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Ich will da rein!

Beratung Beraterin Frau Laptop Consulting [Quelle: Unsplash.com, rawpixel.com]

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Die Jobchancen in Beratungen sind gut, sagen Experten. Aber die Arbeit ist oft hart. Was Einsteiger jetzt wissen müssen.

Gibt es freie Stellen?

Ja. Die Beraterbranche wächst, Mitarbeiter werden überall gesucht. Matthias Loebich, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU), sagt: "Die Einstiegschancen sind so gut wie selten zuvor." Der Grund dafür: Big Data, künstliche Intelligenz und smarte Maschinen. Die Digitalisierung stellt ganze Branchen auf den Kopf. Was vielen betroffenen Firmenchefs Sorgen bereitet, lässt die Beratungen florieren. Sie erklären den Unternehmen, wie diese von der Digitalisierung profitieren können, statt von ihr zerstört zu werden. Den größten Bedarf gibt es entsprechend zu IT-Fragen: Intelligente Datenanalyse, neue Infrastrukturen oder Datensicherheit sind Themen, zu denen sich Firmen beraten lassen.

Was muss ich können?

Bisher hatten Betriebswirtschaftler und Juristen die besten Chancen, in Beratungen unterzukommen. Das ändert sich gerade. Früher kamen zwei Drittel der Nachwuchsberater aus der Wirtschaftswissenschaft, heute sind es nur noch 44 Prozent, meldet der BDU. Besonders gefragt sind stattdessen Informatiker, Statistiker oder Mathematiker. Auch Ingenieure mit Managementwissen können punkten sowie Handels- und Verkaufspsychologen, die sich mit dem Design von Produkten auskennen. Wer BWL oder VWL studiert, kann versuchen, zusätzlich einige Statistikkurse zu belegen. Grundsätzlich gilt: "Wer sich bei einer Top-Beratung bewerben will, sollte überdurchschnittliche Noten haben", sagt Matthias Loebich. Hilfreich seien auch Sprachkurse oder ein Ehrenamt und praktische Berufserfahrung, gerade in der Branche, auf die man sich später spezialisieren wolle.

Was verdiene ich da?

Wer mit einem Bachelorabschluss startet, kann laut BDU mit einem Einstiegsgehalt von 33.500 bis 41.000 Euro rechnen. Wer einen Master hat, verdient zwischen 36.000 und 55.000 Euro. Je größer die Beratungsfirma, desto höher ist oft das Gehalt. Zudem unterscheide sich das Einkommen stark nach der Tätigkeit, sagt Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Und: Hinzu kommen oft Boni in Höhe von rund 20 Prozent des Gehalts, je nach Erfolg der Projekte.

Wie sind die Arbeitsbedingungen?

Beratungen sind nicht gerade für eine entspannte Arbeitsatmosphäre bekannt. Insbesondere von Einsteigern werde erwartet, dass sie ständig für den Kunden und ihr Team erreichbar sind, sagt Dietmar Fink: "Wer über Stress oder zu wenig Freizeit klagt, wird aussortiert." Die Arbeitstage beginnen bei großen Beratungen oft um acht Uhr morgens und enden manchmal erst zwischen 20 Uhr abends und Mitternacht. Damit ein Projekt pünktlich fertig wird, müssen Mitarbeiter auch mal ihren Urlaub absagen. Dazu kommt das viele Reisen, weil Berater in Unternehmen in ganz Deutschland und im Ausland tätig sind. Was anfangs reizvoll wirkt, wird schnell zur Belastung.

Wie geht man mit dem Stress um?

Viele Berater nehmen Abstriche beim Privatleben in Kauf. Unter vier Augen sagt etwa eine Frau, die in leitender Funktion bei einer großen Beratungsfirma arbeitet: Sie habe schon einige Junggesellinnenabschiede von Freundinnen mit dem Laptop auf dem Schoß verbracht. Noch sei sie kinderlos, aber sie würde es für ihren Job in Kauf nehmen, ihrem Kind Gutenachtgeschichten via Skype vorzulesen. Das öffentlich sagen, mit ihrem Namen oder dem ihrer Firma? Das ist ihr dann doch zu viel – und dem Pressesprecher ihrer Beratungsfirma auch. Die Arbeitsbedingungen würden der Branche zunehmend zum Verhängnis, sagt Dietmar Fink: "Viele talentierte Absolventen entscheiden sich für einen Job mit geregelten Arbeitszeiten." Unternehmensberatungen versuchen, sich zu verändern, erlauben ihren Mitarbeitern Homeoffice-Tage und konferieren per Video oder Telefon, um Reisen zu vermeiden. Doch grundsätzlich werden die Belastungen wohl nicht weniger werden. Große Beratungen entwickeln heute nämlich nicht mehr nur Strategien, sondern setzen sie direkt im Unternehmen um. Und das erfordert die Präsenz der Berater vor Ort.

Wie schnell mache ich Karriere?

Das hängt davon ab, ob man in der Beratung nach oben will oder sie als Sprungbrett nutzt, um nach einigen Jahren in eine andere Branche zu wechseln. Letzteres sei in Unternehmensberatungen durchaus üblich und gewollt, sagt Fink. Durch Nachbesetzungen freier Stellen kommen die Beratungen immer wieder neu an motivierte Arbeitskräfte. Zahlen des Marktforschungsinstituts Lünendonk zeigen, dass im Schnitt rund vier von zehn Mitarbeitern, die die Beratung verlassen, zu einem Kunden gehen, den sie vorher beraten haben. Weitere 35 Prozent wechseln in eine Stelle außerhalb der Branche. Wer zuerst in eine Beratung geht, aber danach in die Industrie möchte, sollte sich früh auf eine Branche spezialisieren, rät Fink. In der Beratung Karriere zu machen sei schwieriger geworden: "Früher konnte man in fünf Jahren zum Partner aufsteigen, heute dauert es bisweilen doppelt so lang."

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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