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Nicht ohne BWL

Jura Juristin am Tisch Waage LL.M. (© fotolia.com - Erwin Wodicka)

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Spätestens, wenn der Jurist beginnt, in einer Wirtschaftskanzlei zu arbeiten, geht es nicht mehr ohne Basics der Betriebswirtschaftslehre. Ganz unterschiedliche Fortbildungsangebote sollen eine solide Basis schaffen. Und der Markt wächst.

Ernsthaft hinterfragt wird die Notwendigkeit, sich auch als Jurist mit wesentlichen Grundzügen der Betriebswirtschaftslehre auszukennen, schon lange von niemandem mehr. Zumindest nicht, wenn man als Anwalt in einer Wirtschaftskanzlei arbeiten möchte.

Und doch hat sich an der seit Jahrzehnten kritisierten juristischen Ausbildung noch nichts grundlegend geändert. Zahlreiche Versuche, die Fächer Jura, Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftswissenschaften von vorneherein in kombinierten Studienfächern zu verbinden, sind bisher nicht zu ernsthaft zufriedenstellenden Ergebnissen gekommen. Viele Abschlüsse bleiben undurchsichtig, die Terminologie ist nicht einheitlich, die Aufstiegsmöglichkeiten in den Kanzleien sind begrenzt. So bleibt es dabei: Das klassische Jurastudium beschert weder den Wirtschaftskanzleien noch den Unternehmen den passend ausgebildeten Nachwuchs.

Konsequent hilft der Markt sich selbst. Es gibt seit Jahren für Volljuristen diverse Anbieter und Möglichkeiten: Diese reichen vom kompletten Ausstieg aus dem Job, um einen MBA zu machen, über berufsbegleitende Studiengänge wie den Masterstudiengang Wirtschaftsrecht an der Universität zu Köln und externe Fortbildungen bis hin zu internen Weiterbildungsprogrammen in den Kanzleien, für die sich auch externe Referenten mit besonderem Renommee verpflichten lassen. Und der Markt soll noch weiter wachsen.

Von Inhouse-Schulung bis MBA in Vollzeit

Ab diesem Herbst soll ein neuer Aufbau-Studiengang an der WHU School of Management in Vallendar das Angebot vergrößern. In Kooperation mit Wolters Kluwer Deutschland, zu der auch LTO gehört, will die Management School in das Segment der kürzeren externen Fortbildungen einsteigen, die Wirtschaftsanwälte neben ihrem Beruf absolvieren können.

Schon jetzt gibt es den 45 Tage dauernden Kurs Management for the Legal Profession an der Universität St. Gallen, ein Drei-Tages-Seminar BWL für Juristen an der Beck-Academy oder diverse Module wie 'Bilanzen lesen' oder 'Unternehmenszahlen verstehen, analysieren und interpretieren' bei Haufe.

Viele Wirtschaftskanzleien haben eigene Programme aufgesetzt, um ihren Nachwuchs so auszubilden, wie sie ihn gerne hätten – einmal abgesehen davon, dass die Absolventen derartiges auch von ihren Arbeitgebern erwarten.

Die US-Kanzlei Milbank Tweed Hadley & McCloy etwa nutzt die Harvard University für die Fortbildung, Hengeler Mueller Associates werden in St. Gallen ausgebildet. Dies ist allerdings nur ein Teil der Fortbildung – eine Vielzahl weiterer Maßnahmen wird darüber hinaus in den Kanzleien selbst angeboten.

Vollständig intern läuft die Ausbildung bei Simmons & Simmons: Ein Teil der Fortbildung findet zentral in London statt und knüpft an das Erreichen diverser Ausbildungsstufen an. Zudem lädt die Kanzlei externe Referenten ein, um auf deutsche Besonderheiten abgestimmte Schulungen inhouse abzuhalten. So lernen die Junganwälte aus dem BWL-Segment etwa Projektmanagement und Bilanzierung.

Bilanzen lesen reicht nicht mehr: Produkte, Prozesse und Leistungen designen

Projektmanagement etwa ist nicht Teil der juristischen Ausbildung, sagt Markus Hartung, das lerne man in der Betriebswirtschaft. Es geht längst nicht mehr nur darum, eine Bilanz lesen zu können. Auch die rasante technische Entwicklung des Marktes sorge für immer höhere Anforderungen an Rechtsanwälte, die Unternehmen beraten, so der Rechtsanwalt und Direktor des Bucerius Center on the Legal Profession.

"Juristen brauchen heute Verständnis für Produkte, Kosten, Kunden und Lieferstrecken." Standardisierung durch Software erfordere es auch im Rechtsmarkt, die eigene Beratungsleistung in Produkte umzuwandeln sowie die Kosten zu optimieren – und so den Mandanten in dessen Welt zu erreichen. Hartung geht – ganz im BWL-Sprech – noch weiter: "Man muss heute Prozesse und Leistungen designen", sagt er.

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