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"Angst zu haben bringt nichts"

Politiker [Quelle: Unsplash.com, Wil Stewart]

Quelle: Unsplash.com, Wil Stewart

An der Uni lernen angehende Staatsanwälte Fallbeispiele auswendig. Im Beruf müssen sie Kinderpornos anschauen und werden bedroht. Wie gehen sie damit um?

"Manchmal habe ich die Befürchtung, dass Leute handgreiflich werden"

"Als ein Mann auf dem Flur vor meinem Büro Mülleimer umgeworfen und gegen sämtliche Türen geschlagen hat, wurde mir zum ersten Mal etwas mulmig. Er wollte eine Anzeige erstatten, dabei war das, was er mir schilderte, gar keine Straftat. Der Mann sah das nicht ein und wurde furchtbar wütend. Erst die Justizwachmänner konnten ihn unter Kontrolle bringen. Auf solche Situationen bereitet einen die Uni nicht vor. Da habe ich gelernt, wie ich juristisch argumentiere, aber nicht, wie ich damit umgehen soll, wenn ich selbst angegangen werde.

Während des Studiums hatte ich die Vorstellung, dass man als Staatsanwältin hauptsächlich am Schreibtisch sitzt und die Entscheidungen schriftlich rausgehen. Aber es ist ganz normal, dass zwei- bis dreimal die Woche Betroffene in meinem Büro stehen, weil sie ihren Unmut kundtun wollen. Etwa bei Kontopfändungen oder wenn bei einer Anzeige das Verfahren eingestellt wurde. Die meisten fangen gleich an zu erzählen und erwarten von mir, dass ich den Sachverhalt sofort im Kopf habe. Da passiert es schon mal, dass ich als 'blöde Kuh' beschimpft werde. Manchmal habe ich die Befürchtung, dass die Leute handgreiflich werden. Passiert ist das aber noch nie. Wenn ich Personen zur Vernehmung lade, bei denen ich schon weiß, dass sie schwierige Kandidaten sind, schaue ich, dass männliche Kollegen in der Nähe sind und ihre Bürotüren offen haben. Ohnehin wird jede Person an der Pforte kontrolliert. Es ist also ausgeschlossen, dass jemand eine Waffe mitnimmt.

Ich habe erst mit der Zeit gelernt, diese Wut nicht persönlich zu nehmen. Als Staatsanwältin handle ich im Namen des Staates und nicht als Privatperson. Die Leute schimpfen genau genommen auf die Gesetze. Manche Beleidigungen nehme ich trotzdem mit in den Feierabend. Da hilft es, am nächsten Tag mit Kollegen in Ruhe drüber zu sprechen. Auch wenn ich den Bürgerkontakt nicht erwartet habe, finde ich ihn gut. Denn wenn Leute zu mir kommen, will ich ihnen auch Rede und Antwort stehen. Und es zwingt mich, dabei meine Entscheidungen zu überdenken. Denn es wäre überheblich zu sagen, dass diese immer zu einhundert Prozent richtig sind."

Katharina Krieg, 32, bearbeitet seit Jahresbeginn in der Allgemeinen Abteilung der Staatsanwaltschaft Dortmund Fälle zu Raub oder Internetkriminalität. Später möchte sie in der Abteilung für Wirtschaftsrecht arbeiten.

"Besonders nehmen mich die Fälle von missbrauchten Säuglingen mit"

"Bevor ich von der Allgemeinen Abteilung in die Jugendabteilung wechselte, die auch Kinderpornografie aufklärt, hat mir mein Vorgesetzter eine Mappe mit Bildern und Screenshots mitgegeben. Ich sollte mir überlegen, ob ich mit diesem Material täglich zu tun haben will. Ich hatte keine Vorstellung davon, was auf mich zukommt, mit Sexualdelikten hatte ich im Studium nichts zu tun. Ich war fassungslos, als ich sah, dass es nicht nur um Nacktfotos geht, sondern auch um Videos, in denen Kindern Finger und Gegenstände eingeführt werden. Dennoch traute ich mir das zu. Ich entschied mich für die Stelle.

Auch wenn ich mittlerweile seit mehr als zwei Jahren diese Bilder sehe, bin ich nicht abgestumpft. Besonders nehmen mich Fälle von Säuglingen mit, die missbraucht werden. Manche sind erst drei oder vier Monate alt. Das Alter der Kinder zu schätzen ist nicht leicht. Aber für die Ermittlungen ist das wichtig, weil das Alter des Opfers Einfluss auf das Strafmaß hat. Auch die Menge an Material, die der Täter besitzt, ist entscheidend. Es macht einen Unterschied, ob er in 20 Jahren nur ein paar Bilder runtergeladen hat oder jede Woche 50 Videos anschaut.

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