhalb eines Unternehmens oder zum Beispiel auch nach Fusionen allgemein zugänglich und auswertbar zu machen.

Die drei Kerninformationstypen, die zur Steuerung eines Unternehmens benötigt werden, sind:

  • Informationen, die eine Aussage über die Zielerreichung der Unternehmensstrategie ermöglichen;
  • Informationen, die zur Erfüllung rechtlicher und anderer Verpflichtungen dienen;
  • Informationen, die die Mitarbeiter des Unternehmens benötigen, um ihre täglichen Aufgaben optimal zu erfüllen.

Das Informationsmanagement ist eine der wichtigsten Querschnittfunktionen im Unternehmen, da es insbesondere durch die Bereitstellung der Informations- und Systeminfrastruktur die Arbeitsgrundlage für die meisten anderen Unternehmensbereiche schafft.

Mit dem Informationsmanagement wird unternehmensweit festgelegt, wie und wo Informationen gespeichert werden, wer Zugang zu diesen Informationen braucht und bekommt und welche Werkzeuge zur Analyse und Nutzung der Daten bereitgestellt werden.

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