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Consulting Beratung Berater Laptop Arbeit [Quelle: Unsplash.com, Andrew Neel]

Quelle: Unsplash.com, Andrew Neel

Work-Life-Balance? Egal. Mittagspause? Brauch ich nicht! Warum junge Berater viel für ihren Job opfern – und wann es selbst ihnen zu krass wird

Der Einsteiger

Seit drei Jahren arbeitet Martin, 30, bei einer großen internationalen Strategieberatung. Er heißt eigentlich anders, aber er möchte offen sprechen können – und nicht erkannt werden. Von Montag bis Donnerstag ist er beim Kunden, oft im Ausland. Wir sprechen mit Martin per Skype: Ein persönliches Treffen unter der Woche ist schwierig, der Feierabend unberechenbar.

"Ich hatte mal ein Projekt, für das ich drei Monate lang mehrere Tage pro Woche bis drei Uhr nachts gearbeitet habe. Viel länger hätte ich das nicht mitgemacht. Zum Glück sind solche Projekte die Ausnahme. Meistens ist bereits gegen Mitternacht Schluss. Viele meiner Kollegen schlafen an den Wochenenden sehr viel, weil sie sonst die Arbeit nicht aushalten würden. Ich mache das nicht, weil ich nicht will, dass mein Privatleben unter meinem Job leidet. Am Wochenende treffe ich meine Familie, Freunde und meine Freundin.

Trotzdem bin ich bereit, für meinen Job Abstriche zu machen. Einmal zum Beispiel wollte ich mit meinen Kumpels nach Amsterdam fahren. Einen Tag vorher musste ich absagen, weil unser Kunde eine Präsentation haben wollte. Natürlich ärgert mich das, aber so ist dieser Beruf nun mal. Das ist gerade für meine Freundin nicht einfach. Anfangs vergaß ich oft, mich bei ihr zu melden, weil ich so in die Arbeit versunken war. Da haben wir viel gestritten. Inzwischen mache ich alles, um den Job und die Beziehung zu vereinbaren. Kündigen würde ich für die Beziehung trotzdem derzeit nicht: Ich will die Zeit, bevor ich eine Familie habe, nutzen, um beruflich möglichst viel zu erreichen. Denn ich würde mich sehr ärgern, wenn ich bis Mitte 40 meine beruflichen Ziele nicht erreiche, nur weil ich zu viele Abende im Biergarten verbracht habe.

Der Erfolg im Beruf ist mir sehr wichtig. Einerseits wegen des Gehalts: Ich verdiene knapp 130.000 Euro im Jahr, inklusive Boni, und will mir einfach keine Sorgen um Geld machen müssen. Andererseits, weil ich vor allem einen Job machen will, bei dem ich viel lerne und der Relevanz hat. Als Berater bastelt man zwar oft Präsentationen, aber man diskutiert eben auch schon am Anfang der Karriere mit Vorständen und Topmanagern. Es erfüllt mich, wenn ich dann morgens in der Zeitung die Schlagzeile lese und sagen kann: Daran habe ich mitgewirkt.

Letztlich geht es mir auch um Status. Ich wäre unzufrieden in einer kleinen Firma, die keiner kennt, auch wenn ich dort weniger arbeiten müsste. Dann würde ich mich viel mehr fragen, welchen Sinn meine Arbeit eigentlich hat."

Die Umsteigerin

Sonja Houben, 30, ist seit 2017 freiberufliche Strategie- und Marketingberaterin. Sie hat sich für diese Form des Arbeitens entschieden, um zu Kunden auch mal Nein sagen zu können. Vorher war sie im Inhouse-Consulting bei DriveNow und bei der Beratung Batten & Company.

"Mit Geschäftsführern über die Trends in ihrer Branche diskutieren, am Ende eines Projekts eine neue Strategie für eine Firma vorstellen und erleben, wie das die Mitarbeiter motiviert: Für mich gibt es im Job kaum Befriedigenderes. Ich mag die Abwechslung, die verschiedenen Unternehmen, dass kein Projekt dem anderen gleicht, und das Reisen. Darum finde ich es auch okay, viel zu arbeiten.

Wenn man beruflich etwas erreichen will, muss man auch etwas dafür tun. Als Berufseinsteigerin habe ich manchmal bis zu 15 Stunden pro Tag gearbeitet, heute sind es oft zehn bis zwölf Stunden. Die Stundenanzahl ist für mich nicht so entscheidend, sondern, dass meine Arbeit sinnvoll ist und für Unternehmen einen Mehrwert liefert. Das spornt mich an. Aber ich setze mir auch Grenzen. Wenn ich nach dem Arbeitstag ins Hotel komme, könnte ich dort weiterarbeiten, aber das habe ich mir abgewöhnt. Ich gehe essen, lese und genieße es, Zeit für mich zu haben.

Drei bis vier Tage pro Woche bin ich in der Regel nicht zu Hause. Mein Partner hat Verständnis dafür, er war früher selbst Berater. Es hat auch Vorteile, wenn man sich nicht jeden Tag sieht. Die gemeinsame Zeit bleibt so immer etwas Besonderes.

Seit ich freiberufliche Beraterin bin und nicht mehr in einer großen Firma arbeite, habe ich einen Vorteil: Ich kann mir meine Projekte selbst aussuchen. Ich habe mal eines abgelehnt, das gut bezahlt war, aber mich inhaltlich nicht gereizt hat. Stattdessen habe ich mich für ein Projekt entschieden, das zwar einen geringeren Tagessatz hatte, dafür aber spannend und vor Ort war. Nach einer sehr stressigen Phase nehme ich mir ein paar Wochen frei. Das ist wichtig, sonst würde ich diesen Job nicht durchhalten.

Am Ende ist es eine persönliche Entscheidung, wie viel man arbeiten will. Aber klar ist: Wer jede Minute, die über eine 38-Stunden-Woche hinausgeht, als Belastung empfindet, wird als Unternehmensberater nicht glücklich.

Natürlich gab es auch Phasen, in denen ich daran gezweifelt habe, ob sich die ganze Arbeit lohnt. Zum Beispiel kann ich nicht langfristig einen Urlaub mit Freunden planen und muss auf ein regelmäßiges Hobby verzichten. Sollte ich irgendwann Kinder wollen, werde ich die Vor- und Nachteile des Jobs neu abwägen. Jetzt ist der Job genau das Richtige für mich."

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