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Heuschrecken, Honigbienen und harte Verhandlungen

Reißverschluss orange (Quelle: freeimages.com, Ale_Pajva)

Quelle: freeimages.com, Ale_Pajva

Kaum ein Einsatzgebiet stellt so viele verschiedene Anforderungen an Juristen wie Mergers and Acquisitions, die rechtliche Beratung bei Unternehmensübernahmen. Das liegt daran, dass kaum ein Einsatzgebiet so vielseitig ist - und entsprechend viel Abwechslung bietet. Der schlechte Ruf, den die Branche teilweise hat, ist dabei ebenso wenig gerechtfertigt wie die Sorgen, dass M&A wegen der Finanzkrise keine Zukunft hätte.

Die Sprache im Übernahmegeschäft ist so bildhaft wie auf kaum einem anderen Rechtsgebiet. Goldene Fallschirme fangen Manager auf, Giftpillen machen Unternehmen für Kaufinteressenten unattraktiv, und über allem schweben die Heuschrecken, die zuweilen auch als Honigbienen auftreten. Das klingt nicht wie das klassische Arbeitsfeld eines jungen Juristen. Hinter den blumigen Umschreibungen verbergen sich jedoch harte Verhandlungen um die Modalitäten der Unternehmensübernahme - und damit anspruchsvolle Aufgaben für Absolventen, die auf die Gestaltung der ganz großen Wirtschaft Einfluss nehmen wollen.

Freund und Feind bei der Übernahme

Franz Müntefering machte einst den Begriff von den gefräßigen Heuschrecken für Private-Equity-Investoren populär, die meist desolate Unternehmen kaufen, aufmöbeln und dann wieder verkaufen. "Feindliche" versus "freundliche Übernahme" lauten die beiden anderen Stichworte, die im Zusammenhang mit Mergers & Acquisitions (M&A) stets fallen. Von den freundlichen Übernahmen ist allerdings nicht viel zu hören. Bekannt werden hauptsächlich die feindlichen Aufkäufe, vor allem, wenn sie mit radikalen Personaleinsparungen bei der übernommenen Firma einhergehen.

M&A - das kann ja spannend werden

Weil diese spektakulären Fälle viel häufiger in der Presse sind, prägen sie ein zwiespältiges Bild vom Berufsfeld M&A. Zu Unrecht: Wer als Jurist im M&A arbeitet, kann, will er erfolgreich sein, nicht nur die Interessen seines Mandanten durchboxen. Er muss abwägen, wie viel Entgegenkommen nötig ist, um den Deal unter Dach und Fach zu bringen. Und zuweilen seinen Auftraggeber davon überzeugen, dass seine Forderungen nicht durchsetzbar sind.

Sorgfalt ist des Anwalts erste Pflicht

Das ist nicht einfach. Schließlich wollen alle Beteiligten maximalen Profit erzielen. Und wenn es um Geld geht, denkt nicht nur der Laie zuerst an Wirtschaftswissenschaftler - auch viele Unternehmen mit Kaufabsichten machen den Fehler, sich lange nur mit M&A-Consultants, aber nicht mit einem erfahrenen Anwalt zu beraten. Der ist aber bei jeder Übernahme, egal wie groß, unverzichtbar. Er prüft die rechtlichen Risiken, die das Vorhaben birgt. Stichwort "Legal Due Diligence": Anwälte sichern die Umsetzung der "Sorgfaltspflicht", der Verpflichtung, die die Unternehmen gegenüber ihren Aktionären haben.

Der Anwalt ist unverzichtbar

Die Folge? Mit ein wenig Pech zeigen diese Unternehmen dem Anwalt erst am letzten Tag vor Abgabe den "Letter of Intent", das obligatorische Schreiben, dass die Kaufabsicht formuliert. Und der Jurist, der "nur mal eben drüberschauen" soll - schließlich ist ja alles lange beraten worden - stellt "mal eben" fest, dass wichtige kartell- oder gesellschaftsrechtliche Aspekte übersehen wurden. Richtig anspruchsvoll wird es bei den so genannten "Share Deals". Bei Übernahmen hat das aufgekaufte Unternehmen oft wenig zu sagen. Bei Aktienaufkäufen aber wollen beide Parteien die eigenen Risiken minimieren oder zumindest gerecht verteilen - hier heißt es für den Anwalt tüfteln und grübeln, um allen Anforderungen gerecht zu werden.

M&A - so viel Wissen auf einmal

Deshalb sollten Anwälte schon früh in die Planung der Übernahme eingebunden werden. Dann arbeiten sie im besten Fall Hand in Hand mit dem Berater. Dabei sind die Anwälte nicht die Führungsgestalten in dem Deal, sondern eher das Sicherheitspersonal, das alle Handlungen überwacht und im Zweifel die Beteiligten rechtzeitig vor Risiken warnt.
 
Ein guter M&A-Anwalt muss dafür aber nicht nur ein Teamplayer sein - er benötigt auch Wissen aus vielen verschiedenen Rechtsgebieten.

Ein M&A-Anwalt braucht Kenntnisse in:

  • Kapitalmarktrecht, das vor allem die Rechte der Kleinaktionäre schützen soll,
  • Handels- und Gesellschaftsrecht,
  • Arbeitsrecht, um eventuell nötige Entlassungen sozialverträglich und rechtlich einwandfrei zu gestaltet,
  • Kartellrecht, damit die Übernahme nicht kurz vor Abschluss vom Kartellamt gestoppt wird,
  • Steuerrecht, um die steuerlichen Folgen des Deals beurteilen zu können,
  • und je nach Fall und Branche auch Immobilien-, Umwelt- oder gar Arzneimittelrecht.

Der Jurist, ein Wirtschaftskenner

Juristisches Detailwissen genügt aber noch lange nicht. Vom M&A-Anwalt wird verlangt, was Kritiker den Juristen stets absprechen: Er muss wirtschaftlich denken können und auch mal die eine oder andere Bilanz lesen und verstehen. Darüber hinaus muss er sich mit ausländischen Rechtssystemen auskennen: Das "Mutterland" der M&A sind nämlich die USA, gefolgt von Großbritannien. Deutschland zieht in Sachen Transaktionsvolumen und eben auch in Sachen rechtlicher Regelungen erst langsam nach. Deshalb werden die Kaufverträge oft vom deutschen Kaufrecht abgekoppelt und individuell entworfen. Ein LL.M., erworben in England oder den Vereinigten Staaten, ist daher ein dickes Plus bei der Bewerbung.

M&A - ein Job zum Hineinwachsen

Die vielen Anforderungen zeigen: Von der Uni mitten in die erste Fusionsberatung - das klappt nicht. Wer erfolgreicher M&A-Anwalt werden will, muss schon einiges an Erfahrung mitbringen. Das bedeutet aber nicht, dass Absolventen das Berufsfeld nicht betreten können. Wer sich schon im Studium mit Übernahme-, Börsen-, Steuer- und Gesellschaftsrecht befasste, der kann durchaus recht bald bei ersten Übernahmen mitarbeiten und aus der Praxis und von den erfahreneren Kollegen lernen. Juristen, die erst nach dem zweiten Examen feststellen, dass ihr Herz für die Welt der Giftpillen, Honigbienen und Fallschirme schlägt, haben aber ebenso alle Chancen, sich in die Materie einzuarbeiten. Und warum sich das auch heute, trotz Finanzkrise und abnehmender M&A-Aktivität lohnt - das liest du auf Seite 2.

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"Perspektiven für Juristen" gibt einen Überblick über Berufsbilder und bietet hilfreiche Tipps für die Studien- und Karriereplanung für angehende Juristen.

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