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Von Eurowings bis Unisex

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg [Quelle: Wikimedia Commons - Cédric Puisney, CC BY 2.0]

Quelle: Wikimedia Commons - Cédric Puisney,  CC BY 2.0

Was haben Cadbury-Schweppes, Marks & Spencer und Eurowings gemeinsam? Alle drei Unternehmen sind schon einmal vor den Europäischen Gerichtshof gezogen. Das oberste EU-Gericht ist eine mächtige Institution, aber auch ein begehrter Arbeitgeber. Um hier ein Praktikum oder die Wahlstation zu absolvieren, gibt es einen offiziellen Weg - und einen inoffiziellen.

Einmal am EuGH arbeiten - der Traum vieler Juristen. Schließlich ist der Europäische Gerichtshof ein Rechtsprechungsorgan mit enormen Gestaltungsmöglichkeiten: Der EuGH legt das EU-Recht für die gesamte Europäische Union mit ihren 27 Mitgliedsstaaten aus. Daraufhin müssen die Staaten häufig ihre Gesetze anpassen - so zum Beispiel Deutschland sein Steuerrecht nach der sogenannten "Eurowings-Entscheidung".
 
EuGH-Entscheidungen können aber nicht nur für einzelne Branchen weitreichende Konsequenzen haben, sondern sogar für die gesamte Bevölkerung - wie jüngst das Urteil zu Unisex-Tarifen bei Versicherungen zeigt. Ein spannendes Feld für Juristen also. Bleibt nur noch die Frage: Wie kommt man an den EuGH?

Wo geht's hier bitte zum Praktikum?

Die Bewerbungsunterlagen für ein Praktikum muss man schriftlich beim EuGh einreichen. Hierfür muss man ein Formular ausfüllen, das man auf den Seiten des EuGH herunterladen kann. Dort findet man auch die Anschrift füt die Bewerbung. Ein Praktikum beim EuGH dauert normalerweise bis zu fünf Monate. Während des Jahres werden dafür zwei Zeiträume angeboten: Vom 1. März bis zum 31. Juli und vom 1. Oktober bis zum 28. Februar. Die Bewerbungsfrist endet für das Frühjahrs-/Sommerpraktikum am 30. September des Vorjahres, für das Herbst-/Winterpraktikum am 30. April desselben Jahres. Jedoch sollte man nicht bis zum letztmöglichen Termin warten. Denn: Die Konkurrenz ist groß.

Die Alternative: Bewirb dich direkt beim Richter

Allerdings gibt es eine Möglichkeit, den offiziellen Bewerbungsweg zu umgehen: indem du dich direkt bei einem Richter oder Generalanwalt für ein Praktikum bewirbst. Hier solltest du eine Vorlaufzeit von einem Jahr einrechnen - dafür bist du dann aber auch nicht an die üblichen Praktikumszeiträume gebunden. Die Richter und Generalanwälte können sich die Mitarbeiter in ihrem Kabinett selbst aussuchen. Umso wichtiger ist es, dass du in deiner Bewerbung genau begründest, warum du gerne in einem bestimmten Kabinett arbeiten würdest. Im Gegensatz zum Weg über die Personalabteilung des EuGH, wo du lediglich ein Formblatt ausfüllst und deine Zeugniskopien beifügst, kannst du dich bei einer direkten Bewerbung mit deinem Motivationsschreiben hervorheben.

Voraussetzungen: Französisch, ja bitte!

Egal, ob du dich für den offiziellen oder den "inoffiziellen" Weg entscheidest: Gute Französischkenntnisse sind bei einer Bewerbung am EuGH immens wichtig, denn Französisch ist hier Arbeitssprache. Ansonsten zählen vor allem die Note des Ersten Staatsexamens sowie deine Kenntnisse im Europarecht. Auslandserfahrung ist ein Plus.

Deine Aufgaben als Praktikant

Bewirbst du dich direkt bei einem Richter oder Generalanwalt, bist du je nach Kabinett mit ganz unterschiedlichen Aufgaben betraut: So musst du zum Beispiel bei der Ausarbeitung von Schlussanträgen helfen oder Recherchetätigkeiten übernehmen. Falls du lieber den "Umweg" über die Personalabteilung gehst, kannst du mit einem Einsatz beim Wissenschaftlichen Dienst des EuGH rechnen. Dort wird dir ein sogenannter "Maître de Stage" zugewiesen, der sich während des Praktikums um dich kümmert und dich unterweist.

Die Wahlstation beim EuGH?

Wer die Wahlstation seines Referendariats beim Europäischen Gerichtshof absolvieren will, sollte das vorher mit der zuständigen Landesjustizverwaltung klären, da für die Anerkennung von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Regelungen gelten. Für die Wahlstation muss man sich dann beim EuGH regulär um ein Praktikum bewerben.

Wie macht man Karriere beim EuGH?

Wer bei einem Praktikum EuGH-Luft geschnuppert hat, kann sich vielleicht vorstellen, später dort zu arbeiten. Neben dem Wissenschaftlichen Dienst und den einzelnen Kabinetten aus Generalanwälten und Richtern sucht insbesondere der Übersetzungsdienst nach Mitarbeitern - sogenannten "Sprachjuristen". Diese machten 2008 stolze 46 Prozent des Gesamtpersonals aus. Sprachjuristen können Volljuristen werden, die außer ihrer Muttersprache mindestens zwei weitere EU-Sprachen beherrschen. Genauso wie Anwärter für den Wissenschaftlichen Dienst müssen Sprachjuristen das Auswahlverfahren des Europäischen Amts für Personalauswahl durchlaufen. Kabinettsmitglieder werden dagegen vom jeweiligen Richter oder Generalanwalt selbst ausgewählt. 

Und wenn ich Richter am EuGH werden will?

Wer es auf die ganz große Karriere anlegt und sich schon als Richter am EuGH sieht, sollte sich mit einer akademischen Laufbahn anfreunden können: Die meisten Richter am EuGH sind ehemalige Professoren, häufig für Europa- oder Völkerrecht. Einer kleinere Zahl hat zuvor eine Karriere als Richter eingeschlagen. Viele haben zudem zuvor in verschiedenen Positionen bei Organen der EU gearbeitet oder waren bei nationalen Institutionen oder Regierungen für Europafragen zuständig.

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"Perspektiven für Juristen" gibt einen Überblick über Berufsbilder und bietet hilfreiche Tipps für die Studien- und Karriereplanung für angehende Juristen.

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Kommentare (4)

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  1. Anonym

    Sehr gerne. Wenn noch weitere Fragen aufkommen sollten, einfach stellen.

  2. Anonym

    Liebe Anna, vielen Dank für die schnelle Antwort. Das hilft mir schon sehr weiter.

  3. Anonym

    Lieber Christian, "gute Französischkenntnisse" bedeutet, dass du verhandlungssicher bist und die juristische Fachsprache beherrschst. So wie an jedem deutschen Gericht, solltest du auch am EuGH keine Verständnisprobleme haben. Ob du diese Voraussetzung erfüllst, hängt unabhängig von jedem Zertifikat zunächst von deiner eigenen Einschätzung ab.

  4. Anonym

    Was heißt denn wohl "Gute Französischkenntnisse"? Reicht DELF B2 oder sollte man eher einen französischen Master o.ä. haben?

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