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Quelle: Pixabay.com, geralt

Zweieinhalb Jahre lang arbeitete Marina Sokolova bei Goldman Sachs. Dann kündigte sie. Die Aussteigerin erzählt, wie das Leben einer Elite-Bankerin aussieht.

Wenn sie davon erzählt, wie einmal über Nacht der Ölpreis gefallen war, glänzen ihre Augen noch heute. Ein Minus von zehn Dollar das Barrel, vielleicht sogar zwanzig. Marina Sokolova (die anders heißt) erinnert sich nicht genau. Aber wie gern denkt sie an diesen Tag zurück. "Wenn der Ölpreis fällt, fällt alles", sagt Sokolova, und: "Das Adrenalin war super."

Als sie am Morgen ihren Arbeitsplatz im Handelsraum von Goldman Sachs in London betrat, klingelten die Telefone schon wie verrückt. Die junge Analystin starrte auf ihre drei Bildschirme: Zahlen, Graphen, Meldungen, aus denen sie Schlüsse ziehen musste. Hier die internen Programme der Bank. Dort die Marktdaten. Daneben die Weltpolitik. Und jede Sekunde Änderungen. Entwicklungen. Sprünge. Manche davon waren eine unmittelbare Reaktion auf Geschäfte, die sie soeben getätigt hatte. "Das ist wirklich toll zu sehen, wie sich das auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt", sagt die junge Frau. Bis zu drei Deals gleichzeitig schloss sie ab, einen am Telefon, zwei im Chat. Um sie herum das Geschrei der Händler, die überkochenden Emotionen der Kollegen, die just in diesem Moment Geld gewannen oder verloren.

Ruhe bitte. Kamera läuft. Ton ab.

22 Jahre war Marina Sokolova damals alt. Noch immer liegt ein gewisses Staunen in ihrer Stimme angesichts der Kunden, die sie damals am Telefon hatte, älter, erfahrener und so viel einflussreicher als sie. "Und die wollten wirklich meine Meinung wissen", sagt sie. "So viel Verantwortung in so jungen Jahren – das war schon toll."

Sokolova sitzt im Zuschauerraum der Jahrhunderthalle Hoechst bei Frankfurt. Auf der Bühne des Veranstaltungszentrums, in dem sonst Rockkonzerte stattfinden, sind drei Podien aufgebaut. Namensschilder, Wassergläser, mäßig dekorativer Kunstfarn. Die Frauen tragen Föhnfrisuren, die Männer Anzüge. Die Krawatten könnten ein bisschen farbenfroher sein, findet Sokolova. Aber persönlich hat sie nie eine Jahreshauptversammlung erlebt. Für die große Bilanz bei Goldman Sachs sei sie dann doch zu jung gewesen.

Gleich wird der Vorstandsvorsitzende der fiktiven Bank "Deutsche Global Invest" an das Rednerpult treten. Der Schauspieler Jean-Marc Barr, einst bekannt geworden mit Luc Bessons "Im Rausch der Tiefe", wird sagen, dass moderne Gesellschaften ohne Investmentbanking nicht mehr denkbar seien. Sofort werden ein paar Statisten im Publikum "Halsabschneider" brüllen und ein Transparent hochhalten, auf dem "Profite durch Landraub und Rüstung" steht. Ruhe bitte. Kamera läuft. Ton ab.

Jahrgangsbeste und hartnäckigste Schwänzerin zugleich

Es ist der vorletzte Drehtag zu "Bad Banks", einer sechsteiligen Serie fürs ZDF, der Sendetermin steht noch nicht fest. Die Hauptrolle spielt die blutjunge Paula Beer, das System internationaler Großbanken ist weniger Schauplatz als Gegenstand und Motor dieses Thrillers. "Das ist eine Elitenwelt mit hochintelligenten Menschen, die hochkomplexe Dinge tun", sagt Lisa Blumenberg von der Filmproduktionsfirma Letterbox, die im Nachgang der Finanzkrise die Idee zu dem Projekt entwickelt hat. "Das sind keine schlichten Zocker oder Kriminelle. Und trotzdem läuft es aus dem Ruder."

Während auf der Bühne die fiktive Jahreshauptversammlung vorbereitet wird, sitzen Blumenberg und Marina Sokolova im Zuschauerraum. Die Produzentin erzählt von mehrjährigen Recherchen. Für Regisseur Christian Schwochow sei es leichter gewesen, für seinen NSU-Film Zugang zu rechtsradikalen Kreisen zu bekommen, als in die Bankerszene einzusteigen. Für das Drehbuch gab es offizielle Berater. Damit sich aber die Schauspieler ein Bild aus erster Hand machen konnten, um ein Gefühl zu entwickeln, wie Banker ticken, wie sie denken und reden, hat die Produktion Insider wie Sokolova hinzugezogen. Denn auch darum geht es in "Bad Banks", wie Blumenberg sagt: "Wir versuchen auszuloten: Was treibt diese Leute an?"

Die Russin Sokolova zum Beispiel, in Wiener Diplomatenkreisen aufgewachsen, sah sich ursprünglich gar nicht als Bankerin. Als sie noch in Cambridge Literaturwissenschaften studierte, liebäugelte sie eher mit einer Karriere bei den Vereinten Nationen. Sokolova glaubte an Ideen, nicht an das schnelle Geld. Sie hatte in Österreich eine Klasse übersprungen, obwohl sie erst mit zehn Jahren aus Moskau dorthin gezogen war. Die Schule verließ sie mit einer ungewöhnlichen Doppelauszeichnung: Jahrgangsbeste und hartnäckigste Schwänzerin zugleich. Nun neigte sich ihr Studium dem Ende zu, und weil ihr eine Arbeitsgenehmigung für Österreich fehlte, musste sie sich eine Zukunft in Großbritannien aus dem Boden stampfen. "Probier’s doch mal bei einer Bank", rieten Freunde. Auf den fachlichen Background komme es gar nicht an.

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