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Partner werden - will ich das wir­k­lich?

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Partnerschaft in der Großkanzlei: Für die einen das Karriereziel schlechthin, viele andere sind sich da nicht so sicher. Wie man herausfinden kann, ob man sich als Equity-Partner eignet, erklärt Karriereberaterin Carmen Schön im Interview.

Wie ist Ihr Eindruck, Frau Schön: Ist die Partnerschaft in einer großen Kanzlei immer noch das Karriereziel schlechthin für Juristen?

Eine Equity-Partnerschaft ist ungebrochen attraktiv, denn der Status vermittelt natürlich das Gefühl, dass "man es geschafft" hat. Allerdings hat sich das über die letzten zehn Jahre durchaus abgeschwächt. Viele Associates - nicht nur wie oft behauptet Frauen, sondern auch Männer - wollen den Partnerstatus nicht erreichen und streben ihn gar nicht erst an.

Wie findet man heraus, ob man tatsächlich Partner werden will oder nicht?

Bei der Überlegung, ob man Partner werden will, geht es im Prinzip um die Frage, welchen Beruf jemand ausüben möchte. Wer einen zufriedenen Job-Alltag anstrebt, sollte seine Werte dort verwirklichen können. Das ist umso wichtiger, als der Anwaltsberuf sehr zeitintensiv ist und viel Raum im Leben einnimmt.

Was hat es mit diesen Werten auf sich?

Im Coaching bezieht man sich oft auf die sogenannten Lebensmotive von Steven Reiss. Das sind 16 psychologische Bedürfnisse, welche unsere Persönlichkeit bestimmen und unsere Antriebs- und Wertestruktur bilden, beispielsweise "Macht", "Unabhängigkeit" oder auch "Status". Menschen, die zum Beispiel besonders statusorientiert sind, verfolgen das Ziel, sich mit einem hohen sozialen Status zu identifizieren und drücken dies über Kleidung, Verhalten oder eben auch berufliche Positionen aus.

Es gibt aufwändige Tests, mit denen man herausfinden kann, welche Motive für einen selbst wichtig sind. Aber eigentlich würde es schon genügen, sich mit den Motiven und ihrer Bedeutung auseinanderzusetzen, wenn es um die Entscheidung für oder gegen die Partnerschaft geht.

Welches sind die wichtigsten dieser Motive für einen angehenden Equity-Partner?

Ich denke, die wesentlichen Triebfedern sind vor allem Status und Geld. Eine Partnerschaft geht mit einem gewissen sozialen Status einher, sowohl innerhalb der Kanzlei als auch in der Gesellschaft. Das war und ist für viele Männer und Frauen gleichermaßen wichtig. Die entscheidende Frage aber ist, ob jemand die Rolle überhaupt erfüllen kann oder will. Und dann ist der Verdienst als Equity-Partner natürlich deutlich höher, was auch sehr attraktiv sein kann.

Allerdings ist der Generation Y Geld und Status weniger wichtig als ihren Vorgängern. Damit fallen also zwei wichtige Motive weg, die Anwälte in die Partnerschaft locken.

Gibt es andere Motive, die das kompensieren könnten?

Ein weiteres Motiv könnte man mit "an der Front stehen" umschreiben. Equity-Partner sind die Erste Garde in der Kanzlei, sie üben wichtige Tätigkeiten aus. Einige Dinge sind den Partnern vorbehalten.

Oft streben Anwälte auch nach der Partnerschaft, weil sie ein soziales Bild erfüllen wollen. Denn Partnerschaft wird oft gleichgesetzt mit Erfolg. Man sollte sich aber die Frage stellen, ob es wirklich nachhaltig ist, wenn man beispielsweise den Eltern oder dem Lebenspartner zuliebe Partner wird, bloß um ihnen zu zeigen, wie erfolgreich man ist.

Weitere Lebensmotive könnten eine gute Work-Life-Balance oder Unabhängigkeit sein. Hier sollte man sich aber überlegen, ob das in einer Großkanzlei realisierbar ist oder ob man dazu nicht lieber in eine kleinere Einheit wechselt.

Es kommt also auch auf die Kanzlei an, in der man Partner werden will?

In der Tat. Ein Kandidat sollte sich ganz genau anschauen, was es überhaupt bedeutet, in seiner Kanzlei Partner zu sein. Ich erlebe in meinen Coachings oft, dass manche gar kein realistisches Bild von einem Equity-Partner haben. Partner zu sein heißt zu akquirieren, ein Team zu führen, zu managen, kurz: ein Unternehmer zu sein.

Manche Anwälte wollen das aber gar nicht. Sie möchten diese unternehmerische Verantwortung nicht tragen, sondern sind lieber "Experten" in der Kanzlei. Ein Partner dagegen muss eine Art Menschenfänger sein, er muss Lust darauf haben zu akquirieren, zu netzwerken und ein Team zu führen.

Welche Alternativen bleiben, wenn ich merke, dass ich keine Partnerkarriere anstrebe?

Dann geht es zurück zu der Frage, was einem im Berufsleben wichtig ist. Ist es beispielsweise Unabhängigkeit, dann wäre ein Wechsel in eine kleinere Einheit oder Boutique denkbar. Vielleicht kommt auch eine Expertenposition als Counsel in der Kanzlei in Frage.

Der Counsel-Status ist aber nach wie vor recht unbeliebt…

Das liegt vor allem daran, dass der Begriff Counsel oft uneindeutig verwendet wird: einmal als Zwischenstufe zur Partnerschaft und dann wieder als dauerhafte Position. Vielleicht würde eine neue Bezeichnung dabei helfen, die Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

Insgesamt denke ich, die Einstellung der Kanzleien gegenüber Anwälten, die nicht Partner werden wollen, wandelt sich allmählich. Denn sie wollen die guten Mitarbeiter ja halten. Deswegen denken die Kanzleien auch zunehmend über alternative Karrieremodelle nach.

Die Fragen stellte Dr. Anja Hall.

Die Volljuristin Carmen Schön berät seit Rechtsanwälte, Unternehmensjuristen und Wirtschaftskanzleien bei Fragen zur strategischen Ausrichtung, Positionierung im Markt, Akquise und Ausbau von Mandanten sowie Führung von Mitarbeitern.

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