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Erstmals seit Jahrzehnten weniger Anwälte

Businessman [Quelle: pixabay.com, Taylor Nicole]

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110.000 junge Menschen studieren Jura – das ist Rekord. Trotzdem gibt es weniger Anwälte. Das hat auch mit der neuen Ausrichtung der Hochschulen zu tun.

Die Zahl der hierzulande zugelassenen Rechtsanwälte ist erstmals seit Jahrzehnten leicht rückläufig. Zum Jahresbeginn 2017 habe es in Deutschland 330 Anwälte weniger und damit 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr gegeben, berichtete Matthias Kilian, Direktor des Soldan Instituts, auf dem Deutschen Anwaltstag in Essen. Insgesamt hatten zum Stichtag 164.406 Anwälte eine Zulassung. Diesen "historischen Rückgang", führte der Forscher auf verschiedene Ursachen zurück.

Es gingen mehr ältere Anwälte in den Ruhestand als jüngere nachkommen, erklärte Kilian. Bis Ende der 1990er Jahre war die deutsche Anwaltschaft je Jahr um etwa 8 Prozent gewachsen, seitdem flachte die Wachstumskurve kontinuierlich ab. Der Schwund wird sich weiter verschärfen, trotz des Rekords von derzeit 110.000 Jura-Studenten in Deutschland.

Längst nicht alle würden die klassische Ausbildung mit zwei Staatsexamina (Volljuristen) machen, die für das Richteramt oder die Zulassung als Rechtsanwalt erforderlich seien, sagte Kilian. "Mittlerweile haben wir 20.000 Studenten an Fachhochschulen und sogenannte Wirtschaftsjuristen", erklärte er. Ihr Anteil hat in den vergangenen 15 Jahren stark zugenommen. Mangels Qualifikation als Volljuristen kommen die Absolventen nicht für den Staatsdienst in Frage und selten für Projekte in den größeren Kanzleien unter.

Legal Tech als Risiko für den Berufsstand

Unternehmensjuristen sind ein weiterer Faktor für die Entwicklung. Über ihren Anteil innerhalb der Anwaltschaft konnte das Soldan-Institut erstmals Zahlen vorlegen. Jahrelang war man von bis zu 40.000 Juristen in Rechtsabteilungen ausgegangen. Klarheit verschafft nun ein Urteil des Bundessozialgerichts (BSG), das 2016 die Neuordnung des berufsrechtlichen Status von Syndikusanwälten zur Folge hatte. Im Vorjahr gab es 957 Erstzulassungen für den neugeschaffenen Syndikus-Rechtsanwalt. Daneben waren 8730 Unternehmensjuristen auch als Rechtsanwälte zugelassen. Deutlich höher schätzte Kilian die Zahl der "Altfälle" ein, also solcher Unternehmensjuristen, die schon vor dem BSG-Urteil 2014 in Einzelkanzleien tätig waren.

Auf dem Anwaltstag stellte das private Soldan-Forschungsinstitut zudem die Ergebnisse seiner jüngsten Studie vor, die sich mit der Digitalisierung der Rechtsberatungsbranche beschäftigt. Was den Einsatz von Software in juristischen Arbeitsprozessen (Legal Tech) angeht, haben deutsche Anwälte Nachholbedarf. Immerhin jeder dritte Befragte ging davon aus, dass ihn ein Computerprogramm bei Routinearbeiten entlastet und er sich damit auf lukrative Mandate konzentrieren kann.

Den Mehrwert von Online-Plattformen für die Akquise oder Vermittlung neuer Mandate sahen laut der Studie gerade mal 13 Prozent der Anwälte. Deutlich mehr Juristen verbinden mit Legal Tech keine Chance, sondern ein Risiko für den Berufsstand. Immerhin 46 Prozent glaubten, dass die Digitalisierung vor allem Nicht-Anwälten nützt und sie selbst aus dem typischen Anwaltsgeschäft gedrängt werden. "Als Bedrohung werden hier vor allem Plattformen gesehen, über die überwiegend Verbraucher Alltagskonflikte schnell und günstig beilegen können", sagte Kilian.

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"Perspektiven für Juristen" gibt einen Überblick über Berufsbilder und bietet hilfreiche Tipps für die Studien- und Karriereplanung für angehende Juristen.

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